Nutanix und VMware im Clinch: Welche Rolle spielt der Acropolis-Hypervisor?

Seit EVO:RAIL sind aus den Partnern VMware und Nutanix Konkurrenten geworden. Mit dem neuen Acropolis-Hypervisor bläst Nutanix jetzt zur Attacke.

Vor kurzem erreichte der Konkurrenzkampf zwischen Nutanix und VMware einen vorläufigen Höhepunkt, indem Nutanix...

mit einem eigenen, kostenfreien Hypervisor auf Basis von KVM eine Software-defined-Salve abfeuerte. Das Verhältnis zwischen Nutanix, einem der Marktführer im Hyperconverged-Markt, und VMware, Anbieter von vSphere und anderen Virtualisierungsprodukten, ist dabei schon seit einiger Zeit eher angespannt. Zwar sind beide Unternehmen auch Partner, vSphere läuft nämlich auch auf der Nutanix-Hardware, aber seit VMware auf der VMworld 2014 seine hyper-konvergente Infrastrukturlösung EVO:RAIL vorstellte, ist das Verhältnis zwischen beiden Unternehmen merklich frostiger geworden.

Im März 2015 startete Chuck Hollis, Chief Strategist bei VMwares Storage and Availability Unit, durch eine Reihe von Blog-Post einen direkten Angriff auf Nutanix. Unter anderem vertritt er darin die Meinung, ähnlich wie EVO:RAIL ausgestattete Nutanix-Hardware koste mehr und böte weniger Performance als VMwares Hardwarelösung. Auf diesen Vorwurf reagierten wiederum einige Nutanix-Angestellte, unter anderem Lukas Lundell, Global Director of Solutions and Performance Engineering, der EVO:RAIL als Flop bezeichnet und VMware vorwirft, lieber Nutanix anzugreifen,  anstatt vCenter einer dringend benötigten Runderneuerung zu unterziehen.

Auf der ersten .NEXT-Konferenz im Juni 2015 hat Nutanix schließlich zum Gegenangriff geblasen und den eigenen Hypervisor Acropolis vorgestellt, der auf KVM basiert und über die Management-Plattform Prism verwaltet werden kann. Nutanix hat zudem den sogenannten App Mobility Fabric vorgestellt, mit dem sich Workloads von ESXi- und Hyper-V-Hypervisoren zu Acropolis migrieren lassen. Mit dieser Technologie könnten Unternehmen die VMware-Lizenzgebühren deutlich reduzieren oder sogar gänzlich eliminieren.

SearchDataCenter.de hat das Advisory Board von SearchVMware.com nach ihrer Einschätzung dieser Entwicklung und nach möglichen Reaktionen seitens VMware befragt.

Sander Van Vugt: Interessant, aber am Bedarf vorbei

Mit Acropolis bietet Nutanix jetzt eine interessante Option, um Applikationen einfach und über einen umfassenden und offenen Stack bereitzustellen. Für all die Unternehmen, die noch keine Virtualisierung-, Hyperconverged- oder SDN-Lösung (Software-defined Networking) im Einsatz haben, dürfte dies eine attraktive Option sein. Diese Annahme geht allerdings komplett an der Realität vorbei.

Die meisten Unternehmen haben bereits ein bestimmtes Set an Infrastrukturressourcen im Einsatz und suchen eher nach einer Lösung, die sich leicht in die bestehende Infrastruktur integrieren lässt. Wer einfach nur eine weitere Alternative bietet, hat hier wenig Erfolgschancen.

Anthony Poh: Konkurrenz belebt das Geschäft

An dem Tag, an es keine Konkurrenz zwischen den Herstellern mehr gibt, an dem Tag stirbt auch die Innovation. VMware hat den Markt für hyper-konvergente Hardware gerade erst betreten, Nutanix hat hier bereits eine komfortablen Marktanteil, warum sollte Nutanix also nicht seine Marktmacht nutzen und Hardware mit einem eigenen Hypervisor auf den Markt bringen?

Von Compute über Storage bis hin zum Netzwerk wird gerade alles Software-defined. Sobald also alle Anbieter anfangen, ähnliche Produkte zu verkaufen, muss bei Kunden ja geradezu Verwirrung aufkommen – sofern ein Unternehmen nicht ganz genau weiß, was es braucht. Die Qual der Wahl. So lange die EULAs aber nicht wenigstens ein bisschen weniger strikt werden, wird es schwer sein jemanden zu finden, der faire Benchmark-Vergleiche zwischen entsprechenden Produkten veröffentlicht.

