11.12.2009 | Redakteur: Daniel Feldmaier

Zahlreiche Unternehmen scheuen die Investition in neue Server-Hardware. Damit verzögern sie den Aufschwung in der IT-Branche, doch der Umschwung kommt – spätestens im dritten Quartal 2010.
Server bleiben der Dreh- und Angelpunkt der gesamten IT. Immer neue Peta-Flop-Bestmarken (eine Billiarde Operationen pro Sekunde) in der Top-500-Liste machen Schlagzeilen. Viele Kunden halten sich jedoch beim Hardware-Kauf noch zurück – erstaunlich, denn allein durch die Energiespar-Effekte rechnen sich die Investionen in überschaubarer Zeit. Mittlerweile gibt es immer mehr speziell auf kleine Unternehmen zugeschnittene, preiswerte Server.
Noch im Jahr 2008 war Deutschland der größte Servermarkt des EMEA-Wirtschaftsraumes. Hierzulande wurden knapp 400.000 Server verkauft und dabei rund zwei Milliarden Euro umgesetzt. Am Jahresende 2009 dürfte jetzt aber ein Absatzeinbruch von etwa 35 Prozent zu beklagen sein. Analysten von IDC machen unter anderem große deutsche Unternehmen dafür verantwortlich, die sich schwerer von ihren teuren Highend-Servern trennen können als die Kollegen im übrigen Westeuropa und die damit das B2B-Geschäft hemmen.

Das zögerliche Investitionsverhalten der Unternehmens-Kunden versuchen die Hersteller mit unterschiedlichen Marktstrategien aufzubrechen. Während sowohl Marktführer HP als auch Fujitsu ein relativ harmonisches Verhältnis zwischen Umsatz und Stückzahlen pflegen, driften die Mitbewerber entweder in Richtung Wertigkeit oder aber in Richtung größtmöglicher Absatzzahlen auseinander.
IBM, hinsichtlich Umsatz ganz knapp hinter HP positioniert, setzt traditionell auf hochpreisige Systeme: Im zweiten Quartal dieses Jahres verkaufte Big Blue nur knapp ein Drittel so viele Server wie HP – bei annähernd gleichem Wertevolumen (siehe Grafik links).
Sun, im Gesamtumsatz von HP und IBM deutlich auf Rang 3 verwiesen, schaffte dennoch den Rekord in puncto Hochwertigkeit: Für jeden verkauften Server ergatterte das Unternehmen in Q2 2009 rund das Dreifache am Umsatz-Kuchen (siehe Grafik oben). Das gegenteilige Verhältnis zwischen Umsatz und Stückzahlen erwirtschaftete dagegen Dell. Für ein Prozent am EMEA-Umsatz mussten die US-Amerikaner zwei ihrer Server über den Tisch wandern lassen, wobei sie so ihren durchschnittlichen Umsatz pro Server erheblich steigern konnten.
Fazit: Sowohl im Commodity-Bereich als auch im anspruchsvollen High-End-Server-Segment stellt sich der Markt deutlich ausdifferenziert dar, und die Hersteller besetzen ihre Nischen mit einer konstanten Entwicklung im Jahresvergleich. Nutznießer der aktuellen Marktlage sind auch die Hersteller außerhalb der Top 5. Dahinter verbergen sich unter anderem Acer, NEC, Kraftway, Apple, Transtec und Lynx.
Besser als andere Teilsegmente des Servermarktes schneiden Standard-Server auf Basis von x86-Architekturen ab. Dies ist vor allem auf die wachsende Nachfrage nach Blade-Servern und die Konsolidierungsprojekte in vielen Unternehmen zurückzuführen. Natürlich hat auch in diesem Segment der Markt unter der Krise zu leiden. Aber den Verlust müssen allein die beiden Marktführer HP und IBM hinnehmen, während die kleinen Hersteller Marktanteile hinzugewinnen können. Zufrieden sein dürfte CEO Michael Dell angesichts der Zahlen aus Deutschland, denn Dell konnte seinen Absatz hierzulande innerhalb eines Jahres um knapp 47 Prozent steigern. Aber auch Sun und Fujitsu können mit ihren Zugewinnen beim Blade-Absatz zufrieden sein. In den kommenden vier Quartalen wird sich der Abwärtstrend abschwächen und das Käuferinteresse, nach Angaben von Branchenexperten und Analysten, allmählich wieder anziehen.
Mit einem echten Umsatzwachstum in der EMEA-Region rechnen die Marktforscher von IDC aber erst im dritten Quartal 2010. Vieles spricht mittelfristig für einen durchschlagenden Erfolg der Blade-Server. Diese benötigen insgesamt weniger Platz und verringern, verglichen mit herkömmlichen Rackservern, den Energieverbrauch und die Aufwendungen für die Systemkühlung.
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