Welche Folgen hat die EMC-Übernahme durch Dell für VMware?

Mit der Übernahme von EMC durch Dell gehen demnächst zwei IT-Schwergewichte gemeinsam auf die Jagd nach Kunden. Was bedeutet dies für VMware?

Nach anfänglichen Gerüchten um eine Übernahme von EMC durch Dell gibt es inzwischen Gewissheit: Dell hat mittlerweile...

offiziell die Kaufabsicht des Storage-Giganten EMC veröffentlicht. Das durch die 67-Milliarden-Dollar-Übernahme entstehende Produktportfolio wirft bei vielen Kunden Fragen auf: Welche Produkte werden eingestellt? Welche fortgeführt?

Für viele Unternehmen ist dabei vor allem die Zukunft von VMware von besonderem Interesse, EMC hält derzeit 81 Prozent der Anteile an VMware, dessen Software in virtuellen Umgebungen fast omnipräsent ist. Für diesen Artikel wurde das Advisory Board von SearchServerVirtualization.com nach den Folgen der EMC-Dell-Übernahme für VMware und VMware-Kunden befragt.

Brian Kirsch, Milwaukee Area Technical College

Mit zunehmender Verbreitung der Virtualisierung mussten viele Hardwarehersteller ihre Geschäftsmodelle und Umsatzstrategien überdenken. Die Tage endloser Hardwareverkäufe und Upgrades sind einfach vorbei, und kaum ein Unternehmen war davon so stark betroffen wie Dell und HP.

Während HP aber aus verschiedenen Gründen gerade mitten in der Aufspaltung steckt, geht Dell offensichtlich einen ganz anderen Weg und fokussiert sich auf die EMC-Übernahme. Kein Einzelfall, wie die vergangenen Jahre zeigen, in denen Dell bereits Quest und Wyse übernommen hat, offenbar gezielt um seinen Marktanteil im Umfeld der Virtualisierung zu stärken.

Mit der Übernahme von EMC sichert sich Dell mit VMware auch das Urgestein der Server-Virtualisierung schlechthin. Während wohl niemand die technische Innovation in Zweifel zieht, die VMware in den letzten Jahren hervorgebracht hat, dürfte der wahre Wert von VMware in seiner Zukunftsvision des Data Centers liegen. In den letzten Jahren hat VMware einen zielsicheren Blick für kommende Data-Center-Technologien bewiesen, statt sich lediglich auf aktuell erfolgreichen Produkten auszuruhen.

Dabei hat sich VMware stets auf die Softwareseite konzentriert, nicht auf die Hardware. Man könnte zum Beispiel argumentieren, VMware sei mit EVO:RAIL im Vergleich zum Beispiel zu Nutanix reichlich spät in den Markt für hyper-konvergente Infrastruktur gestartet. Allerdings muss man der Fairness halber ergänzen, dass fast alle hyper-konvergenten Lösungen herstellerübergreifend auf VMware vSphere setzen und Hardware VMware bislang herzlich egal war.

Die Vision des Software-defined Data Center hat nie Hardwarespezifikationen beinhaltet. Wenn man sich die jüngsten Ankündigungen rund um Software-defined Networking ansieht, dann enthalten auch diese keine Hardwareplattform. Allerdings scheinen Hardwareplattformen und -partnerschaften eine der Stärken von Dell zu sein. EMC war für VMware immer zu sehr auf Storage fixiert, aber wenn man sich Dells Serverplattform mit Wyse Thin-Clients und EMC-Storage unter dem Softwareschirm von VMware vorstellt, dann wird daraus tatsächlich das Bild eines vollständigen Software-defined Data Center. Im Vergleich zu klassischen Rechenzentren fehlt dann eigentlich nur noch der Netzwerkbereich, aber hier kommt natürlich VMware NSX ins Spiel.

All das beschreibt natürlich nur den bestmöglichen aller Fälle, zu erwarten sind auf jeden Fall auch Entlassungen, Konsolidierungen und Ausgliederungen. Alles in allem steht der bald größten IT-Firmen eine äußerst turbulente Zeit bevor. VMware hatte schon so seine Probleme mit AWS und Nutanix, steht nun das nächste Problem bevor, indem Dell sich und seine Produkte immer weiter in den Vordergrund auch bei VMware-Kunden schieben will? Das wird man abwarten müssen. Viel Zeit zum Warten haben VMware und Kunden allerdings nicht, da vor allem Amazon traditionelle Rechenzentren immer weiter ins Aus drängt.

