Neue Management-Tools

Problemfall Virtualisierung und Blades

09.05.2007 | Autor / Redakteur: Jan Stafford / Ulrich Roderer

Auch wenn Virtualisierung und Blade Server die Anzahl der physichen Komponenten reduzieren, die IT-Mitarbeiter verwalten müssen: einfacher wird das Management dadurch nicht. „Eine virtualisierte Umgebung besteht aus mehr zu verwaltenden Einheiten als die zuvor bestehende. Dazu zählen alle Betriebssysteminstanzen sowie die VM-Hosts. Damit steigt die Arbeitsbelastung von Administratoren, sie sinkt nicht“, sagt Andrew Hillier, CTO von Cirba, ein Beratungsunternehmen mit Schwerpunkt Virtualisierung, im Gespräch mit searchdatacenter.de.

Um die Mehrbelastung durch Blades und VMs auszugleichen, müssen IT-Abteilungen neue Managementprozesse aufsetzen. Searchdatacenter sprach mit Hillier über die neuen Aufgaben.

Searchdatacenter:

Müssen IT-Leiter die Management-Richtlinien ändern, wenn sie Virtualisierung einführen?

Andrew Hillier:

Virtualisierung lässt sich theoretisch so einführen, dass sie kaum Einfluss auf bestehenden Managementprozesse nimmt. Aber damit wird oft das Potenzial verschenkt, dass Virtualisierung bietet. Virtuelle Maschinen (VMs) lassen sich zwar ähnlich wie physische Systeme einrichten und implementieren. Aber diese Technik bietet weit mehr. Fortschrittliche Unternehmen nutzen sie, um Entwicklungs- und Testzyklen zu flexibler zu machen und Performancetests und Disaster Recovery zu automatisieren.

Searchdatacenter:

Welche Managementsysteme sind durch Virtualisierung betroffen?

Hillier:

Störfall- und Problemmanagement: Ein Hardwareproblem kann sich auf mehrere virtuelle Maschinen auswirken. Wenn die Event-Konsole nicht in der Lage ist, das Grundproblem zu analysieren, dann passiert es, dass dieser eine Hardwarefehler mehrfach gemeldet wird. Auch das Wartungsfenster von VMs ist abhängig davon, wie VMs miteinander verknüpft sind. Es kann dann schwierig werden, ein Problem zu beheben.

Ein weiterer Punkt betrifft die Kapazitätsplanung. Tools, die nicht in der Lage sind, Ressourcen auf VMs zu verteilen oder sie auf CPU-Niveau zu normalisieren, lassen sich kaum in virtuellen Umgebungen einsetzen. Worin besteht die Auslastung einer VM? Sofern die VM nur die Ressourcen vom Host bekommt, die sie tatsächlich im Moment benötigt, ist diese Frage irrelevant.

Im Bereich des Netzwerks erlauben es viele Virtualisierungstechniken, Systeme neu aufzusetzen und ins Netz zu implementieren ohne die normalerweise notwendigen Versorgungsschritte. Sofern eine VM eine existierende NIC mitbenutzt, kann das die Softwareinstallation zwar vereinfachen, aber meistens schafft es nur eine gefährliche Situation, weil die Netzaktivitäten nicht überschaubar sind.

Searchdatacenter:

Wie wirkt sich Virtualisierung auf das IT-Budget aus?

Hillier:

Die Abrechnung wird schwieriger. Es stellt sich die Frage, was sind Leerlaufzeiten und wie sollen sie abgerechnet werden. Die meisten traditionellen Systeme rechen Leerlaufzeiten nicht ab, aber jemand muss für das System zahlen.

Searchdatacenter:

Setzt Virtualisierung voraus, dass IT-Mitarbeiter erfahren sind im Umgang mit mehreren Betriebssystemen?

Hillier:

Virtualisierung erzeugt tatsächlich Probleme, falls beispielsweise Administratoren neben den Systemen auch VMs verwalten und damit Zugriff auf die VM-Platten-Images erhalten. Zugangskontrolle und Compliance-Regeln lassen sich leichter einhalten, wenn Administratoren entweder nur Systeme auf Betriebssystemebene oder VMs verwalten.

Searchdatacenter:

Haben Sie beobachtet, dass Anwender von Virtualisierung Probleme haben mit der Dokumentation und dem Auffinden von VMs?

Hillier:

VMs lassen sich sehr einfach erstellen und es besteht die Gefahr der ungezügelten Vermehrung. Fehlen dann entsprechende Dokumentationsprozesse ist es unmöglich zu sagen, wer warum eine VM erzeugt hat und ob sie überhaupt benutzt wird. Hier helfen nur strengere Prozesse und Konventionen der Namensgebung. Unerlässlich sind Werkzeuge, die VMs aufspüren und überprüfen in Bezug auf installierte Software, Gebrauch etc..

Searchdatacenter:

Frühe Anwender von Blades haben berichtet, dass sie Problem mit dieser Technologie hatten, vor allem dem Management.

Hillier:

Blades besitzen einen noch höheren Grad der gemeinsamen Verwendung von Komponenten und damit noch größere Komplexität. Werden NICs auf Racklevel gemeinsam verwendet, wird die Analyse von Workloads besonders wichtig. Auch die Wartung sollte bedacht werden. Es muss ein Zeitfenster geben, innerhalb dessen alle Anwendungen eines Racks heruntergefahren werden können, um Wartungsarbeiten durchzuführen.

Searchdatacenter:

Sind die Managementwerkzeuge schon für Blade Server optimiert?

Hillier:

In der Zwischenzeit sind bessere analytische Tools für Planung und Management von Blades verfügbar. Sie sind optimiert auf die Anforderungen von Systemen, die viele Komponenten gemeinsam verwenden.

Searchdatacenter:

Viele IT-Manager sind mit der Virtualisierung von Rackservern sehr zufrieden und wollen nicht auf Blades wechseln. Was entgeht ihnen oder gewinnen sie auch durch diese Entscheidung?

Hillier:

Das Virtualisieren von Rackservern vereinfacht das Management, weil weniger Komponenten gemeinsam verwendet werden. NICs werden von weniger Instanzen gleichzeitig verwendet, Hardwarefehler beeinträchtigen weniger Systeme und die Hardwareanforderungen lassen sich besser auf jede Gruppe von gemeinsam verwendeten Anwendungen zuschneidern. Andererseits sind größerer Platzbedarf und höhere Kosten ein Manko.

Searchdatacenter:

Haben sie schon mit Blades in einem Virtualisierungsprojekt gearbeitet?

Hillier:

Wir haben Analysen gemacht, wie sich physische Server auf Blades migirieren lassen. In einem Fall fanden unserer Werkzeuge Token-Ring-Karten in einigen Servern. Damit war das Projekt gestorben, denn Token Ring wurde von der Zielhardware nicht unterstützt, auch nicht von der Virtualisierungslösung.

In einem anderen Fall verhinderten spezielle Platinen eines interaktiven Sprachssystems die Virtualisierung. Meistens aber sehen wir, dass Virtualisierungspläne Systeme kombinieren, die in zu vielen Netzwerken eingebunden sind und die deshalb zusätzliche NICs benötigen.

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