Software-defined und hyper-konvergent: Der Sturm im Data Center

Software-definierte und hyper-konvergente Produkte verändern die Data-Center-Industrie. Die strategischen Weichenstellungen sollten jetzt erfolgen.

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Data-Center-Design

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Es kommt ein Sturm auf die Data-Center-Industrie zu. Er wird vielleicht nicht dieses Jahr anrücken, aber wenn er...

kommt, sollten sowohl Service-Anbieter als auch IT-Abteilungen der Unternehmen darauf vorbereitet sein.

Diejenigen, die sich für die richtige Strategie entschieden haben, werden von großen Flexibilitäts- und Effizienzgewinnen profitieren und in der Lage sein, aufregende neue Geschäftsbereiche zu erschließen. Diejenigen aber, die auf das falsche Pferd gesetzt haben, werden an Zulieferer und Technologien gebunden sein, die ihre Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen.

„Bahnbrechende Technologie-Trends und neue Anbieter werden für tektonische Verschiebungen auf dem Rechenzentrumsmarkt sorgen, was unserer Meinung nach eine Herausforderung für die etablierten Anbieter sein wird”, sagt Errol Rasit, Research Director der Analystenfirma Gartner. „Hieraus werden sich neue Möglichkeiten und neue Technologiebereiche ergeben. Das wird einige Anbieter bis ins Mark erschüttern, und viele Kunden werden sich demnächst neu orientieren müssen.”

Bahnbrechende Technologie-Trends und neue Anbieter werden für tektonische Verschiebungen auf dem Rechenzentrums- markt sorgen.

Errol Rasit, Research Director der Analystenfirma Gartner

Traditionell waren die Manager der Data-Center-Infrastruktur allein für die Auswahl von Hardware, Software und Dienstleistungen verantwortlich. Solange sie innerhalb ihrer Budgets blieben und einen Business Case präsentieren konnten, der auch die Zustimmung der Einkaufsabteilung und des Managements fand, war es unwahrscheinlich, dass jemand ihre technischen Empfehlungen anzweifelt. Es kam eher selten vor, dass C-Level-Manager in diesem Bereich Mikromanagement betreiben wollten, um sich mit der Auswahl von Kühlsystemen, Server-Racks oder Co-Location-Providern auseinander zu setzen.

Sofern Senior IT-Manager aber keine proaktive Rolle in der Auswahl der Rechenzentrums-Strategie einnehmen, können sie ihr Unternehmen in ernste Schwierigkeiten bringen. Eine Befürchtung der Kunden ist die Festlegung auf die spezifische Technologie eines Anbieters. 

Selbst wenn diese die aktuell beste Lösung für ihre Anforderungen ist, könnte sich dies später als eine kostspielige Fehlentscheidung erweisen, wenn effizientere und günstigere Alternativen auf den Markt kommen. Mit anderen Worten: Man sollte vorsichtig sein, an wen man sich langfristig bindet.

„Wir erwarten, dass eine Vielzahl der Data-Center-Anbieter darauf bedacht sein werden, ihre Marktanteile und Gewinnmargen zu schützen”, so Rasit. Für Unternehmen ist jetzt die richtige Zeit, um Bilanz zu ziehen, glaubt auch Andy Lawrence, Vice President für den Bereich Forschung bei der Analystenfirma 451 Research: Dieses Jahr geht es um die genaue Prüfung und um die Vorbereitung der Investitionen, aber die meisten Investitionen werden erst im Jahr 2015 erfolgen. 2014 geht es um die richtige Strategie.

Innovation bringt große Veränderungen im Data-Center-Markt

Was also sind die „tektonischen Verschiebungen”, von denen Gartner spricht? Viele der neuen Entwicklungen im Bereich der Rechenzentren, die in den vergangenen Monaten in den Schlagzeilen waren, betrafen das Thema Hyper-Skalierbarkeit (oder wie Gartner es nennt: Web-Skalierbarkeit) bei Nutzern und Anbietern von Data Centern.

