25.01.2008 | Autor / Redakteur: Achim Karpf / Ulrich Roderer
Im Zuge der in letzter Zeit verstärkt in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückten Klimadiskussion haben viele Unternehmen – teilweise sogar ganze Industriezweige – umfangreiche Kampagnen gestartet, die ihr Engagement im Umweltbereich unterstreichen sollen. Auch die IT-Industrie hat Lösungen parat.
Green-IT beschreibt nicht nur die Zusammensetzung der Komponenten, aus denen Rechnersysteme bestehen und den daraus entstehenden Belastungen der Umwelt im Betrieb sowie bei der Entsorgung, sondern bezieht sich auch auf die Fähigkeit einer IT-Umgebung, Strom zu sparen. Konkret bedeutet das, dass unter dem genannten Begriff zwei völlig unterschiedliche Themenbereiche zusammengefasst wurden. Wir wenden uns in diesem Beitrag dem Thema Energieeffizienz zu und stellen das Einsparpotential an Strom in Verbindung mit Virtualisierung vor.
Ökologisch Strom sparen
Die Diskussionen rund um Green-IT motivieren viele Hersteller dazu, auf den „grünen“ Zug aufzuspringen. Zum Stromsparen existieren schon seit langer Zeit so unterschiedliche Technologien wie APM (Advanced Power Management) oder ACPI (Advanced Configuration and Power Interface). APM wurde in den frühen 90er-Jahren von Intel und Microsoft entwickelt und verfolgt den Ansatz, die Energiesparfunktionen (wie beispielsweise das Heruntertakten von Prozessoren oder das Ausschalten vorübergehend nicht benötigter Rechnerkomponenten) ausschließlich durch das BIOS und die Hardware steuern zu lassen.
Bei ACPI übernimmt diese Aufgabe das Betriebssystem. Da letzteres einen besseren Überblick über die tatsächliche Aktivität eines Rechners hat, gelang es ACPI in den letzten Jahren, APM fast vollständig zu verdrängen. So lange es die Stromsparfunktionen auch gibt, so haben sie doch erst in den letzten Jahren wirklich an Bedeutung gewonnen.
Früher spielte das Stromsparen vor allem bei mobilen Komponenten eine Rolle, die durch einen Akku betrieben wurden. Heute sind aber sowohl der Stromverbrauch als auch die Stromkosten in Rechenzentren so stark gestiegen, dass es für Dienstanbieter und Unternehmen unverzichtbar geworden ist, ihre Netzwerke so zu konfigurieren, dass sie möglichst energieeffizient arbeiten. Abgesehen von den eben genannten Methoden APM und ACPI spielt in diesem Zusammenhang auch die Verwendung neuer stromsparender Prozessoren eine wichtige Rolle, die nach Angaben der Hersteller Einsparungen von bis zu 90 Prozent realisieren.
Die hierbei relevanten Stromspartechniken nennen sich „Cool‘n‘Quiet“ bei AMD und „Speed-Step“ bei Intel und sollen einen besonders effizienten Prozessorbetrieb ermöglichen, da die CPUs damit meist nur bei halber Leistung arbeiten und nur im Bedarfsfall in den stromfressenden Full-Speed-Modus schalten.
Abgesehen von den bereits genannten Faktoren ist es auch sinnvoll, wenn die Administratoren in Rechenzentren ihre Kühlsysteme genau unter die Lupe nehmen und die Hardware so weit wie möglich konsolidieren, damit keine Systeme laufen (und Strom verbrauchen), die eigentlich gar nicht nötig sind. In diesem Zusammenhang spielt unter anderem die Virtualisierung eine wichtige Rolle, wie wir in der Folge in diesem Kompendium noch verdeutlichen werden.
Gerade beim Umgang mit Desktop-Computern lässt sich Energie in einem durchaus relevanten Maßstab einsparen, wenn die Systeme außerhalb der Arbeitszeit nicht im Stand-by-Modus arbeiten sondern komplett deaktiviert werden. Auch Energiesparmodi wie Suspend-to-RAM oder Suspend-to-Disk und der vom Betriebssystem gesteuerte Leerlaufprozess können ihren Teil beim Reduzieren der Stromkosten beitragen. Administratoren sollten auch darauf achten, aktuelle und hochwertige Netzteile einzusetzen, da sich deren Wirkungsgrad in den letzten Jahren deutlich verbessert hat.
Auch bei den Energieeinsparungen im Bereich Desktop können Virtualisierungsmodelle in Verbindung mit Thin-Clients eine wichtige Rolle spielen. Wir werden hierzu auf den folgenden Seiten intensiver auf die Lösungen eingehen und an Hand von einigen interessanten Beispielen das Potential aufzeigen.
Das Stromsparen ist aber noch nicht alles. Für Unternehmen gibt es zwei unterschiedliche Möglichkeiten, ihren Stromverbrauch „grüner“ zu gestalten. Zusätzlich zum Einsatz stromsparender Technologien kann es in manchen Regionen durchaus etwas bringen, auf alternative Energielieferanten wie etwa Wasserkraft zu setzen. Das reduziert den Verbrauch zwar nicht, senkt aber den Schadstoffausstoß und gehört deswegen auch mit zum Bereich der Green-IT.
Generell gilt aber, dass die Maßnahmen zum Stromsparen überwiegen; eine Entwicklung, die durch wirtschaftliche Rahmenbedingungen begründet ist. Berücksichtigt man die gesetzlichen Forderungen der Europäischen Union bei der Schadstoffbegrenzung und die wirtschaftlichen Zwänge zum Stromsparen, die sich durch gestiegene Leistungsanforderungen und höhere Preise ergeben, so drängt sich die Einschätzung auf, dass Green-IT ein Schlagwort ist, das Prozesse, die sowieso stattgefunden hätten, öffentlichkeitswirksam zusammenfasst.
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