18.06.2007 | Redakteur: Ulrich Roderer
Trotz höherer Bau- und Anschaffungskosten gewinnt Host Europe durch den Einsatz energiesparender Technologien und einer speziellen Gebäude-Isolation: Das Unternehmen erwartet einen ROI seines stromsparenden Rechenzentrums bei maximaler Serverauslastung schon schon nach zwei Jahren.
In Köln geht jetzt ein Rechenzentrum online, dass nach den neuesten Standards konsequent auf Energie-Effizienz ausgelegt ist und in nur sieben Monaten fertig gestellt wurde. Und dabei fiel die Entscheidung für ein grünes Rechenzentrum aus Kostengründen. „Stulz, ein Lieferant für Klimatechnik, der sich stark im Thema energiesparendes Equipment engagiert, hat uns ursprünglich die Empfehlung gegeben“, sagt Patrick Pulvermüller, Geschäftsleiter/Operations Director der Host Europe. Hierbei standen die Stromkosten für 18.000 Server (maximale Ausbaustufe) im Vordergrund der Überlegung und wie sie durch entsprechendes „grünes Design“ kompensiert werden können.
Vor der Entscheidung zugunsten einer energieeffizienten Architektur hat Host Europe sehr detaillierte Untersuchungen durchgeführt. „Wir betreiben fünf Rechenzentren in England und zwei in Deutschland. Dadurch hatten wir die Möglichkeit, die technologischen Unterschiede analysieren zu können sowie die Kostenstrukturen“, berichtet Pulvermüller. Dieser Vorteil mache sich bezahlt bei der Auswahl der Komponenten.
Durch Wetteranalysen haben die Planer den Standort aus zwei zur Verfügung stehenden Orten ausgewählt: Köln weist 90 Tage im Jahr eine Temperatur von unter sechs Grad auf, München hingegen hat sehr viel stärkere Klimaschwankungen. „Wir können in Köln unser Rechenzentrum durch den Einsatz freier Kühlung an diesen Tagen ohne den Einsatz von Kompressoren kühlen und sparen damit Strom“, sagt Pulvermüller.
Zur Temperatur- und Feuchtigkeitsregulierung sind in jedem Serverraum 13 Klimaschränke n+1 redundant untergebracht. Die Schränke mit je 80 kW Kühlleistung und stufenlos regelbaren EC-Ventilatoren bieten die Möglichkeit der freien Kühlung. In den Übergangszeiten übernimmt das System eine Vorkühlfunktion, so dass der Kompressor nur einen Teil der Kälteleistung erbringen muss.
Host Europe musste bei der Auswahl der stromsparender USV-Komponenten selbst aktiv werden, denn je nachdem, ob ein Hersteller bereits energiesparende Lösungen im Angebot hat oder nicht, fiel sein Angebot aus. „Wir haben beide Szenarien durchgerechnet, mit den günstigsten Komponenten und mit stromsparenden“, sagt Pulvermüller. Firmen seien es immer noch gewohnt vor allem über den Preis zu argumentieren, wie der Manager berichtet, und es sei für sie nicht einfach gewesen, auf die Anforderung zu reagieren, dass die Anschaffungskosten nicht das alleinige Entscheidungskriterium seien. Entschieden hat sich Host Europe für eine Deltawandler-Lösung von APC. Dabei wird der Strom direkt ins Rechenzentrum geführt und erst dort werden Spannungsspitzen, Unterstrom und andere Störungen ausgefiltert. „Damit sparen wir gegenüber der einfacheren Technologie der Doppelwandler Strom sowohl bei der Umwandlung als auch beim Kühlungsbedarf“, sagt Pulvermüller. Die eingesetzten USV-Systeme mit Delta-Wandler-Technologie weisen eine 50 Prozent geringere Verlustleistung im Vergleich zu üblichen Systemen auf, die Dopplerwandlertechnik nutzen.
Für interne Server setzt Host Europe darüber hinaus nur Low-Voltage-Prozessoren ein. Für Kunden allerdings kommen auch andere Prozessoren zum Einsatz, um die nötige Flexibilität zu gewährleisten. „Bisher bieten Blade-Hersteller noch keine mandantenfähig remote verwaltbaren Systeme an“, sagt Pulvermüller, so dass diese hochintegrierten Lösungen noch nicht zum Einsatz kommen.
Eine wichtige Komponente im Gesamtsystem des grünen Rechenzentrums ist die Isolierung des Gebäudes. „Wir haben die neue Verordnung für energiesparenden Wärmeschutz EnEV 2007 als Messlatte genommen“, sagt Pulvermmülller. Spezielle Jalousien regeln beispielsweise die Sonneneinstrahlung in Büros, das Rechenzentrum ist fensterlos und ebenfalls gedämmt. Darüber hinaus nutzt das Rechenzentrum die Abwärme, um die Büros zu heizen.
Das neue Rechenzentrum umfasst drei Räume, die jeweils im Laufe eines Jahres voll ausgebaut sein sollen. Die gesamten Energiesparmaßnahmen erzeugen nach den Kostenrechnungen von Host Europe erst dann den gewünschten ROI von zwei Jahren, wenn sie zu fast 100 Prozent ausgelastet sind. Sie rentieren sich ab einer Nutzung von 30 Prozent. „Dies entspricht dem geplanten Wachstum. Der erste Raum startet bereits mit einer Auslastung von 30 Prozent, da wir kleinere Sites in Köln im neuen Zentrum konzentriert haben.“
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