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Wie Sie SaaS in Ihre lokalen Business-Systeme integrieren können

Mit zunehmender Reife von Software as a Service (SaaS) müssen CIOs genau prüfen, wie gut sich solche Cloud-basierten Angebote mit Ihren bestehenden Systemen vor Ort integrieren lassen. Für die meisten Unternehmen ist es schlicht unrealistisch, pauschal alles in die Cloud zu verlegen. Sie haben die Wahl: Sie können Anwendungen in ihrem eigenen Rechenzentrum betreiben, ein Kolokationszentrum nutzen oder mit einem komplett gehosteten Data Center arbeiten.

Jedoch sollten CIOs weniger darüber nachdenken, wem die IT gehört oder wer sie betreibt, sondern darüber, wie sich Cloud-Anwendungen in der Praxis als Teil eines voll ausgestatteten Enterprise-Systems nutzen lassen. In einer aktuellen Studie schreibt der Ovum-Analyst Saurabh Sharma über den schnellen Aufstieg von Cloud-Computing im Allgemeinen und speziell von Software as a Service. Beides werde die Heterogenität der Systemlandschaften erhöhen, heißt es darin.

Viele Organisationen hätten inzwischen erkannt, dass Cloud Computing zur Bildung von Informationssilos und mehr Komplexität bei der Integration führen kann, schreibt Sharma. Und weiter: „Ovum glaubt, dass der wichtigste Treiber für service-orientierte Architekturen (SOA) deren Fähigkeit ist, komplexe Integrationsanforderungen zu erfüllen. Dazu gehören Vor-Ort- bis hin zu SaaS-Integrationen sowie B2B-Integrationen, die eine Prozess-Automatisierung über mehrere Unternehmen hinweg beinhalten.“ Es gebe eine Reihe allgemeiner Szenarien zur Integration von Vor-Ort-

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und SaaS-Anwendungen, für die SOA eine angemessene Option darstelle.

Fallstudie: First Hosted

Für die internationalen Töchter eines Kunden hat der NetSuite-Spezialist First Hosted ein Vor-Ort-System des ERP-Softwareanbieters JD Edwards mit einer neuen Plattform integriert, die auf dem SaaS-Produkt von NetSuite basiert. „Der Kunde ist ein Medizintechnik-Hersteller aus den USA, der JD Edwards bereits seit zehn Jahren im Einsatz hat. Im Laufe der Zeit hatte er letztlich ein System geschaffen, das seinen Vorstellungen entsprach“, berichtet Andrew Peddie, Managing Director von First Hosted.                          

Der Kunde wollte auch außerhalb der Vereinigten Staaten wachsen. Es schien allerdings wenig sinnvoll, dafür eine heterogene IT-Landschaft zu replizieren, die über viele Jahre entstanden war. „NetSuite kostet weniger und kann schneller – dass heißt einfacher als ein SAP- oder Oracle-System – implementiert werden“, erklärt Peddie.

Ds Unternehmen beschäftigte sich mit den Kosten und musste feststellen, dass seine Version der Software von JD Edwards zehn Jahre alt und zudem sehr weitgehend angepasst worden war. Ein Upgrade wäre demnach alles andere als einfach gewesen. Das gesamte Know-how zur Wartung von JD Edwards befand sich in den USA, und viele der ursprünglichen Knowhow-Träger aus der Zeit der Erstimplementierung hatten sich inzwischen beruflich verändert.

Als der Kunde ein anderes Unternehmen übernahm, war kein Budget mehr für eine Neuimplementierung von JD Edwards vorhanden. Stattdessen entschied man sich dafür, den weltweiten Vertrieb mittels JD Edwards aus den USA zu steuern und für den Betrieb der Niederlassungen das OneWorld-Modul von NetSuite zu verwenden.

„Als man uns dazu holte, mussten wir erst einmal zeigen, welche der Kernfunktionen seitens NetSuite abgebildet werden konnten. Jede internationale Niederlassung verwendet immerhin einen anderen Kontenrahmen“, berichtet Peddia. Zunächst erstellte First Hosted ein Mapping der 37 Standard-Datensatztypen von NetSuite zu ihren Entsprechungen im JD Edwards-System, das auch als Stammdatensystem dient. Nach einem Abgleich der Daten entwickelte First Hosting dann ein Tool für den einmaligen Upload der Daten von JD Edwards zu NetSuite. Laufend werden die beiden Systeme über einen Web-Dienst synchronisiert.

Wenn jetzt ein Kundenauftrag in JD Edwards aufgenommen wird, läuft die Transaktion per Push über Web-Dienste zu NetSuite. Das NetSuite-System verarbeitet inzwischen 50.000 Bestellungen pro Tag und synchronisiert sich fortwährend mit dem JD-System.

