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OpenStack Mitaka verbessert Skalierbarkeit, User Experience und Management

OpenStack Mitaka geht den im Liberty-Release eingeschlagenen Weg konsequent weiter: Der Fokus liegt auf Stabilität statt auf neuen Funktionen.

Mit Mitaka wurde Anfang April 2016 bereits die dreizehnte OpenStack-Version veröffentlicht, was einen enorm schnellen Release-Zyklus für die gerade einmal sechs Jahre alte Softwareplattform bedeutet.

Während frühere OpenStack-Versionen vor allem darum bemüht waren, die Kernfunktionalität für Enterprise-Clouds zur Verfügung zu stellen, reagiert die OpenStack-Community spätestens seit OpenStack Liberty vermehrt auf die Kritik der zu hohen Komplexität und fokussiert sich entsprechend stärker auf die einfachere Handhabung des Cloud-Frameworks.

Inzwischen gelten die Kernmodule von OpenStack zur IaaS-Bereitstellung (Infrastructure as a Service) als weitgehend stabil und ausgereift, das Hauptaugenmerk bei der Integration neuer Funktionen liegt also eher bei Nebenprojekten wie Sahara oder Manila, die als PaaS- oder SaaS-Dienste (Platform as a Service, Software as a Service) höher im Software-Stack zu suchen sind.

Bei den Kernprojekten rund um Nova, Neutron oder Keystone wurde der Fokus mit OpenStack Mitaka dagegen vor allem auf Management, Skalierbarkeit und User Experience gelegt.

Einfacheres Management von Nova, Keystone und Neutron

Mit OpenStack Mitaka steht das Compute-Modul Nova jetzt in Version 13.0.0 zur Verfügung, in den Release Notes finden sich an die 60 Neuerungen und Verbesserungen. So wurde beispielsweise die Möglichkeit zum UEFI-Boot mit libvirt integriert, Live-Migrationen virtueller Maschinen lassen sich jetzt auch über ein RESTful API abbrechen oder erzwingen und über die libvirt-Treiber kann die Nutzung der NUMA-Topologie (Non-Uniform Memory Access) für PowerPC-Architekturen aktiviert werden – wenn auch vorerst mit einer ineffizienten Ressourcennutzung.

Insgesamt soll die Nova-Konfiguration jetzt wesentlich einfacher und mit weniger manuellen Handgriffen möglich sein. Dabei wurde aber nicht nur am Management von Nova gearbeitet, sondern beispielsweise auch bei Keystone und Neutron. Das Security-Modul Keystone liefert Identity-Management-Funktionen und steht in Mitaka in Version 9.0.0 mit gut 30 Neuerungen zur Verfügung.

Während beispielsweise für die Erstellung von Security-Tokens bisher mehrere Schritte nötig waren, wurde dieser Prozess mit OpenStack Mitaka enorm verkürzen. Zusätzlich wurde aber zum Beispiel auch das Zusammenspiel mit LDAP-Backends (Lightweight Directory Access Protocol) durch verschiedene Verbesserungen optimiert.

Das Netzwerkmodul Neutron wiederum wurde mit OpenStack Mitaka auf Version 8.0.0 aktualisiert, mit der das Layer-3-Networking verbessert sowie Unterstützung für Distributed Virtual Router (DVR) und Single Root I/O Virtualization (SR-IOV) mit mehreren Netzwerkkarten pro physischem Netzwerk integriert wurde.

„Mitaka geht in die richtige Richtung, die Komplexität wird aber noch nicht ausreichend überwunden.“
Andreas OlahIDC

Vor allem auch die Aktualisierung auf eine neue OpenStack-Version war bislang ein großes Problem in OpenStack-Umgebungen, da Versionsupdates meist mit einer komplett neuen Bereitstellung von OpenStack einhergingen. Steve Gordon, Principle Product Manager OpenStack bei Red Hat, sieht hier aber einen Wandel im OpenStack-Management, da Verbesserungen bei OpenStacks Block Storage Cinder mit Mitaka jetzt die Möglichkeit zu Rolling Upgrades bieten würden, bei denen OpenStack während des Update-Vorgangs verfügbar bleibt.

Für Red Hat Enterprise Linux OpenStack Platform (RHEL OSP) nutzt Red Hat TripleO-Deployments (OpenStack on OpenStack), bei denen laut Steve Gorden mit Mitaka zukünftig auch die Konfiguration von OpenStack-Services mit SSL-Endpunkten (Secure Sockets Layer) und IPv6-Unterstützung möglich werden.

Bei Mirantis OpenStack kommt dagegen das Deployment-Tool Fuel zum Einsatz, für das Mirantis bei OpenStack Mitaka laut Kamesh Pemmaraju, Vice President of Product Marketing OpenStack bei Mirantis, unter anderem mit Verbesserungen bei Automatisierung, Orchestrierung und Lifecycle-Management beigetragen habe. Letztlich soll Fuel so ein Full-Life-Cycle-Management-Tool für Management-Aufgabe wie Upgrades, Rollbacks, Versionierung oder auch Autoskalierung werden.

Heat-Modul in OpenStack-Mitaka verbessert Skalierbarkeit

Neben Management-Defiziten ist es für René Büst, Senior Analyst bei Crisp Research, aber vor allem auch die horizontale Skalierbarkeit, die „unter OpenStack-Anwendern weiterhin als eines der Problemkinder“ von OpenStack gelte. Entsprechend waren auch hier Verbesserungen seitens der OpenStack-Community erwartet worden.

