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Managed Private Cloud und Container sind die Zukunft von OpenStack

Auf dem OpenStack Summit in Boston zeigte die Community, wo die Zukunft von OpenStack liegt: In Container-basierten Bereitstellungen und Managed Private Clouds.

Rund um OpenStack ist kürzlich eine heftige Debatte darüber entflammt, wie erfolgreich das Cloud-Framework tatsächlich ist und in welche Richtung es sich entwickelt – wenn es denn überhaupt eine Zukunft gibt, denn auch das wird durchaus bezweifelt. Die Erschütterungen dieser Fundamentalkritik haben es bis ins Herz der OpenStack-Community geschafft, immerhin sah sich Scott Crenshaw, Senior Vice President bei Rackspace, zu einem vielbeachteten Blog-Post genötigt, in dem er vehement jeglichen „Fakenews“ rund um OpenStack widerspricht.

Und selbst Jonathan Bryce, Executive Director der OpenStack Foundation, nahm das Thema während seiner Keynote auf dem OpenStack Summit in Boston auf: Schon 2013 hätten Medienberichte OpenStack totgesagt, mit Blick auf die aktuelle OpenStack User Survey sei diesen Unkenrufen zum Trotz aber ein jährliches Wachstum an OpenStack-Installationen um 44 Prozent entgegenzusetzen. „Es ist inzwischen eine Art Hobby geworden, OpenStack schlechtzureden“, so Jonathan Bryce.

Entsprechende Spekulationen über den Gesundheitszustand des OpenStack-Ökosystems kommen aber natürlich nicht aus dem Nichts, immerhin gab es in den vergangenen Monaten ausreichend Gründe, sich über die Zukunft von OpenStack Gedanken zu machen. Wie so oft im Leben lassen sich die Fakten aber in beide Richtungen interpretieren.

Drei Gründe für den Abgesang auf OpenStack

Nachdem HPE jahrelang eine eigene OpenStack-Distribution für seine Helion-Plattform aufgebaut hatte, wurde Ende November 2016 der Verkauf aller OpenStack-Assets an SUSE bekanntgegeben. SUSE übernahm damit zum Beispiel auch alle OpenStack-Entwickler von HPE was eine deutliche Vergrößerung des SUSE-Fußabdrucks im OpenStack-Ökosystem zur Folge hatte.

Die OpenStack-Komponente von HPE Helion besteht damit inzwischen aus SUSEs OpenStack-Distribution, ein für beide Seite vorteilhaftes Übereinkommen: HPE konnte sich so der schwierigen OpenStack-Entwicklung entledigen, kann mit SUSE OpenStack Cloud seinen Kunden aber nach wie vor ein komplettes Helion-Angebot anbieten, während SUSE einen direkten Zugang zum HPE-Verkaufskanal erhalten hat.

Wer will, der kann aber auch die negative Seite sehen: Immerhin fehlt dem OpenStack-Ökosystem damit der große Player HPE. Offensichtlich war HPE der Aufwand zur Pflege einer eigenen OpenStack-Distribution zu hoch.

Schon im September 2016 verkündete Mirantis die geplante Übernahme von TCP Cloud und damit gleichzeitig auch eine Kehrtwende seiner Produktpolitik: Statt auf eine eigene OpenStack-Distribution inklusive Installer-Tool Fuel konzentriert sich Mirantis seitdem auf OpenStack als Managed Service. Die Folge dieser Umstrukturierung war eine größere Entlassungswelle, was ebenfalls zu Spekulationen zum Engagement von Mirantis in der OpenStack-Community führte.

Das Ergebnis ist die jetzt auf dem OpenStack Summit Boston von Boris Renski, CMO bei Mirantis, in der Keynote angepriesene Mirantis Cloud Platform (MCP), die Unternehmen eine im eigenen Rechenzentrum vollständig von Mirantis verwaltete OpenStack-Umgebung zur Verfügung stellt. Ist dies nur Ausdruck einer zunehmenden Reife im OpenStack-Markt? Oder doch das Eingeständnis, dass OpenStack für die meisten Unternehmen schlicht zu komplex zu installieren und zu betreiben ist?

