Kommentar von Jochen Polster

Viele Wege führen in die Cloud

14.09.2009 | Autor / Redakteur: Jochen Polster / Dr. Stefan Riedl

Jochen Polster, ehemaliger AMD-Geschäftsführer

Der ehemalige AMD-Geschäftsführer Jochen Polster kommentiert für IT-BUSINESS aktuelle Entwicklungen in der IT-Branche. Der E-Technik-Ingenieur zieht Parallelen zwischen der Mainframe-Architektur und dem aktuellen Cloud Computing.

Cloud-Computing ist ein populäres Schlagwort, welches weder klar definiert noch mit seinen Auswirkungen auf die Industrie und die verschiedenen End-Benutzer-Gruppen verstanden wird. Es ist aber klar abzusehen, dass ein durchgreifender Wandel des Benutzerverhaltens mit der wachsenden Bedeutung der „Cloud“ einhergehen wird.

Man sagt, dass sich Geschichte nicht wiederholt. Wenn man aber die Entwicklung der Computertechnologie betrachtet, könnte es sein, dass sich in neuen Anwendermodellen tatsächlich Parallelen zu früheren Tagen finden. Historisch hat sich die IT-Industrie von einer Mainframe/Terminal orientierten Struktur über Minicomputer hin zu einer PC-zentrierten Industrie entwickelt, bei der Server eine zwar wichtige, aber doch eher unsichtbare Funktion als „Datenlieferant“ spielen. Dabei verlagerte sich die installierte Rechenleistung von zentralen Mainframes in allgegenwärtige PCs und deren Leistung wurde in immer schnelleren Abständen erhöht, um immer mächtigere Applikationen und User Interfaces zu ermöglichen.

Rechenleistung wird verteilt

Mit der Verfügbarkeit recht großer Bandbreiten sowohl im stationären als auch mobilen Umfeld, also einer fast universellen „allways connected“ Welt, ergibt sich die Möglichkeit, die Hauptrechenleistung, wenn auch in verteilter Form, in der Cloud zu etablieren. Dann ist der Benutzer unabhängig von genutzten Endgeräten und kann immer genau so viel (auch: sehr viel) Rechenleistung abrufen, wie er gerade benötigt. Dabei besteht nicht die Notwendigkeit immer leistungsfähigere PCs als Endgeräte einzusetzen. Datensicherheit, Energie effiziente Endgeräte und erheblich geringere TCO in großen Installationen sind weitere Vorteile.

Wir sehen momentan schon vielfältige Ansätze in diese Richtung, auch wenn diese nicht von einer generellen Strategie des „auf in die Wolke“, sondern von ganz einfachen Benutzer-orientierten Geräten getrieben sind.

Die Popularität von Netbooks, die mit geringer Rechenleistung die Funktion von online Terminals sehr gut erfüllen ist ein Beispiel von PC „downscaling“. Von der anderen Seite der Leistungsskala kommen revolutionäre Geräte wie das iPhone die schon fast völlig von der ständigen Verfügbarkeit einer Netzanbindung leben.

Zentralisiertes Office

Aber auch bei Büroanwendungen ist ein Trend hin zu mehr zentralisierten Lösungen, nicht zuletzt getrieben durch virtualisierte Server, zu beobachten. Neue Lösungen von Windows basierenden Thin Clients bis zu reinen Hardware-Lösungen, wie sie beispielsweise von nComputing angeboten werden, stellen eine gute Alternative zu traditionellen Desktops dar. Ein weiterer interessanter Vorschlag ist in diesem Zusammenhang auch der von IBM kürzlich vorgestellte Service der „virtuellen Client Solution“, der die Vorteile des zentralisierten Services mit dem Benutzer-Interface des traditionellen PCs vereint und damit recht gute Vorraussetzungen zur Akzeptanz mitbringt.

Aber es gibt auch Hindernisse auf dem Weg zum Cloud-Computing. So hat der Benutzer die Erwartung ein immer intuitiveres Benutzer-Interfaces, von Spracherkennung bis zur Gestensteuerung zu erhalten, was wiederum die Endgerät verteuert. Ein ganz wichtiger Punkt, der Beachtung finden muss, sind auch Bedenken der Benutzer bezüglich der Datensicherheit und Privatsphäre. Das Benutzerverhalten wird immer transparenter und unter Umständen werden sogar viele der eigenen Daten nicht mehr lokal auf dem PC vorgehalten.

Nein, Geschichte wiederholt sich nicht, aber wir sind auf dem besten Weg, die Vorteile einer „on demand“ verfügbaren Rechenleistung und Speicherkapazität mit neuen Ansätzen bei Endgeräten zu verbinden. Endlich bewegt sich wieder etwas im Markt, und diesmal scheinen die Bedürfnisse des Endnutzers im Mittelpunkt zu stehen.

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