Reservierte Instanzen in AWS – ein Kostenvorteil gegenüber Google und Microsoft?

Reservierte AWS-Instanzen können die Kosten einer Cloud-Umgebung enorm senken. Was haben Google und Microsoft dem entgegenzusetzen?

Auf welcher Grundlage entscheidet sich ein CIO für eine bestimmte Cloud? Geht es ihm mehr um die Zuverlässigkeit eines Anbieters oder entscheidet er anhand der vorhandenen Produktpalette? Ist der ausschlaggebende Faktor, wie einfach sich der Provider in die existierende Infrastruktur integrieren lässt? Ist es der Preis? Oder ist es gar eine Mischung aus all diesen Faktoren?

Während sich die Cloud von einem Hype zu einer etablierten Lösung mausert, beschäftigen sich immer mehr Unternehmen mit diesen Fragen. Cloud-Provider dagegen kämpfen mit allen Mitteln um Kunden: Auf der einen Seite werden die Kosten gesenkt, auf der anderen neue Services bereitgestellt.

Eines ist jedoch sicher: Derzeit kann sich in dieser Branche wahrlich niemand über einen Stillstand beschweren. Der momentane Marktführer in Sachen Cloud, Amazon mit seinen AWS (Amazon Web Services), gilt dabei als einer der Innovationstreiber.

Reservierte AWS-Instanzen rechnen sich erst bei hoher Nutzung

Im Dezember 2014 hat Amazon sein AWS-Angebot für die so genannten Reserved Instances modernisiert. Das alte System war extrem komplex und die Preise variierten je nach der tatsächlichen Nutzung der reservierten Instanzen. Die neue Preisgestaltung dröselt diese Schichten auf. Das Preisniveau hängt jetzt maßgeblich davon ab, ob der Kunde die komplette reservierte Kapazität im Voraus bezahlt, teilweise im Voraus bezahlt oder nichts im Voraus bezahlt.

Bei dem neuen Preissystem können Kunden virtuelle Maschinen für ein oder drei Jahre reservieren. Auch hier gibt es unterschiedliche Preise, die von verschiedenen Faktoren abhängen. Dazu gehören zum Beispiel die Spezifizierung der Cloud-Instanz und der Zeitrahmen für die Reservierung. „Als wir diese Änderungen eingeführt haben, richteten wir uns im Grunde genommen nach den Anforderungen der Kunden. Diese Maßnahme hat das Modell vereinfacht“, erklärt Paul Duffy, Leiter des Produkt-Marketings bei AWS.

Die Änderung richtet den Fokus jetzt anders aus, um vor allem Business-Entscheider anzuziehen. Dieser Meinung ist Owen Rogers, Analyst der 451 Group: „Amazon hat sich bisher daran orientiert, an Techniker zu verkaufen. Die Neuausrichtung ist meiner Meinung nach ein Zugeständnis an Geschäftsleiter – es geht mehr um die Reduzierung von Risiken und Verbindlichkeiten. Potenzielle Kunden müssen sich allerdings darüber im Klaren sein, dass Sie in diesem Fall lange verwenden werden, für was sie sich jetzt entscheiden. Setzt man auf eine reservierte Instanz, sollte man also sehr sorgsam evaluieren, was man wirklich braucht.“

CIOs sollten sich also nicht nur wegen der Rabatte auf reservierte Instanzen einlassen, sondern sich im Klaren darüber sein, was sie wirklich gebucht haben, stimmt auch Kim Weins zu, Vice President Marketing bei Righscale. Laut Weins müssen Anwender eine reservierte Instanz auch mindestens 222 Tage im Jahr nutzen, damit sie sich gegenüber einer regulären On-Demand-Instanz überhaupt rechnet. 

Gleichzeitig, so James Mitchell, CEO des Cloud-Anbieters Strategic Blue, dürften Unternehmen, die reservierte Instanzen nicht im Voraus bezahlen, höchstwahrscheinlich einen hohen finanziellen Aufschlag hinnehmen müssen.

Als Beispiel nimmt er eine große Instanz mit Linux, die in einer der AWS-Einrichtungen an der Ost-Küste liegt. Zahlen Kunden vollständig im Voraus, kostet diese Instanz derzeit 542 US-Dollar. Wer nichts im Voraus bezahlt, sondern monatlich, kommt auf fast 640 US-Dollar pro Jahr. Der Aufschlag läge in diesem Fall also bei 36,7 Prozent. Kunden mit Teilzahlungen sind laut Mitchell zwar besser dran, aber auch hier könnte der Aufschlag bis zu zehn Prozent betragen.

Kosten gegen Services – was ist wichtiger in der Cloud?

Amazons Schachzug kommt zu einer Zeit, in der der IaaS-Markt (Infrastructure as a Service) hart umkämpft ist. Vor wenigen Tagen erst hat die Synergy Research Group einen neuen Bericht veröffentlicht, wonach Microsoft bei den Cloud-Infrastruktur-Providern in den letzten zwölf Monaten um 96 Prozent wachsen konnte. Allerdings liegt Amazon mit einem Marktanteil von knapp 30 Prozent noch deutlich von Microsoft Azure mit gut zehn Prozent. Diese Lücke zu schließen wird also noch eine geraume Zeit dauern.