Im April 2017 machte schließlich die Meldung die Runde, dass sich Intel aus dem zusammen mit Rackspace betriebenen OSIC (OpenStack Innovation Center) zurückgezogen habe. Das OSIC diente der OpenStack-Community bis dahin als Test- und Entwicklungsplattform zur Verbesserung von OpenStack. Inzwischen, so Mark Collier, COO der OpenStack Foundation, sei das Infra-Team aber bereits in sechs weiteren Clouds integriert, was ein „Leben ohne OSIC“ mit „minimalem Einfluss auf den Entwicklungsprozess“ möglich mache.

Vor allem das abrupte Ende des OSIC schürte aber Spekulationen darüber, wie Ernst Intel sein OpenStack-Engagement nehme, auch wenn Intel selbst ein weiter hohes Engagement im OpenStack-Ökosystem ankündigte. Intel war und bleibt „Headline Sponsor“ des OpenStack Summit und war in dieser Funktion auch Teil der Keynote des Boston-Summit, was mit immerhin 200.000 US-Dollar zu Buche schlägt.

Zudem kündigte Intel auch an, seine jährliche Hausmesse IDF einzustellen, was die Interpretation nahelegt, dass es Intel hierbei vor allem um Kostensenkungen und weniger um ein Ende des OpenStack-Engagements geht. Trotzdem bleibt der Fakt, dass Intel seine OpenStack-Initiative deutlich zurückgefahren hat.

Es ist inzwischen eine Art Hobby geworden, OpenStack schlechtzureden.
Jonathan BryceOpenStack Foundation

So oder so bieten alleine diese drei Beispiele aus den letzten Monate Zweiflern genug Anhaltspunkte, um den Abgesang auf OpenStack einzuläuten. Fügt man dem die anhaltende Kritik an der hohen Komplexität von OpenStack gerade bei Installation und Upgrades sowie die häufig bemängelte Skalierbarkeit hinzu, dann wird verständlich, warum Jonathan Bryce und Mark Collier in Keynote und Pressekonferenz eher gereizt auf diese Thematik reagierten.

Als Teilnehmer des Presseprogramms gewann man jedenfalls schnell den Eindruck, die OpenStack Foundation gehe nach wie vor besonders offensiv mit diesem Thema um, obwohl auch die Größe des diesjährigen Frühlings-Summits mit erneut mehr als 5.000 Teilnehmern und mehr als 100 Sponsoren durchaus für den Erfolg des Cloud-Frameworks spricht.

Wie auch immer man zum aktuellen Zustand von OpenStack steht, eines ist auf dem Boston Summit mehr als deutlich geworden: OpenStack steht vor einem erneuten Umbruch, zukünftig werden vor allem Managed Services und Container-basierte Bereitstellungen von OpenStack dominieren. 

Von Do-it-Yourself zu kommerziellen OpenStack-Distributionen

Trotz einer Entwicklungszeit von mittlerweile sieben Jahren und ganzen 14 Releases darf im Umgang mit OpenStack nicht vergessen werden, dass es sich dabei noch immer um eine eigentlich recht junge Technologie handelt. OpenStack gilt erst seit wenigen Versionen als tatsächlich reif für den Einsatz in Produktivumgebungen, entsprechend zieht OpenStack erst jetzt allmählich immer mehr Interesse seitens Unternehmen auf sich, die den Schritt in die Private Cloud auf Open-Source-Basis wagen wollen.