„Einige der größten Rechenzentrumskunden der Welt – Unternehmen wie Facebook, Google, Tencent, Baidu und Alibaba – führen alternative Methoden ein, um extrem hochskalierbare Rechenleistung zu geringen Kosten anbieten zu können“, so Rasit.

Von einigen dieser Unternehmen wurden daher neue Paradigmen der IT-Architektur und neue Technologien ins Leben gerufen, unter anderem Community-basierte Entwicklungen. Das von Facebook geführte Open Compute Project ist ein gutes Beispiel dafür, aber es ist bei weitem nicht das einzige.

„Wir haben auch Initiativen wie das Project Scorpio und The Open Data Center Alliance gesehen, die ganz ähnliche Ziele zu erreichen versuchen. Alle diese Projekte drehen sich im Kern darum, einen anderen Stil der IT-Architektur für Rechenzentren zu schaffen.“

Lawrence bestätigt, dass solche Initiativen neben anderen ähnlichen Entwicklungen einen großen Einfluss auf die Industrie haben werden. „Die Betreiber von Rechenzentren, besonders die Service-Anbieter, werden verstehen müssen, dass sich das Data-Center-Geschäft ändert“ sagt er.

„Wir sehen konzertierte Bestrebungen, neue Technologien zu entwickeln, welche die Performance, Verwaltung, Verfügbarkeit, Skalierbarkeit und Energieeffizienz verbessern”, so Lawrence weiter.

„Diese werden sicherlich von den hoch skalierbaren Cloud-Anbietern getrieben, aber es gibt in allen Bereichen Innovationen: vorgefertigte und modulare Rechenzentren, hoch entwickeltes DCIM (Datacenter Infrastructure Management), Software Defined Data Centers, verteiltes Energiemanagement – alle Arten von Innovationen. Auch wenn viele dieser Entwicklungen bisher keine großen Auswirkungen hatten, wird es bald dazu kommen, und wenn es soweit ist, werden die Auswirkungen ziemlich dramatisch sein.“

„Das Risiko besteht darin, dass Rechenzentren, die in den letzten zwei bis fünf Jahren gebaut wurden und eine Betriebszeit von 15 Jahren haben, bereits in zwei Jahren überflüssig sein könnten, wenn die Betreiber nicht rechtzeitig Pläne gemacht haben, wie sie konkurrenzfähig bleiben."

Neue Technologien erfordern Wechsel der Unternehmensstrategie

Rasit von Gartner ist jedoch nicht sicher, ob diese Botschaft überall angekommen ist. „Wenn sie heute mit den Betreibern von Rechenzentren über hoch skalierbare IT sprechen, ist ihnen diese Problematik nicht unbedingt bewusst und auch nicht unter deren Top-Prioritäten. In einigen Fällen haben sie sich damit noch nicht einmal befasst. Für diese Unternehmen ist es eher wichtig, die Energieversorgung zu sichern, eine effiziente IT bereitzustellen und eine Lösung für die Unternehmensanforderungen zu haben.”

Nach Meinung von Rasit beginnen die Kunden, die Roadmaps ihrer Lieferanten deutlich genauer unter die Lupe zu nehmen. „Es gibt einen Bewusstseinswechsel bei den angestammten Unternehmen, der dazu führt, dass der Wert der Anbieter und deren Produkte deutlich stärker hinterfragt wird”, so Rasit.

Rasit sagt, dass die Wachsamkeit der Käufer besonders in Bezug auf die Prüfung von integrierten Infrastruktur-Lösungen, wie VCE Vblock, IBM Puresystems und HP CloudSystem wächst.

