Wenn eine interne IT-Infrastruktur besser ist als Cloud Computing

Cloud versus Inhouse-IT, wer ist der Gewinner in der Zukunft? Das muss jedes Unternehmen für sich entscheiden und so das Beste aus beidem nutzen - mit der hybriden Cloud.

Das Verhältnis zwischen Cloud-Computing und Inhouse-IT scheint manchmal wie das zwischen einem rebellischen Teenager...

und seinen entnervten Eltern: mehr Konfrontation als Verständnis.

Der Herausforderer Cloud-Computing wird von seinen Befürwortern aggressiv als Zukunftsmodell angepriesen. Das geht in Ordnung – ohne starke Überzeugungen und eine gewisse Bereitschaft, Althergebrachtes in Frage zu stellen, lässt sich der Status quo nicht überwinden. Und das funktioniert: In den letzten fünf Jahren haben Cloud und Virtualisierung Sieg über Sieg davongetragen  und die Messlatte für flexible, dynamische und effiziente IT immer höher gelegt.

Allerdings spielt auch ein gewisses Cliquentum mit – nach dem Motto „wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ oder noch drastischer „Cloud oder gar nichts“. Ziel solcher Übertreibungen scheint zu sein, jegliche eigene IT-Infrastruktur – also praktisch die gesamte installierte Basis einschließlich der vielerorts so erfolgreich eingeführten Virtualisierung – als Altlast loszuwerden. Wahlspruch der Cloudies könnte lauten: „Keine Alternativen!“ Alle Bemühungen um die sogenannte private Cloud? Das reicht nicht, Ihr Warmduscher!

Wollen Sie echten Spott der Cloud-Fans provozieren, dann deuten Sie an, die Cloud sei keine Magie, sondern eine natürliche Folge der Virtualisierung. Oder sagen Sie, die neueste Generation hauseigener Infrastruktur – „All-in-one“-Produkte wie HPs CloudSystem oder IBMs PureFlex – böten Cloud-ähnliche Vorteile.

Danach gehen Sie besser in Deckung, denn nun fliegen die Messer. „Thema völlig verfehlt! Wir müssen uns von eigener Infrastruktur befreien!“

Cloud-Eiferer

Und hier kommen wir zum Kern. Worum ging es wirklich bei der Entwicklung hin zu virtualisierter, flexibler, vernetzter IT? Um Vielseitigkeit, verbesserte Wirtschaftlichkeit, Service Levels, Resultate? Um sofortige Verfügbarkeit von IT-Ressourcen nach Bedarf? Geht es darum, Rechenleistung nach Verbrauch abzurechnen, also nach einem auf Betriebs- statt Investitionskosten aufbauenden Preismodell? Oder soll die IT sich am Ende ganz aus dem Infrastruktur-Geschäft heraushalten?

Viele mit dem Kopf in der Cloud vertreten tatsächlich diese letzte, radikale Idee; unter Abdankung machen sie es nicht. Aber es geht nicht um eine Abwanderung in ein magisches Wolkenkuckucksheim, sondern hin zu konkreten Dienstleistern wie Amazon Web Services (AWS), GoGrid, Google, Heroku, Rackspace oder Verizon. Es geht um Outsourcing an nur allzu weltliche Anbieter – von denen jeder seine Stärken, aber auch echte Schwächen hat.

Es ist unbedingt lobenswert, hin und wieder zu überdenken, was man tut und ob man dabei bleiben will. Manch einer, der traditionell auf interne IT-Ressourcen gesetzt hat, wird vieles davon auslagern wollen. Und neu gegründete Unternehmen, besonders solche mit starker Web- oder On-Demand-Affinität, werden Richtung Cloud tendieren. Es ist auch richtig, dass die wenigsten Unternehmen eigene Infrastruktur in einem Maßstab wie die größten Cloud-Anbieter betreiben wollen.

Aber die „Cloud über alles“-Ideologie ignoriert, dass es für viele IT-Abteilungen um verbesserte Performance und Geschäftszahlen geht – und nicht um einen Ausstieg aus dem Infrastruktur-Geschäft. Sie verschweigt die Realität, dass moderne Inhouse-Infrastruktur auf ähnliche Techniken und Strategien setzt wie Cloud-Rechenzentren. Und sie vergisst vollkommen, dass Eigentum auch klare Vorteile bietet. Dazu gehören lokale Kontrolle, Anpassbarkeit, Verantwortung sowie Service- und Performance-Levels, die nach außen verlagerte IT selten bietet, geschweige denn garantieren kann. Geht etwas schief, oder soll sich Ihr IT-Team schnell in eine bestimmte Richtung bewegen, dann erreichen Sie das am besten mit eigenem Personal. Cloud-Anbieter sind oft operativ stark, aber versuchen Sie mal, Amazon oder Google anzurufen, wenn Sie ein spezielles Problem haben. In der Cloud werden Sie zum Verbraucher.

Noch vor einigen Jahren bot die Cloud ein Maß an Flexibilität, das fast keine hauseigene IT erreichte. Doch nach Jahren der Evolution kommen Inhouse-Strategien und -Produkte ihr näher. Sie verwenden ähnliche Techniken, bieten ähnliche Vorteile, und profitieren von ähnlichen Spareffekten. Es ist kein Vergleich von Äpfeln mit Äpfeln, doch bei vielen Rezepten kann man auf Birnen, Pfirsiche oder Blaubeeren ausweichen – und manchmal macht das den Kuchen besser.

Cloudisten weisen die Möglichkeit zurück, dass man sich ihrem Ansatz annähern, ihn gar zweckentfremden oder verwässern könnte. Für sie stehen eindeutig emotionale und wirtschaftliche Interessen auf dem Spiel. Aus anderer Perspektive hingegen nähern Cloud-in-a-box-Plattformen und öffentliche Cloud sich einander asymptotisch an; entweder/oder-gegensätze sind eher selten. Für die meisten Unternehmen und IT-Abteilungen lautet der richtige Ansatz "Horses for Courses" – ideologiefrei nach der jeweils besten Lösung suchen. Häufig bedeutet das eine Infrastruktur, die das Beste des ausgelagerten Computing mit lokalen, selbst verwalteten Systemen kombiniert. Willkommen in der hybriden Cloud.

 

 

Über den Autor: 
Jonathan Eunice ist leitender IT-Berater beim Marktforschungsunternehmen Illuminata. Sie erreichen ihn unter moderninfrastructure@techtarget.com.

Artikel wurde zuletzt im Mai 2013 aktualisiert

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