Fotograf: Norbert Ittermann

T-Systems: Cloud ist eines unserer Top-Themen für 2017

Die Deutsche Telekom will einer der Top-Anbieter im Cloud-Markt weltweit werden und die Nr. 1 in Europa. Anette Bronder über die Open Telekom Cloud.

Im März 2016 startete die Deutsche Telekom offiziell die Open Telekom Cloud (OTC). Das Unternehmen stieg damit in ein Marktsegment ein, das vor allem von amerikanischen Unternehmen wie Amazon, Google und Microsoft dominiert wird. Mit dem Angebot wollte die Telekom „die nächste Phase der Digitalisierung der deutschen und europäischen Wirtschaft“ einläuten. Die Open Telekom Cloud sollte das „bisherige Angebot von Private-Cloud-Diensten entscheidend um eine Cloud, die einfach über das öffentliche Internet verfügbar ist“, ergänzen.

Das chinesische Unternehmen Huawei steuert dazu die Hardware- und Lösungskompetenz bei. T-Systems als Geschäftskundensparte der Telekom ist für Rechenzentrum, Netz, den Betrieb und das Cloud-Management verantwortlich.

Die Deutsche Telekom kündigte die Open Telekom Cloud an als „zentralen Baustein auf dem Weg, die Nr. 1 für Cloud-Services für Geschäftskunden in Europa zu werden“. Weltweit will das Unternehmen in die Spitze der Cloud-Anbieter aufsteigen.

SearchNetworking.de hat mit Anette Bronder, Geschäftsführerin Digital Division von T-Systems, über die ambitionierten Ziele und die zukünftige Pläne gesprochen.

Frau Bronder, die Deutsche Telekom will weltweit einer der Top-Cloud-Anbieter werden. Auf welcher Position sehen Sie sich denn derzeit?

Anette Bronder: Wir sind noch nicht am Ziel. Mit unserem eigenen Public-Cloud-Angebot sind wir beispielsweise erst in 2016 gestartet. Die Konkurrenz ist stark, aber der Cloud-Umsatz der Deutschen Telekom ist in den vergangenen Jahren jeweils konstant um 20 Prozent gewachsen – und der Markt ist riesig. Dieses Wachstum wollen wir beibehalten und ausbauen. Cloud ist eines unserer Top-Themen für 2017. Wir haben zwei Vorteile, die unsere Konkurrenz nicht mitbringt: Wir bieten ein lückenloses Cloud-Portfolio und das komplette Spektrum der Cloud aus einem breiten Partner-Ökosystem – von Private über Public zu Hybrid; Cloud-Infrastruktur, Plattform- und Software-Services. Und das alles aus der hochsicheren deutschen Cloud.

In die Top-Liga kann man sicher nicht aufsteigen, wenn man sich nur auf Deutschland und Europa fokussiert. Wie steht es mit dem internationalen Geschäft und welche Pläne haben Sie beispielsweis für Asien und Amerika?

Bronder: Wir konzentrieren uns auf Europa und haben ebenso einen Plan für Asien und Amerika, genau dort wollen wir die Open Telekom Cloud ausrollen. Wichtige Hubs, wie beispielsweise Singapur, stehen hier im Fokus. T-Systems hat über 600 Cloud-Großkunden in aller Welt. Diese globale Präsenz wollen wir Schritt für Schritt nutzen und ausspielen.

Im Jahr 2016 haben wir ein hohes Innovationstempo auf der Open Telekom Cloud vorgelegt und beispielweise die Anzahl der Flavors verdoppelt – wir unterstützen immer neue und komplexere Einsatzszenarien unserer Kunden. Auch beim Thema virtuelle Maschinen sind wir breit aufgestellt. Mit neuen Releases und über 100 Optimierungen und Erweiterungen wollen wir in 2017 vor allem ein einfacheres Management und leistungsfähigere Dienste für die Nutzer bieten. Wir arbeiten auch daran, unser Angebot noch schneller und effektiver auf den Markt zu bringen – Stichworte Omi-Channel und weltweite Vertriebskanäle.

In Deutschland und Europa ist Datenschutz ein wichtiges Thema. Gerade bei kleineren und mittelständigen Unternehmen war die Skepsis gegenüber Cloud-Angeboten groß. Hat sich das mittlerweile geändert?

Bronder: Datenschutz ist nach wie vor das Topthema bei unseren Kunden. Als wir die Open Telekom Cloud gelauncht haben, war vom Ponyhof bis zum Dax-Unternehmen alles dabei – deutsche Cloud-Angebote sind also nicht nur für den Mittelstand interessant. Dennoch: Gerade für traditionelle Mittelständler, die Hidden Champions mit ein paar hundert Mitarbeitern, ist Datensicherheit in der Public Cloud bislang eine große Hürde und ein Stolperstein für die Digitalisierung in ganz Deutschland. Alle wissen inzwischen, dass an der Digitalisierung kein Weg vorbei führt und nur hybride Cloud-Welten den digitalen Ansprüchen am Markt gerecht werden. Aber Vertrauen in die Cloud ist oft noch Mangelware. In Zeiten der Verunsicherung durch das Ende von Safe Harbor, dem neuen, aber enttäuschenden Privacy Shield-Abkommen und schließlich der EU-Datenschutzgrundverordnung, die schon vor der Türe steht, sind deutsche Cloud-Angebote ein großes Plus und der neue sichere Hafen. Genau hier punkten wir mit der Open Telekom Cloud. Unsere Kunden wissen, wo ihre Daten sind und haben die volle Kontrolle.