„Wenn es um die Verbesserung der operativen Effizienz geht, wird eine Reihe der großen Anbietern sagen, dass integrierte Lösungen die Antwort sind", sagt er. „Doch solche Lösungen spiegeln nur die Interpretation des betreffenden Herstellers wieder, wie die Zukunft aussehen wird.“

„Und mit den ganzen Open-Source- und Community-basierten Entwicklungen, die derzeit entstehen, werden Unternehmen sich die Frage stellen, wie eine integrierte Lösung von ihrem bevorzugten Lieferanten mit Dingen wie Software-defined Networking und Software-defined Storage zukünftig zusammen passen wird”, so Rasit.

„Sie werden wissen wollen, ob sie weiterhin auf technologische Standardware setzen können oder ob sie eine wesentlich engere Beziehung zu ihrem Technologieanbieter eingehen und sich dadurch an dessen Sicht der Zukunft binden sollten.“

Für viele Unternehmen wird die Bequemlichkeit einer integrierten Lösung eine große Anziehungskraft ausüben, meint Clive Longbottom, Service Director der Analystenfirma Quocirca. „Diese Angebote bieten für viele Unternehmen große Vorteile, da alles innerhalb der Lösung selbst konfiguriert werden kann.”

"Sie können viel höhere Verbindungsgeschwindigkeiten erreichen, so dass sie in der Lage sind, große Workloads effizient zu verarbeiten. Spezielle Systeme erfordern spezielle Kühlung, spezielle Stromverteilung und so weiter. Aber wenn sie einmal den Sprung gewagt haben, ist das sehr viel einfacher als zu versuchen, die Energieverteilung für Racks selbst zu konstruieren", sagt er.

Aber Longbottom stimmt auch zu, dass Kunden sicher gehen wollen, dass solche Lösungen nicht ihre Flexibilität beeinträchtigen. Obwohl er davon ausgeht, dass viele Unternehmen im Kern auf integrierte Lösungen setzen werden, glaubt er, dass die meisten Firmen letztlich mit einer Hybrid-Lösung arbeiten werden.

„Sie werden dennoch Möglichkeiten für inkrementelle Skalierung brauchen” so Longbottom. „Wenn zum Beispiel jemand mehrere Millionen für eine UCS-Lösung von Cisco ausgegeben hat, dann aber merkt, dass er zusätzliche Ressourcen braucht, wird er nicht einfach eine weitere UCS kaufen.”

Gartner hat währenddessen ein wachsames Auge auf eine Reihe von Unternehmen geworfen, die die Herausforderungen, vor denen die traditionellen Rechenzentrumsbetreiber stehen, noch deutlich steigern könnten.

„Es gibt eine wachsende Anzahl von dem, was wir als revolutionäre Disruptoren bezeichnen: Startups, in der Regel durch Wagniskapital finanziert, die mit neuen Lösungen auf den Markt kommen und darin auf Software-defined-Paradigmen oder auf andere Praktiken setzen, die wir in Hyperscale-Umgebungen gesehen haben" sagt Rasit.

„Obwohl einige dieser Firmen ihren Schwerpunkt auf den Verkauf im Bereich der Hyperscale-Unternehmen legen, sehen wir immer öfter, dass sich andere auf traditionelle Unternehmen und Service-Anbieter fokussieren und die gleiche Effizienz bieten, die Hyperscale-Kunden erreichen”, sagt er.

In Bezug auf die Unternehmen, die Gartner näher betrachtet, nennt Rasit Namen wie Nutanix, Simplivity und Servergy. Die Analysten beobachten auch System-on-a-Chip-Anbieter wie Cavium und Marvell, die neue Server- und Prozessor-Technologien auf Basis der stromsparenden ARM-Architektur entwickeln. „Da gibt es eine ganze Menge Unternehmen dieser Art”, sagt Rasit.

Viele dieser Startups werden entweder wieder verschwinden oder von größeren Anbietern übernommen werden. 

Errol Rasit, Research Director der Analystenfirma Gartner

Während solche Innovatoren das Potenzial haben, den Markt durcheinander zu wirbeln, heißt das nicht, dass ihr langfristiger Erfolg garantiert ist. „Viele dieser Startups im Infrastruktur-Markt werden entweder wieder verschwinden oder von größeren Anbietern übernommen werden”, so Rasit.

