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Strategic Imperatives sollen IBMs Hardwarewende befeuern

IBM hat längst die Umwandlung von Hardware zu Software und Services begonnen. Strategic Imperatives sollen die Transformation zur Cloud einläuten.

IBMs Wandel vom einst dominanten Hardwareanbieter hin zu Software und Services lässt sich der einhundert Jahre alten Firmenhistorie entsprechend treffend mit Vokabeln aus dem Seniorenbereich als langsam und gebrechlich beschreiben. Jüngst konnte der 100-jährige Konzern aber wieder eine etwas schwungvollere Gangart an den Tag legen.

Vor einigen Jahren startete IBM die Initiative Strategic Imperatives, ein Programm zur Umsatzsteigerung in neuen Märkten wie Cloud Computing, Analytics, Mobile oder auch Security. Damit sollten die rapide fallenden Umsätze im klassischen Servermarkt aufgefangen werden.

Seitdem sind die Umsätze mit IBMs Strategic Imperatives im zweistelligen Prozentbereich gewachsen und machen inzwischen bereits 43 Prozent von IBMs gesamten Umsätzen der vergangenen zwölf Monate aus. Alleine die Umsätze im Cloud-Bereich sind auf 15,1 Milliarden US-Dollar geklettert, Umsätze mit As-a-Service-Dienstleistungen auf 8,8 Milliarden US-Dollar.

Der Wandel hin zu einer ernstgemeinten Cloud-Strategie war dabei etwas ziellos und bis zur Übernahme von SoftLayer im Jahr 2013 gab es bei IBM eigentlich keine richtige Cloud-Strategie. Die Public-Cloud-Services von SoftLayer, damals der größte Infrastrukturanbieter in privater Hand, wurden mit IBMs SmartCloud-Produkten zusammengeführt, um Kunden einen wesentlich einfacheren Einstieg in das Cloud Computing zu ermöglichen.

Während SoftLayer IBM eine Plattform zum Ausspielen der eigenen SaaS-basierten Produkte bot, so Gartner-Analystin Lydia Leong, eignete sich SoftLayer aber tatsächlich wesentlich besser zum Hosten als zum Ausliefern von Cloud-Services: „SoftLayer war für IBM gleichzeitig ein Erfolg und ein Misserfolg. SoftLayer war weniger ein bedeutender Cloud-Anbieter als vielmehr ein Hosting-Provider in Konkurrenz zu klassischen Anbietern wie Internap oder Peer 1.“

Laut Leong hat IBM in den vergangenen drei Jahren wenig getan, um SoftLayer signifikant zu verbessern, mit Ausnahme der verbesserten Funktionen zum Storage-Management Anfang 2015. Damit kann SoftLayer nicht mit den hunderten kleinerer und größerer Neuerungen Mithalten, die Konkurrenten wie Microsoft oder AWS regelmäßig einführen.

Allerdings hat sich IBM in den letzten Jahren durchaus eine ansehnliche neue Cloud-Architektur mit modernster Software- und Hardwaretechnologie aufgebaut. Das Ziel dieses Projekts mit Namen Genesis ist die beschleunigte Auslieferung moderner Web-Services auf Basis einer von IBM so bezeichneten Next-Generation Infrastructure (NGI).

„Mit seiner NGI will IBM in die Welt moderner Infrastruktur vorstoßen“, so Leong. „Dabei liegt ein Hardwaredesign zugrunde, das dem von Microsoft Azure oder AWS ähnelt und auch moderne Cloud-Services ausliefern kann.“

Das Ergebnis des NGI-Projekts soll eine Art Fabric-Computer sein, der dann Technologien wie 3D Torus, eine neue Methode zur Verbindung mehrerer Server, und Single Large Expensive Disk integrieren können soll. Zusammen soll damit die Latenz auf weniger als 20 Millisekunden reduziert werden, so zumindest von IBM unterrichtete Quellen. IBM hofft, durch die so beschleunigten Webservices gegen Cloud-Giganten wie Amazon bestehen zu können.

Diese Technologiesammlung soll allerdings nicht in kommerziell erhältlichen Servern für Unternehmen zum Einsatz kommen, sondern lediglich innerhalb der 56 IBM-Rechenzentren speziell für IBM-Kunden zur Verfügung stehen.