Laut Gartner findet derzeit viel SaaS-Integration statt und folgt dabei der zunehmenden Verbreitung von SaaS. Mit anderen Worten: Sobald Unternehmen dazu übergehen, mehr als eine einzelne SaaS-Anwendung als Teil eines Geschäftsprozesses zu betreiben, wird Integration nötig. Gartner geht davon aus, dass dies vor allem Unternehmen mittlerer Größe betreffen wird. Im Laufe des vergangenen Jahres haben jedoch auch Großunternehmen mit der Integration begonnen.

Systeme mit und ohne SaaS

Laut Gartner-Fellow Massimo zwingt eine Integration mit ihren Systemen vor Ort Unternehmen dazu, sich mit einer Reihe von Szenarien zu beschäftigen. Die erste und wohl einfachste Aufgabe bestehe darin, Daten zu extrahieren, zu übersetzen und wieder zu laden, um sie von einem System wie SAP zum Beispiel zu Salesforce.com zu transferieren.

Pezzini sagt jedoch: „Wir sehen auch die Integration von End-to-End-Geschäftsprozessen, wie zum Beispiel von der Einstellung eines Mitarbeiters bis zur Pensionierung. Deswegen nehmen die Integrationsanforderungen an Komplexität zu.“ IT-Organisationen können auch weiterhin alle möglichen Technologien verwenden, die sie gegenwärtig besitzen. Pezzini warnt allerdings, dass die Integration von Cloud-Diensten andere Probleme aufwirft als bei Integrationsprojekten vor Ort. Zum Beispiel geht mit der Verwendung von Cloud-Diensten ein höheres Sicherheitsrisiko einher.

Ein weiterer Faktor ist der Zeitaufwand. Beim Kauf eines SaaS-Produktes wird häufig angenommen, dass die neue Software relativ schnell installiert ist und dann läuft. „Die Integration muss also erledigt werden und vor allem schnell bereitgestellt werden“, sagt Pezzini.

Ein weiteres Problem, dem sich IT-Abteilungen bei einer Integration von SaaS und vor-Ort-IT gegenübersehen, ist die Koordination von Updates. „Salesforce.com führt alle drei Monate ein Update der Software durch. Google aktualisiert seine Software täglich. Deshalb ist es für Anwender schwierig, mit all den Änderungen Schritt zu halten“, sagt Pezzini.

Die wichtigsten SaaS-Plattformen

Bei Betrachtung der wichtigsten Anbieter fällt auf, dass SAP durch den Kauf des Cloud-basierten Commerce-Netzwerks Ariba im Mai 2012 Fortschritte gemacht hat. Hinzu kommt die vor Kurzem bekannt gegebene Strategie zur Cloud-Integration mit SAP Hana.

Laut Pezzini passt die Ariba-Übernahme gut in die Integrationsstrategie von SAP: „Ariba ist eine Beschaffungsplattform. Deshalb ist eine Integration zu SAP durchaus sinnvoll“. SAP plant hier die Auslieferung eines vorgefertigten Integrationspakets, von dem nach Pezzinis Einschätzung einige Komponenten bereits 2013 verfügbar sein werden. Zudem könnten System-Integratoren die Hana-Plattform zur Cloud-Integration auch zum Erstellen ihrer eigenen vorgefertigten Lösungen verwenden.

Der so genannte Red Stack von Oracle biete bislang keine Antwort zum Thema Cloud-Integration, sagt Pezzini. Zu Oracles Cloud-Angebot zählen auch SaaS-Produkte wie zum Beispiel RightNow (CRM) und Taleo (Talent Management). Zudem ist die WebLogic-Plattform als Cloud-Dienst verfügbar und bietet einen Oracle-Datenbankdienst für die Cloud. Trotzdem, so Pezzini: „Bislang hat Oracle es nicht geschafft, eine Integrationsstrategie zu entwickeln. Dies ist eine signifikante Lücke. Ich bin mir allerdings sicher, dass Oracle versuchen wird, sie zu schließen.“ Oracle hat in vielerlei Hinsicht nur ein sehr geringes Interesse daran, Cloud-Dienste anderer Anbieter zu unterstützen. Seine Marketing-Rhetorik dreht sich um die Stärken von Red Stack, das letztlich auf Oracle von Anfang bis Ende hinausläuft

Pezzini findet das jedoch unrealistisch: „Die Kunden werden nicht ausschließlich Oracle Red Stack nutzen. So naiv sind sie nicht. Selbst wenn Sie einen Oracle-Stack vor Ort betreiben: Wie wollen Sie es anstellen, den von Oracle eBusiness zu SuccessFactor in der Cloud zu verschieben?“. Oracle befinde sich in einem Vakuum: „Es gibt überhaupt keine Aussage zur Cloud-Integration.“ Pragmatisch betrachtet, können CIOs, die Red Stack erworben haben, zur Anbindung anderer Cloud-Anbieter wie SuccessFactor von SAP etwa die Middleware Oracle Fusion verwenden.