In den Anfangstagen war OpenStack über den Open-Source-Quellcode lediglich im Do-it-Yourself-Verfahren nutzbar, ganz so, als würden Unternehmen ihre eigene Linux-Distribution kompilieren. In diese Lücke preschten aber schnell Unternehmen wie SUSE, Mirantis oder Red Hat vor, die abgesicherte und getestete Enterprise-Versionen von OpenStack mit kommerziellen Support anboten. Die Installation entsprechender Enterprise-Distributionen soll bis heute über Installer-Tools wie Dell Crowbar (SUSE), Mirantis Fuel oder Red Hat Director (als kommerzielle Ausprägung des Upstream-Projektes TripleO) erleichtert werden.

Erst seit kurzem versprechen Anbieter kommerzieller OpenStack-Distributionen zudem vollständig unterstützte In-Place-Upgrades bestehender OpenStack-Installationen. Bis dahin war ein Versions-Upgrade meist mit der kompletten Neuinstallation der OpenStack-Cloud verbunden – was aufgrund der schnellen Release-Zyklen von nur sechs Monaten eines der am häufigsten nachgefragten Features kommender OpenStack-Versionen war.  

OpenStack als Managed Private Cloud

Mittlerweile scheinen sich sowohl die DIY-Methode als in gewisser Weise auch die OpenStack-Nutzung im Distributionsmodell als nicht praktikabel genug für die breite Mehrheit an Unternehmen erwiesen zu haben. OpenStack ist zu komplex, um quasi nebenher bereitgestellt und verwaltet zu werden, also bedarf es einschlägiger Spezialisten, die aber äußerst rar und dementsprechend teuer sind.

Aus der Community ist daher vermehrt von einem mittlerweile deutlich reiferen OpenStack-Markt zu hören, in dem sich das Nutzungsmodell von DIY und Distribution wegbewegt und hin zur verwalteten Private Cloud entwickelt. Ausdruck fand diese Entwicklung in der Keynote von Jonathan Bryce, der auf die im OpenStack Marketplace neu aufgenommene Kategorie Remotely Managed Private Cloud hinwies.

Demnach sei die Industrie bisher durch die von ihm so kategorisierte Private Cloud der ersten Generation geprägt, die als Reaktion auf die fehlenden Funktionen der Public Cloud groß wurde. Seiner Interpretation folgend wollte mit OpenStack eine wachsende Community in der Private Cloud liefern, wozu die Public Cloud damals nicht im Stande war. Diese erste Generation der Private Cloud, so Bryce weiter, habe mit Technologieproblemen und einem Mangel an Fachkräften zu kämpfen. Wir bewegen uns also im Bereich von Do-it-Yourself-Ansätzen und Distributionen.

Nun ist laut Bryce aber ein Wandel festzustellen, der für ihn zur Private Cloud der zweiten Generation führt: Nicht mehr nur Technologieunternehmen interessieren sich für OpenStack, sondern Firmen aller Branchen. Im Mittelpunkt stehen hier nicht mehr Technologieprobleme und Fachkräftemangel, sondern die Notwendigkeit zu veränderten IT-Prozessen und einer neuen Unternehmenskultur. Gemeint, wenn auch nicht explizit angesprochen, sind hier DevOps- und Cloud-Native-Szenarien.

Damit verweist Jonathan Bryce auf den bestehenden Trend hin zu Managed OpenStack, den Unternehmen wie Rackspace begründet haben. John Engates, CTO bei Rackspace, zeigt sich daher sichtlich erfreut darüber, dass die OpenStack Foundation dieses Service-Modell jetzt so prominent ins Rampenlicht stellt: „Die ganze Idee von Private Cloud as a Service, von OpenStack als Remotely Managed Service – Rackspace betreibt seine OpenStack-Produkte bereits seit Jahren auf diese Weise!“ Für Rackspace-Kunden wie General Electrics, deren Anwendungsfall ebenfalls während der Keynote geschildert wurde, bedeutet dies laut John Engates, dass sie keine OpenStack-Experten mehr sein müssen, um OpenStack nutzen zu können.