IBMs Hardwaresparte im Umbruch

Während die Strategic Imperatives Initiative die an sie gesetzten Erwartungen erfüllt hat, kann IBMs Hardwaresparte bislang nicht mit diesem Erfolg mithalten. Die Verkaufszahlen der Serverhardware, vor allem der proprietären Power-Serie, gehen steil nach unten. Fast scheint es so, als ob IBM mit jedem Schritt vorwärts der Strategic Imperatives bei Hardware gleich wieder zwei zurück macht.

IBMs Abkehr von Serverhardware begann 2014 mit dem Verkauf der Intel-basierten System-x-Server an Lenovo für 2,3 Milliarden US-Dollar. Dieser Geschäftsbereich war damals zwar noch profitabel, ließ sich aber im Grunde nicht sinnvoll mit dem langfristigen Fokus auf Produkte mit höheren Verkaufsmargen wie den proprietären Power-Servern oder den Mainframes der z-Serie vereinbaren.

IBM wurde, ebenfalls noch 2014, mit dem Verkauf der Chip-Herstellung an GlobalFoundries weitere unprofitable Geschäftsbereiche los. Dabei ließ sich IBM den Verkauf an GlobalFoundries sogar 1,5 Milliarden US-Dollar kosten, nur um die Chip-Fabriken aus den Bilanzen streichen zu können.

Die Entscheidung zum Verkauf der System-x-Produktlinie fiel allerdings zu einem schlechten Zeitpunkt. Schon kurz darauf fielen die Verkaufszahlen nämlich rapide, was auf einige Mitbewerber im Servermarkt zurückzuführen ist, die günstigere, dafür aber leistungsstärkere und Intel-basierte Server verkauften.

Die Power-Serie hat einige Rückschläge hinnehmen müssen, allerdings dürften die Verkaufszahlen in den letzten Monaten ihren Tiefpunkt erreicht haben. Laut Meinung einiger Analysten könnte das Geschäft mit den Services der Strategic Imperatives zukünftig auch wieder die Verkaufszahlen der Power-Server ankurbeln. Ein weiterer Pfeiler für den Erfolg der Power-Serie könnte zudem das anlaufende Geschäft mit OEM-Lizenzen zum Wiederverkauf der Server sein.

„Produkte der OpenPower Foundation kommen ja gerade erst auf den Markt“, so Charles King, President und Principal Analyst bei Pund-IT. „Wenn die Verbreitung wirklich die Erwartungen der [OpenPower]-Partner erfüllt, dann könnten wir in diesem Segment schon bald signifikante Umsätze sehen.“

Auch wenn der Umsatzrückgang bei Mainframes in den letzten drei oder vier Jahren gestoppt werden konnte, liegen die Umsätze trotzdem lediglich bei etwa der Hälfte dessen, wo sie einst waren. Laut Bernstein Research bei nur etwa zwei Milliarden US-Dollar pro Jahr gegenüber den drei oder vier Milliarden von früher. Die Veröffentlichung des neuen z14-Mainframes sollte die Umsätze für das Jahr 2018 allerdings wieder deutlich anheben.

Ironischerweise wird genau die Hardware, von der IBM wegkommen will, die Umsätze der Strategic Imperatives ankurbeln. „IBM wird Produkte seiner Strategic Imperatives rund um die Auslieferung des z14 herum stärker in den Markt tragen, später dann auch in Verbindung mit den Power9-basierten Server“, orakelt Geoffrey Woollacott, Principal Analyst bei Technology Business Research. „Ein Erfolg der Strategic Imperatives könnte diese Hardwareplattformen enorm stärken.“

Damit zeichnet sich am Horizont schon IBMs nächste Umwandlung ab, nämlich eine erneute Refokussierung auf Hardware, bevor die Strategic Imperatives ihre Aufgabe vollständig erfüllt haben. „Software wird immer auf Hardware basieren“, so King, „ich kann mir nicht vorstellen, dass IBM je ganz aus dem Hardwaregeschäft aussteigen wird.“

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Artikel wurde zuletzt im August 2017 aktualisiert

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