KVM befindet sich im Hypervisor-Markt schon seit längerem in der zweiten oder dritten Reihe, gewinnt seit kurzem aber deutlich an Zuspruch. Eine Sache, die KVM fehlt, ist eine solide Management-Plattform – Nutanix hat das ganz offensichtlich verstanden und mit Acropolis und Prism reagiert.

VMware ist noch immer der Marktführer im Virtualisierungsmarkt, auf vielen Nutanix-Appliances läuft entsprechend auch vSphere. Muss sich VMware also um Acropolis sorgen machen? Wohl eher nicht, zumindest auf kurze Sicht. Man könnte argumentieren, dass Nutanix nichts anderes ist als ein verteiltes Dateisystem mit einer Management-Plattform obendrauf. Gleichzeitig muss man aber auch sagen, dass viele Anwender die Einfachheit lieben, mit der sich virtuelle Maschinen und Applikationen auf einem Nutanix-System bereitstellen lassen.

Im Vergleich zu vCenter Server funktioniert mit Nutanix auch das verteilte Management sehr gut. Die offensichtliche Antwort seitens VMware müsste also auf die Management-Plattform abzielen, die sich zugegebenermaßen in den letzten Jahren wenig geändert hat.

Da Unternehmen immer mehr auf Applikations-zentrierte Lösungen schielen, erscheint das Nutanix-Angebot in einem äußerst interessanten Licht: Nutanix bietet hier die Möglichkeit, sich auf die Auslieferung von Applikationen statt auf die zugrundeliegende Infrastruktur zu konzentrieren.

Aber es wäre schon sehr erstaunlich, wenn VMware nicht noch einen Joker im Ärmel hätte. Wir wissen bereits, dass VMware eine eigene Abteilung für Cloud-Apps gegründet hat und auch bereits entsprechende Produkte für den DevOps- und Container-Markt veröffentlicht hat, beispielsweise Project Photon und Lightwave oder auch AppCatalyst und Bonneville. Es wäre nicht verwunderlich, wenn VMware all diese einzelnen Produkte in eine einzelne, verwaltete Lösung zusammenbringt.

Nutanix neigt natürlich zu der Ansicht, die Zukunft der Virtualisierung liege in schlüsselfertiger, hyper-konvergenter Hardware, bei der Kunden sich nicht mehr um die darunterliegende Infrastruktur kümmern müssen. Tatsächlich wird die Hardware, auf der Applikationen laufen, auch in Zukunft noch eine wichtige Rolle spielen.

Auch VMware wird natürlich noch lange ein entscheidender Faktor im Markt sein, aber VMware wird einen engeren Fokus setzen müssen. VMware hat seine Finger in fast allem, was Software-defined ist und sollte seine Palette an kostenpflichtigen Produkten etwas zusammenstreichen.

Alastair Cooke: Viel Lärm um nichts

Die Auseinandersetzung zwischen Nutanix und VMware vollzieht sich auf beiden Seiten laut und effekthascherisch, letztendlich ist es aber viel Lärm um nichts. Es ist einfach Tatsache, dass der Großteil der Nutanix-Kunden vSphere-Produkte einsetzt.

Über kurz oder lang dürfte sich das aber ändern. Nicht etwa, weil Nutanix-Kunden in großer Zahl von vSphere zu Acropolis migrieren würden. Vielmehr wird die Acropolis-Plattform Einsatzszenarien auf hyper-konvergente Hardware bringen, die man nie mit VMware-Produkten realisieren würde. Die Idee hinter Acropolis lautet, dass nicht jeder, der von hyper-konvergenten Lösungen profitiert, auch VMware- oder auch nur Microsoft-Preise bezahlen will.

Acropolis und Prism sind ein äußerst interessanter Schachzug seitens Nutanix. Eine günstigere hyper-konvergente Plattform wird sicherlich Anwendungsszenarien hervorbringen, die bisher undenkbar waren. Zwei Kundengruppen fallen einem da sofort ins Auge: Sowohl Service-Provider als auch KMUs dürften diese Low-Cost-Option lieben. Interessanterweise befinden sich beide auf entgegengesetzten Extrempositionen.

Service-Provider kümmern sich in erster Linie um den Hypervisor und wie sie eigene Dienste in den Hypervisor integrieren können. Für Service-Provider ist daher ein umfangreiches Set an APIs entscheidend, das sie in existierende Automatisierungs-Tools integrieren können. Aus diesem Grund sollte Nutanix Service-Providern umfangreiche Programmierschnittstellen mit guter Dokumentation und einfachen Integrationsmöglichkeiten bieten.