Innovative Startups, die übernommen werden, können nicht immer damit rechnen, dass ihre neuen Eigentümer ihre Technologien weiter entwickeln. “Sie können von größeren Anbietern übernommen werden, die dann ihre Innovationen in ihre eigene Technologie integrieren. Genauso gut kann es passieren, dass der Käufer sie übernimmt, um ihre Technologie einzustampfen. Es ist charakteristisch für die Data-Center-Industrie, dass eine kleine Anzahl von sehr großen Anbietern einen großen Marktanteil kontrolliert. Dies ist dann eine echte Form von Kontrolle”, so Rasit.

Sowohl Rasit von Gartner als auch Lawrence von 451 sind sich einig, dass es trotz der Bemühungen einiger protektionistischer Anbieter, diese Innovationen zurück zu halten, mittlerweile dafür zu spät ist – die Katze ist bereits aus dem Sack.

„Die Herausforderung, die etablierte Rechenzentrumsanbieter berücksichtigen müssen, ist die, dass die Evolution neuer Technologien und IT-Architekturen zwar weiter in das Bewusstsein der Kunden eindringen wird, die dabei produzierten Technologien aber gar nicht zu den wechselnden Anforderungen der Unternehmen passen. Dies wird letztlich ein Vakuum auf dem Markt erzeugen”, so Rasit.

Evolutionäre Disruptoren im Data-Center-Markt

Daraus folgt, dass die cleveren unter den großen Anbietern versuchen werden, sich als evolutionäre Disruptoren zu positionieren, wie Gartner es nennt.

„Das bedeutet, dass einige der etablierten Anbieter versuchen werden, die gleichen Stärken wie die revolutionären Disruptoren zu repräsentieren, dies aber aus der Position eines vertrauten Anbieters mit einer entsprechenden Erfolgsgeschichte bei der Entwicklung von Technologie tun werden”, erklärt Rasit.

Lawrence sagt voraus, dass noch mehr Unternehmen ein Interesse am Open Compute Project zeigen werden als auch bisher schon: „Ich denke, dass in diesem Jahr der Groschen bei der Data-Center-Industrie fallen wird und es zu einem großen Schub in Richtung größerer Wirtschaftlichkeit und höherer Energieeffizienz kommen wird. Darüber hinaus werden wir uns von dem traditionellen Fokus auf die Verfügbarkeit weg bewegen” sagt er. „Die konservative Haltung der Data-Center-Industrie hat die Entwicklung vielleicht eine Zeit lang aufgehalten, aber ich glaube wirklich, dass wir in den nächsten paar Jahren sehr große Innovationen sehen werden.”

Aber das alles wird nicht sofort passieren. „Die Gewinnspannen der Data Center sind im Allgemeinen noch ziemlich gut, daher denke ich nicht, dass es jetzt schon zu einer Marktbereinigung kommen wird”, sagt Lawrence. „Aber in den kommenden zwei Jahren könnte es zu einer teilweisen Aufspaltung des Marktes kommen. Dabei wird es Anbieter geben, die sich für ein effizienteres, quasi-industrielles Modell entscheiden und solche, die sich eine Nische suchen und sich entsprechend spezialisieren müssen, da sie in einem Preiskampf nicht wettbewerbsfähig wären."

Die vergleichsweise langsame Geschwindigkeit der Veränderung könnte den IT-Abteilungen der Unternehmen etwas Zeit verschaffen, aber sie sollten die nächsten Monate weise nutzen: „Sie müssen anfangen, auch für alternative Ansätze offen zu sein und die Implikationen aus den neuen Technologien und operationalen Standards berücksichtigen, die in einigen der größten Rechenzentren der Welt entstehen”, so Rasit.

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Artikel wurde zuletzt im Oktober 2014 aktualisiert

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