Microsoft bietet Dynamics auf und schickt sich an, auf dem SaaS-Markt Wellen damit zu schlagen. In der Theorie geht es bei Microsoft darum, Anwendungen für die Bereitstellung vor Ort und in der Cloud zu schreiben, wobei nur ein einziges Application Programming Interface (API) verwendet wird. Doch wenn sich die APIs für Azure und .Net auch ähneln mögen – sie sind längst nicht identisch. Weiterhin führt Pezzini aus, dass einiges an Arbeit erforderlich sei, um eine .Net-Anwendung auf Microsofts Cloud-Plattform Azure zu bekommen. „Azure SQL ist nicht dasselbe wie SQL Server“, sagt er.

Immerhin hat Microsoft richtig erkannt, dass sein SaaS-Angebot auch mit Anwendungen vor Ort integrierbar sein muss. Deshalb entwickelt es auch die Cloud-Integration als Teil von Azure. Gartner erwartet den Marktstart des Produktes für 2013.

IBM wiederum übernahm 2010 das Unternehmen Cast Iron Systems, einen Anbieter für Cloud-Integrationssoftware, -Geräte und -Dienste. Die Akquisition ergänze das eigene Portfolio der WebSphere Business-Integrationssoftware, sagt IBM dazu. Mit Cast Iron Systems könnten Kunden von schnellem und flexiblem SaaS und einer Cloud-Anwendungsintegration binnen Tagen (anstelle von Wochen oder noch länger) ausgehen. Zudem ließen sich mit den Cloud- und SaaS-Modellen geringere Kosten und eine höhere Rentabilität erreichen.

Allerdings ist zum heutigen Datum kaum etwas zu erkennen, das nach Integration aussieht. Gartner erwartet für die Zukunft einen höheren Integrationsgrad, sofern IBM seine SmartCloud-Strategie sowie die Rolle seiner WebSphere-Middleware in diesem Kontext weiter ausbaut.

Ebenfalls 2010 übernahm auch Dell einen Anbieter in diesem Bereich: Boomi. Dessen Plattform stellt die Verbindung für den Informationsaustausch zwischen vorhandenen Vor-Ort- und Cloud-Anwendungen her. Das Unternehmen behauptet, es könne die Cloud-Integration binnen Wochen statt Monaten bewältigen. Boomi wird zum Beispiel von Taleo verwendet, einer 2012 von Oracle übernommenen, Cloud-basierten Lösung für Talent-Management.

Die Frage lautet: Wird Oracle Taleo auch weiterhin einsetzen oder ein eigenes Produkt entwickeln? Laut Gartner wird die Situation zusehends komplexer, denn RightNow – 2011von Oracle aufgekauft – bietet bereits ein paar Funktionen zur Cloud-Integration. Informatica, Tibco und die Software AG schüren ebenfalls Erwartungen, dass ihre Plattformen zur Cloud-Integration in 2013 weiter ausgebaut werden.

Integration von Skills

Liz Herbert arbeitet als Principal Analyst für Forrester. Der Titel einer aktuellen Studie von ihr ist Programm: „Kunden benötigen Service-Provider, die ihnen dabei helfen, einen möglichst großen Wert aus SaaS zu schöpfen“. Darin beschreibt sie ein Skill-Problem, das mit der SaaS-Integration einhergeht: Die führenden SaaS-Pakete – wie zum Beispiel Salesforce.com, SuccessFactors, Workday und RightNow Technologies – seien primär horizontaler Natur. „Dagegen bieten die Berater, die in dem Ökosystem um diese Anwendungen herum arbeiten, vor allem vertikale Skills: tiefe Branchenkenntnise, branchenspezifische Vorlagen sowie Know-how und in Projekten des jeweiligen Sektors gesammelte Erfahrungen“, sagt die Analystin.

Das Problem besteht also darin, den horizontalen Ansatzes von SaaS mit speziellem Know-how über Branchen zu kombinieren, das in vertikal integrierten Geschäftsprozessen Verwendung findet. Sobald die SaaS-Einführung im Unternehmen begonnen hat, werden Unternehmen eine nahtlose Verbindung zwischen traditionellem ERP und anderen Cloud-Anwendungen vor Ort und von Drittanbietern schaffen müssen. Unglücklicherweise ist der Markt für Cloud-Integration noch nicht ausgereift. Und für die nächsten zwölf Monate zeichnet sich ein allenfalls geringfügiger Fortschritt ab.


Artikel wurde zuletzt im Juni 2013 aktualisiert

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