Wie hybride Cloud-Modelle in der Enterprise-IT zur Realität werden

Firmen schrecken vor dem Einsatz hybrider Clouds zurück. Es fehlen derzeit Migrations-Tools, die öffentliches und privates Cloud-Computing vereinen.

In der jüngsten „Cloud-Pulse“-Umfrage von TechTarget gaben nur 30 Prozent der Teilnehmer an, eine hybride Cloud...

zu nutzen. Für mich war das nicht überraschend, denn die meisten Unternehmen stehen beim Cloud-Computing noch am Anfang. Der Aufbau einer hybriden Cloud ist eine recht komplexe und komplizierte Angelegenheit. Zudem braucht es dafür Technologie, die zum Teil noch im Entstehen ist. Das wirft eine wichtige Frage auf: Ist die hybride Cloud schon Realität?

Gewiss haben die IT-Abteilungen von Unternehmen hybrides Cloud-Computing schon auf ihrem Radarschirm. Bei diesem Modell werden die besten Eigenschaften von öffentlichen und privaten Clouds vereint: die wirtschaftlichen Vorteile und Effizienz der öffentlichen und die Sicherheit und Eingriffsmöglichkeiten der privaten Variante. Jedoch sind fortschrittliches Denken und einige Werkzeuge erforderlich, um beides wirklich zusammenzubringen.

Derzeit bilden sich vier Ansätze zum Umgang mit hybridem Cloud-Computing heraus:

  1. Statische Unterbringung bezeichnet Architekturen, bei denen die Standorte von Anwendungen, Diensten und Daten in öffentlicher oder privater Cloud fest vorgegeben sind.
  2. Gestützte Replikation steht für Architekturen, in denen manche Anwendungen, Dienste und Daten von der privaten in die öffentliche Cloud repliziert werden können und umgekehrt.
  3. Auto-Migration bezieht sich auf Programm-Code oder ganze virtuelle Maschinen (VM), die zwischen Instanzen in privater und öffentlicher Cloud bewegt werden, meist durch menschliche Eingriffe, manchmal aber auch über einen automatisierten Prozess.
  4. Dynamische Migration bedeutet, dass VM-Instanzen so zwischen privater und öffentlicher Cloud verschoben werden, als würden beide innerhalb desselben virtuellen Betriebssystems existieren.

Auto-Migration und dynamische Migration erscheinen vorteilhafter, wenn man bedenkt, dass Unternehmen dann Prozesse und Daten einfach per Mausklick zwischen privater und öffentlicher Cloud verschieben können. So jedenfalls wird es in den Demos der Cloud-Anbieter dargestellt.

Jedoch ist diese Technologie noch sehr neu und experimentell. Typischerweise werden mit hybrider Cloud-Technologie hybride Betriebssysteme für die Cloud bezeichnet. Sie umfasst private wie öffentliche Computing-Ressourcen in der Cloud und verwaltet die Verarbeitung ebenso wie die Umsiedelung der Verarbeitung. VMware, Microsoft und HP bieten jeweils eigene Versionen dafür an, ebenso wie einige Startups.

Der verbreitetste Ansatz aber ist heutzutage die statische Unterbringung. In den meisten Fällen ist kaum oder keine Automation zwischen privaten und öffentlichen Cloud-Diensten vorgesehen. Das bedeutet: Anwendungen oder Daten, die Sie in eine der Cloud-Arten laden, werden wahrscheinlich dort bleiben, bis Sie selbst das ändern.

Die meisten hybriden Clouds nach dem Modell der statischen Unterbringung nutzen Instanzen von privatem und öffentlichem Cloud-Computing, die kompatibel zu APIs oder Standards sind. Die Cloud-Plattform Eucalyptus zum Beispiel kann die APIs von Amazon Web Services (AWS) so einsetzen, dass auf dieser Grundlage eine private Cloud entsteht. Auch private und öffentliche Clouds für Infrastructure as a Service (IaaS) können im selben Standard-Ökosystems existieren, etwa OpenStack und CloudPlatform von Citrix auf der Grundlage von Apache CloudStack.

Der Nachteil der statischen Unterbringung besteht darin, dass es dabei mühevoll ist, private und öffentliche Wolke zu einer hybriden Cloud zu vereinen. So müssen APIs oder Anpassungen für den Übergang von der einen Form zur anderen geschrieben werden,

Die Vorteile von hybriden Clouds lassen sich auf diese Weise durchaus realisieren – also Sicherheit vor Ort, gepaart mit der Fähigkeit, nach Bedarf in der öffentlichen Cloud zu expandieren. Doch es bedeutet eben viel Arbeit. Hinzu kommt: Wenn Ihre Daten und Anwendungsdienste erst einmal in einer der Cloud-Formen sind, dürften sie dort länger bleiben. Denn wegen der nötigen Anpassungen ist es kaum praktikabel, Assets zwischen den beiden Cloud-Arten zu verschieben.

Also ja: Die hybride Cloud ist bereits Realität. Allerdings ist diese Technologie noch so unreif, dass der Arbeitsaufwand dafür, sie zu konfigurieren und zum Laufen zu bringen, monumental erscheinen kann.

Der interessanteste Aspekt an hybriden Clouds ist die Fähigkeit zur automatischen Migration zwischen privaten und öffentlichen Clouds. Aber diese Technologie steht noch nicht bereit und bringt einige Zielkonflikte mit sich. Vielleicht ist das der Grund, warum wir bislang so wenig hybrides Cloud-Computing sehen. Aber das Versprechen für die Zukunft ist klar.

David S. Linthicum ist CTO und Gründer von Blue Mountain Labs, international anerkannter Branchen-Experte und Vordenker sowie Autor oder Co-Autor von 13 Büchern über Computing, darunter der Bestseller „Enterprise Application Integration“. Linthicum tritt als Keynote-Redner bei vielen bedeutenden Technologie-Konferenzen über Cloud-Computing, SOA, Integration von Unternehmensanwendungen und Enterprise-Architekturen auf. Sein neuestes Buch trägt den Titel „Cloud Computing and SOA Convergence in Your Enterprise – a Step-by-Step Guide“. Zu seinen Erfahrungen in der Branche zählen Positionen als CTO und CEO bei mehreren erfolgreichen Software-Unternehmen sowie im höheren Management von „Fortune-100“-Unternehmen. Außerdem war Linthicum acht Jahre lang Associate Professor in Informatik und hält weiterhin Vorlesungen an großen Technischen Hochschulen und Universitäten wie der University of Virginia, der Arizona State University und der University of Wisconsin.

Artikel wurde zuletzt im Februar 2013 aktualisiert

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