28.09.2009 | Autor / Redakteur: Dr. Peter Koch, CTO Knürr AG / Ulrich Roderer
Auf dem Hintergrund der aktuellen Klimaschutzdiskussion ist „Grüne IT“ das neue Schlagwort. Initiativen schießen wie Pilze aus dem Boden. Sicher ist damit nicht gemeint, Rechenzentren grün anzustreichen – wie das auf Anzeigen eines großen Serverhersteller zu sehen war – und so die Tatsachen zu übertünchen. Gefordert sind reale Infrastrukturmaßnahmen.
Die Nutzer der Informationstechnologie rangieren in der Spitzengruppe der Stromverbraucher mit den größten Zuwachsraten. Laut Gartner verursacht derzeit die gewerbliche IT etwa zwei Prozent des weltweiten Ausstoßes an CO2 – und damit etwa genauso viel wie der Flugverkehr. Tatsache ist, dass sich der Stromverbrauch für die IT weltweit innerhalb von fünf Jahren verdoppelt hat.
Weltweit wurden 2005 etwa 120 Milliarden Kilowattstunden für den Betrieb von Rechenzentren verbraucht, das entspricht der Produktion von 14 Großkraftwerken der 1000 MW Klasse. Dieser Wachstumstrend wird entweder nahezu ungebremst fortgesetzt oder, abhängig vom zu erwartenden Szenario, auch flacher verlaufen oder sogar gebrochen werden können.
Nach der Prognose der EPA (U.S. Environmental Protection Agency) für die USA sind mehrere Szenarien möglich. Selbst wenn Rechenzentren mit der bisherigen Effizienz weiterbetrieben werden („Current efficiency trends scenario“), ist eine Verdoppelung des Stromverbrauchs nicht zu erwarten. Dennoch ist mit einem Zuwachs um etwa 75 Prozent bis zum Jahr 2011 („Historical trends scenario“) zu rechnen.
Alternative Szenarien beruhen auf einem moderaten bis aggressiven Einsatz von energiesparenden Technologien sowohl auf Seiten des IT-Equipment wie auch der physikalischen Infrastruktur. Die dafür notwendigen Technologien sind heute schon verfügbar oder demnächst einsatzreif, so dass auch das ambitionierteste Szenario durchaus realisierbar scheint. Bei konsequenter Umsetzung wären bis zu 40 Prozent Energieeinsparung gegenüber dem bisherigen Stand erreichbar.
Wenn allerdings, so wie bisher, neue Technologien von den Betreibern von Rechenzentren mit großer Vorsicht und nur zögerlich umgesetzt werden, muss davon ausgegangen werden, dass der Energieverbrauch der Rechenzentren insgesamt doch weiter ansteigen wird, wenn auch mit gebremsten Wachstum. Mit Sicherheit sind in nächster Zeit sowohl in den USA auch als auch in der EU gesetzliche Regelungen zu erwarten, die nachhaltige Verbesserungen erzwingen werden.
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