Christian Mohn, EVRY Consulting

Dell übernimmt nun also EMC und erhält so auch die Kontrolle über VMware. Man braucht sich wohl nicht mit den finanziellen Einzelheiten der Übernahme auseinandersetzen um zu verstehen, dass es sich hierbei um einen wahrhaft großen Deal handelt.

Allerdings dürfte die Übernahme keine unmittelbare Auswirkung auf VMware haben. Wie bisher wird VMware auch weiterhin ein unabhängiges Unternehmen sein und eigene Geschäftsentscheidungen treffen, so wie auch bereits unter der Kontrolle durch EMC. Immerhin hat VMware in den letzten Jahren auch vSAN auf den Markt gebracht, ein direktes Konkurrenzprodukt zu EMCs eher klassischen Storage-Produkten – während VMware formal von EMC kontrolliert wurde.

Es wäre von Dell ziemlich töricht, VMware den Weg des Software-defined Data Center nicht weiter verfolgen zu lassen. Letztlich dürfte dies ja überhaupt erst einer der Gründe für die EMC-Übernahme gewesen sein. Daher wird VMware auch weiterhin eine gewisse Narrenfreiheit genießen und potenziell disruptive Technologien auf den Markt bringen, selbst wenn diese Produkte direkt mit Dell-Lösungen konkurrieren werden.

Die EMC-Übernahme ist ein hochkomplexer Vorgang, bei dem es zwangsläufig zu Veränderungen kommen muss, während die Dell- und EMC-Produkte konsolidiert und zusammengeführt werden. Konkurrenten von EMC und Dell werden dies natürlich ausnutzen und die üblichen Gerüchte und Befürchtungen streuen, um aus der Unsicherheit möglichst einen Vorteil zu schlagen. Für VMware und VMware-Kunden dürfte sich aber kaum etwas ändern.

Wenn überhaupt dürfte es VMware sogar noch unabhängiger machen, als es das Unternehmen seit der Übernahme durch EMC 2004 je war. Dell könnte VMware nämlich auch einfach aus der EMC-Organisation herauslösen und einzeln veräußern, um einen Teil seiner Schulden zu tilgen.

Maish Saidel-Keesing, Cisco Video Technologies  

Die Übernahme von EMC war eigentlich unausweichlich, und nun ist sie angekündigt worden. Vor einiger Zeit war eigentlich auch HP schon einmal als Käufer im Gespräch, jetzt ist also Dell zum Zug gekommen. Es gibt hierzu viele Spekulationen, was die Übernahme für EMC, Dell und VMware bedeutet. Viel interessanter ist aber doch der Blick auf den Kunden.

Große Dell-Kunden dürften von der Übernahme eigentlich nur profitieren. Dell wird seinen Kunden mehr Optionen und Produkte anbieten können, ein noch umfangreicheres Lösungsportfolio wird Dell für Unternehmen nur interessanter machen. Dies ist vergleichbar mit VCE/EMC, nur dass Dell jetzt den gesamten Stack aus Compute, Storage und Hypervisor anbieten kann. Man kann hier sicher auch neue Produkte aus der EVO-Familie (EVO:RAIL/EVO:SDDC) erwarten.

EMC-Kunden dagegen dürfen eine gewisse Konsolidierung des Produktportfolios erwarten, immerhin gibt es einige Überschneidungen bei den Storage-Produkten von Dell und EMC, bei denen man erst abwarten muss, welche Lösung die Übernahme überlebt und wie dies den Markt beeinflussen wird.

Zumindest kurzfristig werden VMware-Kunden keine große Veränderung sehen. Das VMware-Management hat eine klare Vision, in welche Richtung sich das Unternehmen entwickeln und wohin dies führen soll. Die langfristigen Auswirkungen dagegen sind jetzt noch nicht absehbar. Es gibt zweifellos einige Möglichkeiten zur Konsolidierung und Reorganisation, und wie wir alle wissen geht ein neuer Chef immer mit einer gewissen Veränderung einher.

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Artikel wurde zuletzt im November 2015 aktualisiert

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