Mit den reservierten Instanzen bietet Amazon etwas an, dass die Hauptkonkurrenten derzeit nicht im Portfolio haben. Microsoft hatte einen ähnlichen Service im Angebot, stellte diesen allerdings Anfang 2014 ein. Auch Microsoft bot seinen Kunden damals die Möglichkeit, entweder monatlich oder im Voraus zu Bezahlen.

Microsoft bietet allerdings nur wenig Ersatz für diese Art der Rabatte an, auch wenn noch immer einige Vorzugsangebote erhältlich sind. MSDN-Abonnenten beispielsweise bekommen einen Nachlass, zudem gibt es spezielle Angebote für Start-up-Unternehmen und universitäre Einrichtungen. 

Alles in Allem geht Microsoft aber nicht den Weg über Rabatte. Stattdessen baut Microsoft auf die einheitliche Plattform, die bei der Verwendung von Windows und Windows Server im eigenen Unternehmen in Verbindung mit Microsoft Azure gegeben ist. Die unkomplizierte Integration von On- und Off-Premise-Infrastrukturen soll also mehr Schlagkraft entfalten, als banale Rabatte.

Owen Rogers von der 451 Group gibt diesem Ansatz prinzipiell recht: „Kunden interessieren sich mehr für ein breiteres Angebot an Services und weniger für Preise. Wäre ich ein CIO, würde ich den Provider wählen, der meinen Ansprüchen genügt. Ich würde sicherlich nicht auf den setzen, der am günstigsten ist. Ich möchte einen, der die beste Bandbreite an Services zur Verfügung stellt“, erklärt er.

Hat man sich allerdings erst einmal für einen Cloud-Provider entschieden, sollte man sich laut Rogers mit dem CFO zusammensetzen und ausarbeiten, wie man die Kosten von Cloud-Services reduzieren kann. „An dieser Stelle kommt wieder AWS ins Spiel. Reservierte Instanzen bieten eine der besten Möglichkeiten, in diesem Bereich Kosten einzusparen.“

Google als der dritte große Cloud-Provider im Bunde geht komplett anders an diese Geschichte heran. Google bietet überhaupt keine Cloud-Rabatte für reservierte Instanzen auf seiner Compute Engine an. Stattdessen wird automatisch ein Sustained-Use-Rabatt für Instanzen gewährt, die zumindest 25 Prozent des Abrechnungszeitraums genutzt werden. Verwendet man die Instanz während des gesamten Abrechnungszeitraums, bekommt man einen Rabatt von 30 Prozent. Dieses Rabattsystem ist verglichen mit Amazons reservierten Instanzen wesentlich einfacher und durchschaubarer.

Owen Rogers jedenfalls ist ein großer Fan dieses Preismodells: „Sehen Sie sich das auf dem Papier an, ist Googles Herangehensweise sehr attraktiv. Es tritt automatisch in Kraft und Kunden müssen keine Risiken eingehen.“ 

Kim Weins von RightScale sieht das ähnlich: „Wenn wir über das Preismodell sprechen, war AWS schon immer sehr aggressiv, selbst als Amazon den Markt quasi noch für sich hatte. Google hat die Messlatte aber inzwischen höher gelegt und die Preise alleine 2014 um 38 Prozent gesenkt. Meiner Meinung nach werden Preisnachlässe von 30 Prozent pro Jahr Amazon auch weiterhin unter Druck setzen.“

Owen Rogers glaubt zwar, dass die Rabatte weiterhin bestehen bleiben. Allerdings wird es seiner Meinung nach nicht zu einem Preiskrieg kommen. Er hat die Cloud-Kosten in den letzten Monaten beobachtet und kommt zu dem Ergebnis, dass es in diesem Bereich inzwischen ziemlich konstant zugehe.

„Bei den Kosten für virtuelle Maschinen und Storage wird es wohl keine großen Veränderungen mehr geben. Bei höherwertigeren Services ist es allerdings spannender, genau dort könnte zukünftig ein kommerzieller Vorteil liegen“, erklärt er.

Genau hier soll also das Schlachtfeld der Zukunft liegen, denn auch wenn es theoretisch möglich sei, dass die Kosten für virtuelle Maschinen und Storage gegen Null gehen, glaubt er nicht daran. Allerdings werden die Preise weiter sinken, wodurch genau die Anbieter profitieren, die durch Innovationen und den besseren Support glänzen.

Als Kunde eines Cloud-Anbieters hat man heutzutage mehr Auswahl als jemals zuvor. Und sowohl Amazon als auch Google und Microsoft buhlen mit verschiedenen Rabattmodellen und zusätzlichen Services um zahlungskräftige Kunden. Sollte Rogers Recht behalten, dann dürften gerade die Rabatte in Zukunft allerdings immer weniger ausschlaggebend für die Wahl eines Cloud-Anbieters sein. In der Zwischenzeit gibt es für CIOs aber noch jede Menge Optionen, um die Finanzabteilung glücklich zu machen.

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Artikel wurde zuletzt im Februar 2015 aktualisiert

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