Handbuch über Best Practises und Technologien des datacenter-baus

Schon bei der Planung eines Rechenzentrums die Faktoren Vibration und Erschütterungen berücksichtigen

22.02.2008 | Autor / Redakteur: Mark Fontecchio, / Ulrich Roderer

Rechenzentren gegen Erschütterungen schützen

Bei der Wahl des Standorts für den Neubau eines Rechenzentrums sollte auch der Faktor Erschütterung und Vibration mit einbezogen werden. Die American Society of Heating, Refrigerating and Air-Conditioning Engineers Inc.(ASHRAE) hat ein Handbuch zu diesem Fragenkomplex veröffentlicht.

“Structural and Vibration Guidelines for Datacom Equipment Centers” heisst das neue Handbuch. Er wurde vom der technischen Arbeitsgruppe 9.9 erarbeitet, die mit über rund 300 Mitgliedern die größte der 110 technischen Komitees ist. SearchDataCenter sprach mit Roger Schmidt, dem Autor und Chairman des technischen Kommitees 9.9 von ASHRAE.

SearchDataCenter: Welche Arten von Erschütterungen und Vibrationen behandelt das neue Handbuch und welche Schäden werden dadurch verursacht?

Roger Schmidt: Vibrationen können durch viele Quellen erzeugt werden: Transportsysteme, Eisenbahnen, Erdbeben. Aber auch durch mobile Geräte wie Klimatisierungen oder schwere Geräte die über den Fußboden gerollt werden. Sie alle können Einwirkungen auf das IT-Equipment haben.

Viele Verbindungen in und zwischen IT-Geräten können sich durch Vibration lösen. Festplatten sind ebenfalls störanfällig auf Vibration oder Erschütterung. Grundsätzlich kann jedes mechanisch bewegbare Teil Auswirkungen auf die Elektronik haben.

Wird das nicht schon alles durch bestehende Baurichtlinien und Feuerschutzbestimmungen abgedeckt?

Rechenzentren enthalten spezielles Equipment. Vieles gesetzliche Regeln denken nur die Minimalanforderungen an die Gebäudestruktur ab. Das Buch geht darüber hinaus, denn die Entwurfsverfahren berücksichtigen nicht alle für ein Rechenzentrum relevanten Details.

Beeinträchtigen Vibration und Erschütterungen auch große Installationen wie Chiller- und Generatoranlagen?

Das hängt davon ab, wo diese Infrastruktur eingebaut wird. Viele Unternehmen beispielsweise bauen ihre Chilller-Anlagen ebenerdig, damit sie einfach zugänglich und zu warten sind. Allerdings erzeugen die großen rotierenden Maschinen, die Kühlflüssigkeit pumpen, starke Vibrationen, die nicht ins Rechenzentrum gelangen sollten. Deshalb muss beim Bau sichergestellt sein, dass diese Vibrationen nicht über den Boden und den Stützpfeilern der Wände übermittelt werden.

Beschreibt das Handbuch im Detail, mit welchen Maßnahmen Unternehmen dies technisch realisieren können?

Man kann nicht alle Details abdecken, denn jeder Standort und jede Anlage hat ganz eigene Voraussetzungen. Aber es enthält verschiedene Techniken und Quellangaben darüber, wie sich Vibrationsübertragungen minimieren lassen, beispielsweise der Stützstangen bei doppeltem Boden. Es enthält also alle Best Practises zu diesem Thema.

Wie ist das Buch aufgebaut?

Es besteht aus vier Hauptabschnitten. Ein Teil widmet sich den Best Practises, eine andere Abteilung beschäftigt sich mit der Gebäudestruktur eine weitere mit der Infrastruktur. Die vierte behandelt die Rechenzentrumsausstattung. Das Buch besteht aus dreizehn Kapiteln mit fünf Appendices mit vertiefenden Informationen zu Materialien, Berechnungen und messtechnischen Problemen.

Glauben Sie, dass der Entwurf von Rechenzentren schon so komplex geworden ist, dass nur noch die größten Unternehmen selbst solche bauen können?

Ja und nein. Es gibt Unternehmen, die sich auf den Entwurf von Rechenzentren spezialisiert haben und die auch in der Lage sind, solche Anlagen für große Rechenanlagen zu erstellen. Aber es kommt deutlich mehr Technologie zum Einsatz, als noch vor fünf Jahren.

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