KMUs dagegen wollen sich so wenig wie möglich um den Hypervisor kümmern. KMUs verfügen meist nicht über genug Personal, um einen eigenen Virtualisierungsspezialisten zu beschäftigen, daher bevorzugen KMUs eine einfach zu verwaltende Plattform. Da sich KMUs nicht mit der Infrastruktur auseinandersetzen wollen, muss Nutanix ihnen eine so einfach wie mögliche Management-Oberfläche zur Verfügung stellen.

Michael Stump: Von physischen zu virtuellen Silos

Wettbewerb ist auch im Markt für Virtualisierung höchst willkommen. Nutanix muss keine einzige Acropolis-Appliance verkaufen, um seinen Punkt klar zu machen: Die Management-Funktionen von vSphere haben mit Kundenerwartungen, Einfachheit und Performance nicht mehr wirklich Schritt gehalten. Auch der unwillkommene Wechsel weg vom vSphere Desktop Client hin zum Web Client wird immer mehr zum Problem.

Nutanix hat den Ruf, bestimmte Dinge forscher als andere anzugehen, und hier ganz einfach seine Chance erkannt, mit VMware gleichzuziehen. Vielen Marktbeobachtern war klar, dass ein eigener Nutanix-Hypervisor unausweichlich war, aber die einfache Migration von vSphere zu Acropolis kam auf jeden Fall äußerst überraschend.

Als Reaktion darauf sollte sich VMware darauf konzentrieren, Administration und Verwaltung seines Flagschiff-Produktes wieder einfach nutzbar zu machen. Der Fokus sollte wieder mehr in Richtung Usability gehen. Warum setzen so viele Administratoren nach wie vor lieber den in C# geschriebenen Desktop Client ein, und wechseln nur für die Aufgaben zum Web Client, für die sie zwingend müssen? Und nachdem Nutanix Storage und Hypervisor nicht separat anbietet, vielleicht sollte VMware vSAN einfach endlich zu einem Bestandteil von vSphere Enterprise Plus machen?

Anfangs war Virtualisierung die Abstraktion von Storage, Netzwerk und physischer Server-Hardware. Ironischerweise verkauft VMware inzwischen separate Lösungen in jedem dieser Bereiche. Statt physischer gibt es nun eben virtuelle Silos, indem Storage, Server und Netzwerke jetzt isolierte Software-Produkte sind. VMware bietet diese Ressourcen als separate Produkte an, Nutanix als einzelne Lösung.

Mike Preston: Hat Nutanix noch etwas in der Hinterhand?

Auch wer Acropolis bisher noch nicht aus eigener Erfahrung kennt wird zugeben müssen: Was man darüber liest klingt vielversprechend. Stellt Acropolis eine Bedrohung für VMware dar? Das kommt wohl darauf an, von welchem Geschäftsbereich innerhalb VMwares man spricht.

Rein auf den Hypervisor bezogen ist Acropolis sicherlich keine Gefahr für VMware, schon gar nicht was die kurzfristige  Kundenbasis betrifft. Es ist absolut unwahrscheinlich, dass VMware-Kunden in großer Zahl von ESXi hin zu einem KVM-basierten Hypervisor migrieren.

Bei Neukunden mag das aber anders aussehen. Hier könnte alles auf einen Preis- und Funktionsvergleich hinauslaufen. Es gibt allerdings zum Beispiel mit Scale Computing ja bereits andere Unternehmen, die ebenfalls ähnliche Funktionen auf Basis von KVM anbieten. Vor allem bei KMUs und in Zweigstellen besteht also definitiv ein Markt für KVM-basierte hyper-konvergente Produkte. Acropolis passt in diese Szenarien gut hinein.

Worüber sich VMware aber tatsächlich Sorgen machen sollte ist die Frage, wie sich Acropolis beim Thema Management präsentiert. Acropolis arbeitet sehr stark Anwendungs-zentriert und geht einen Schritt weit von virtuellen Maschinen und Containern weg. Obwohl es natürlich noch immer viel Raum für ausgiebige Management-Funktionen auf VM-Level gibt, scheint Nutanix hier noch etwas in der Hinterhand zu haben. Am Ende des Tages ist es eben die Applikation, die für Unternehmen die größte Rolle spielt, weniger die Hardware.

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Artikel wurde zuletzt im August 2015 aktualisiert

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