Der OpenStack-Markt bewegt sich für ihn vor allem deshalb weg von Distributionen und dem DIY-Ansatz, weil Managed OpenStack einfach für die meisten Unternehmen der richtige Ansatz sei: „Die meisten Unternehmen wollen IT-Services konsumieren, aber keine eigene IT-Infrastruktur betreiben. Das macht ja auch die große Anziehungskraft der Public Cloud aus. Die Private Cloud gibt uns im eigenen Rechenzentrum oder in Colocation inzwischen ähnliche Funktionen, aber erst eine Managed Private Cloud entbindet Unternehmen von der Verpflichtung, die eigene Cloud auch betreiben zu müssen.“

„Für uns“, so sein Resümee, „sieht die Zukunft von OpenStack sehr gut aus – weil wir auf dem richtigen Weg sind.“ Wenn im nächsten Nebensatz ein Verweis auf die Red Hat OpenStack Platform (RHEL OSP) folgt, die seit kurzem auch als Managed Service von Rackspace erhältlich ist, dann kann man dies durchaus als indirekte Kritik an OpenStack-Anbietern deuten, die zwar Distributionen, aber keinen Managed Service anbieten. Zwar braucht man natürlich auch für Managed OpenStack-Services darunterliegende Distributionen, aber, so John Engates, „vermutlich doch weniger als noch in den Anfangstagen von OpenStack, in denen fast jeder eine eigene Distribution anbot.“

Die Distribution ist für ihn lediglich ein Zwischenschritt zwischen Quellcode (also DIY-Ansatz) und Managed Service: „Anbieter von Distribution geben einem die Software und unterstützen mit Patches und Security-Updates, meist auch bei der Installation. Spätestens beim Betrieb von OpenStack steht man dann aber wieder alleine da.“

Von Mirantis OpenStack zur Mirantis Cloud Platform

Im OpenStack-Ökosystem kann man diese Entwicklung von Distribution hin zu Managed OpenStack kaum deutlicher als am Beispiel von Mirantis sehen. Auch Mirantis war bis vor kurzem vor allem mit einer eigenen OpenStack-Distribution inklusive Installer-Tool Fuel auf dem Markt präsent. Geld, so Mirantis-Gründer und CMO Boris Renski, verdient man auf diese Weise „vor allem mit SLAs auf Software: Kunden kaufen Support-Subscriptions und erhalten anschließend Patches, Security-Updates und Support-Leistungen bei Problemen mit der Infrastruktur.“

Die Veränderung im IT-Markt führt Boris Renski auf den Siegeszug der Public Cloud zurück: Unternehmen seien es von der Public Cloud inzwischen einfach gewohnt, IT als Service zu konsumieren. Immer mehr Unternehmen versuchen demnach, den tatsächlichen Betrieb auch von Private-Cloud-Umgebungen auszulagern. Dieser Trend hat sich laut Boris Renski auch bei Mirantis-Kunden bemerkbar gemacht, weshalb in den letzten Monaten die Entscheidung getroffen wurde, die bestehenden Support-Level um ein vollständig von Mirantis verwaltetes OpenStack-Angebot zu erweitern.

Für die neue Mirantis Cloud Platform (MCP) wurde die bisher verwendete OpenStack-Distribution grundlegend umgearbeitet. Das große Problem mit OpenStack-Distributionen, erklärt Boris Renski, ist der Update-Prozess: „Üblicherweise wird alle sechs Monate eine neue OpenStack-Version veröffentlicht, die Distributionsanbieter dann schnellstmöglich in ihr Produkt integrieren müssen, um dann wiederum ihren Kunden ein Update mit neuen Funktionen anbieten zu können. In der Cloud muss das aber schneller gehen.“ OpenStack wird oft für den schnellen sechsmonatigen Release-Zyklus kritisiert, aber nur sehr selten werden diese sechs Monate wie von Boris Renski als zu lange angesehen.