Hat die Telekom hier als deutsches Unternehmen einen psychologischen und mit entsprechenden Serverstandorten auch einen physischen Vorteil?

Bronder: Kunden stellen Fragen zu Sicherheit meist sehr früh in Gesprächen. Jeder will heute wissen, wem er seine IT anvertraut und wo seine Daten liegen – im Übrigen kann es ab 2018 mit der neuen EU-Datenschutzgrundverordnung durchaus teuer werden, wenn man eben diese Fragen nicht stellt. Was wir dabei immer deutlicher merken: IT ist nicht mehr nur Technik-Geschäft. Vertrauen spielt eine wichtige Rolle. Da hilft es auch, dass die Telekom seit Jahren von Verbrauchern als vertrauenswürdigste IT-Marke gewählt wird. Und die Nachfrage nach der deutschen Cloud steigt. So bauen wir beispielsweise unseren Rechenzentrumsstandort Biere nach nur zwei Jahren bereits um 150 Prozent aus. Nach dem Ausbau kommt unser modernstes Rechenzentrum auf 9.000 Quadratmeter IT-Fläche.

Welche Rolle spielen Sicherheitszertifikate für Sie und Ihre Kunden?

Bronder: Natürlich wollen wir unseren Kunden beweisen, dass sie mit uns eine sichere Wahl treffen – deshalb ist es uns auch wichtig, die entsprechenden Zertifikate in der Tasche zu haben. Bei der Open Telekom Cloud haben wir mit dem CSA-Zertifikat angefangen. Zudem ist die Open Telekom Cloud vom TÜV und der DEKRA zertifiziert, zwei wichtige Gütesiegel. Es gibt zukünftig auch ein Zertifikat vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), das wir konkret bewerten. Wir wählen die wichtigsten aus, wobei es eine Vielzahl an Qualitäts-, Prozess- und  Sicherheitszertifikaten gibt.

Welche Zertifikate sind denn ein „Must Have“?

Bronder: Die Zertifikate, die wir schon haben, sind essenziell: TÜV Trusted Cloud Service (speziell für Open Telekom Cloud), CSA STAR level 2 (speziell für Open Telekom Cloud), ISO 9001 Qualitätsmanagementsystem, ISO 20000 Servicemanagementsystem, DEKRA ISO 27017 IT-Security und ISO 27018-Datenschutz, ISO 22301 Business Continuity Management System, ISO 27001 Information Security Management System und der Prüfbericht Deloitte Datenschutzmanagementsystem. Aktuell evaluieren wir auch ganz konkret Trusted Cloud. Das ist das Zertifikat im Rahmen der Digitalisierungs-Initiative der Bundesregierung. Wenn für bestimmte Märkte oder Verticals Zertifikate relevant werden, versuchen wir immer, diese zu erhalten.

Anette Bronder, T-Systems

„Datenschutz ist nach wie vor das Topthema bei unseren Kunden.“

Anette Bronder, T-Systems

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Was sagen Sie denn dem mittelständischen Maschinenbauer, wenn er Angst vor Wirtschaftsspionage hat und hört, dass Sie mit Huawei einen chinesischen Partner direkt in Ihren Data Centern sitzen haben?

Bronder: Alles, was da rein und raus geht, ist zig-fach geprüft und Huawei zudem ein seriöses Unternehmen, sonst würden wir als Deutsche Telekom nicht mit ihnen partnern. Übrigens spielen chinesische Hardwareprodukte in unseren Märkten generell eine große Rolle, sie sind bei nahezu allen Telko-Providern verbaut. Wir kommen teilweise gar nicht drum herum, diese Produkte einzusetzen. Die Frage ist: Wie sichert man das ab? Ich habe schon viele Data Center gesehen, aber was in Biere und Magdeburg steht, wo die Open Telekom Cloud betrieben wird, ist Fort Knox auf höchstem Niveau. Sicherer kann man Cloud nicht betreiben. Zudem testen wir alle Partnerlösungen auf Herz und Nieren, bevor wir sie aus unseren Rechenzentren anbieten. Entsprechen bestimmte Funktionalitäten unseren deutschen Sicherheitsstandard nicht, ergänzen wir diese Funktionen oder passen sie an.

Huawei hat im Rahmen der Huawei Connect im Herbst 31 neue Services angekündigt, darunter auch Migration as a Service. Werden Sie diese Services auch über die Open Telekom Cloud anbieten?

Bronder: Ja. Wir wollen schließlich, dass unsere Kunden nicht nur die sicherste Cloud bekommen, sondern auch die State-of-the-Art-Services nutzen können.

Frau Bronder, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview mit Anette Bronder haben wir während der Konferenz Huawei Connect 2016 geführt.

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Nächste Schritte

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Datenschutz-Grundverordnung: Worauf bei der Cloud-Migration zu achten ist.

Cloud-Risiken: Wer trägt die unternehmerische Verantwortung?

Kostenloses E-Handbook: Ratgeber Cloud-Sicherheit.

Artikel wurde zuletzt im Januar 2017 aktualisiert

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