Probleme mit der Skalierbarkeit adressiert im Mitaka-Release beispielsweise das mit OpenStack Liberty eingeführte Heat-Modul, das jetzt sowohl größere Workloads skalieren können als auch komplexere Optionen für die Skalierbarkeit bieten soll. Heat steht in OpenStack Mitaka in Version 6.0.0 zur Verfügung und bietet unter anderem Verbesserungen bei QoS-Funktionen (Quality of Service) und Load Balancing für Neutron sowie neue Keystone-Ressourcen zum Management von Keystone-Regionen. Der verbesserten Skalierbarkeit soll auch das ebenfalls mit Liberty eingeführte Nova Cells v2 zugutekommen.

All die Verbesserungen bei Management und Skalierbarkeit würden sich dabei auch in der Praxis bemerkbar machen, erwartet Kamesh Pemmaraju von Mirantis, immerhin könne Mitaka mit einer höheren Verfügbarkeit und zuverlässigeren Enterprise-Funktionen glänzen als noch OpenStack Liberty.

Andreas Olah, Senior Research Analyst bei IDC, sieht den Mitaka-Release dagegen durchaus auch kritisch. Ihm zufolge gehen die Verbesserungen in Mitaka zwar in die richtige Richtung, die Komplexität von OpenStack werde damit aber noch nicht ausreichend überwunden: „Es werden weiterhin spezialisierte Entwickler mit OpenStack-Kenntnissen benötigt, die nicht leicht zu finden sind. Daher erwarten wir nur ein moderates Wachstum beim Einsatz von OpenStack in Europa, obwohl ein großes Interesse besteht."

Mit OpenStack Mitaka zur besseren User Experience

Neben Verbesserungen bei Management und Skalierbarkeit dreht sich OpenStack Mitaka aber vor allem auch um eine einfachere User Experience, und auch hier sieht Kamesh Pemmaraju OpenStack einen wichtigen Schritt weiter: „Während früher, um nur ein Beispiel zu nennen, mehrere Schritte für das Anlegen eines Neutron-Netzwerks erforderlich waren, genügt heute nur ein Kommando.“ Statt also manuell ein Netzwerk zu erstellen und Server sowie IP-Adressen zuzuweisen, erhalten Entwickler nun quasi auf Knopfdruck eine fertige Netzwerkumgebung.

„Stabilität und User Experience ist lediglich die Pflicht. Von der Kür ist im Mitaka-Release nichts zu finden.“
René BüstCrisp Research

Für Marc Smith, Senior Product Marketing Manager Cloud Lösungen bei SUSE, vereinfacht aber vor allem auch der vereinheitlichte OpenStack-Client die OpenStack-Nutzung enorm, der mit OpenStack Mitaka eine höhere Konsistenz bei der gleichzeitigen Interaktion mit mehreren Diensten biete. Damit erschließt sich OpenStack-Nutzern auch ein einfacherer Weg der Ressourcenbereitstellung, wodurch nicht mehr manuell auf unterschiedliche Service-APIs zurückgegriffen werden muss.

Auch Bobby Patrick, Leiter des globalen Cloud-Marketings bei Hewlett Packard Enterprise, bewertet den Mitaka-Release als großen Fortschritt und als „einen Wendepunkt bei der weltweit populärsten Softwareplattform für Cloud Computing: Mit der Einfachheit und Skalierbarkeit, die Mitaka bringt, verlagert sich der Schwerpunkt von OpenStack von einem vorwiegend von Anbietern getriebenen Projekt zu einer Plattform der Anwender.“

Kritikpunkt Service-Innovation

Bei all den Vorzügen von OpenStack Mitaka findet sich aber durchaus auch Kritik. Für René Büst von Crisp Research sei der Fokus auf Stabilität und einfacher Nutzung zwar absolut notwendig, um OpenStack-Nutzern auch weiterhin die konstante Optimierung ihrer Operational Excellence zu ermöglichen.

Allerdings dürfe die OpenStack-Community dabei nicht vergessen, dass es sich bei Stabilität und User Experience lediglich um die Pflicht handelte. „Die Kür“, so René Büst weiter, „versteckt sich hinter der Innovationsgeschwindigkeit und somit der Entwicklung neuer Services. Und davon ist im Mitaka-Release nichts zu finden.“ Vor allem Public-Cloud-Anbieter auf OpenStack-Basis bräuchten dringend neue Services aus der OpenStack-Community, um sich gegenüber Amazon mit AWS und Microsoft mit Azure abzusetzen.

Marc Smith von SUSE gibt René Büst in diesem Punkt indirekt recht, wenn er den Mitaka-Release als „ideal für die strategische Ausrichtung rund um die SUSE OpenStack Cloud“ bewertet, mit der sich SUSE bisher hauptsächlich auf die Bereitstellung einer Private-Cloud-Plattform für Unternehmen konzentriert habe. Public-Cloud-Anbieter auf Basis von OpenStack, so wiederum René Büst, könnten derzeit aber nicht mit der Innovationsgeschwindigkeit von Amazon oder Microsoft mithalten: „In jedem Fall muss die OpenStack-Community hier in Zukunft noch deutlich nachlegen, um OpenStack attraktiver zu machen.“

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Artikel wurde zuletzt im April 2016 aktualisiert

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