Genau hier setzt die Mirantis Cloud Platform an: OpenStack muss als Private Cloud wie das große Vorbild der Public Cloud alle paar Wochen Updates und Verbesserungen für einzelne Services und Funktionen bieten, so Boris Renski, und nicht alle sechs Monate einfach eine neue Version bereitstellen. Nur dann könne die Private Cloud genauso erfolgreich sein, wie es die Public Cloud schon ist. Daher setzt die Mirantis Cloud Platform auf eine DevOps-Plattform mit CI/CD-Pipeline (Continuous Integration/Continuous Delivery), die im Rhythmus weniger Wochen das inkrementelle Aktualisieren einzelner OpenStack-Services ermöglicht.

Damit wird die Komplexität allerdings nur auf eine tiefere Ebene verlagert, immerhin müssen Mirantis-Kunden so zunächst eine eigene DevOps-Plattform aufbauen. Aus diesem Grund ist die Mirantis Cloud Platform nur als Managed Service erhältlich, bei dem sich Mirantis um DevOps-Basis und OpenStack kümmert, und Kunden ohne operativen Betrieb direkt die Services der Managed Private Cloud nutzen können. Zukünftig, so Boris Renski, soll die DevOps-Basis der Mirantis Cloud Platform auf eine Container-Infrastruktur umgestellt werden – was uns zum zweiten wichtigen Zukunftsszenario für OpenStack führt.

OpenStack-Container oder Container-OpenStack?

Schon seit mehreren OpenStack-Versionen (etwa mit Newton und Ocata) konzentriert sich die Community auf OpenStack-Module, die den Einsatz der Container-Virtualisierung innerhalb von OpenStack erleichtern sollen. Egal ob  Kolla, Kuryr, Zun, Fuxi oder Magnum, mittlerweile stehen OpenStack-Anwendern für die meisten Probleme beim Ausführen containerisierter Applikationen auf Basis von OpenStack entsprechende Module zur Verfügung.

Was auf dem OpenStack Summit in Boston aber neu prominent ins Rampenlicht gerückt wurde, ist die Möglichkeit zur Bereitstellung von OpenStack als Container. Es geht also nicht mehr nur um Container innerhalb von OpenStack, sondern um OpenStack als Anwendung, die in Microservices zerlegt über verschiedene Container bereitgestellt und verwaltet wird.

Anfangs haben wir die CI/CD-Pipeline für jeden Kunden individuell aufgebaut, so kann man aber keine kritische operative Infrastruktur betreiben. Heute gibt es endlich die nötige Standardisierung der Open-Source-Tools.
Boris RenskiMirantis

Gerade für Cloud-Administratoren, so Jeff Jameson, Manager OpenStack & Cloud Infrastructure Product Marketing bei Red Hat, ergebe sich dadurch ein großer Vorteil. Zwar können Bereitstellung und Konfiguration von OpenStack mittlerweile einigermaßen stabil und einfach durchgeführt werden, gerade das tägliche Management der Cloud-Infrastruktur sei aber immer noch enorm komplex. Mit containerisierten OpenStack-Services, so Jeff Jameson weiter, lässt sich aber ein gänzlich neues Lifecycle-Management von OpenStack betreiben.

OpenStack eignet sich für ihn ideal als Container-Workload, da die Software bewusst modular als Serie von Microservices entwickelt wurde und über den Industriestandard von REST APIs kommuniziert. Container-Management-Tools wie Kubernetes oder OpenShift, Red Hats kommerzielle Ausprägung von Kubernetes, könnten diese einzelnen OpenStack-Services dann ganz einfach wie reguläre Container-Workloads verwalten und orchestrieren.

Das Ergebnis, so Jeff Jameson weiter, sind wesentliche Erleichterungen bei In-Place-Upgrades und Aktualisierungen von OpenStack, während gleichzeitig sofort verfügbare Rollbacks möglich sind. Letztendlich werden so Abhängigkeiten unter einzelnen OpenStack-Modulen isoliert, was auch die Gefahr systemweiter Konflikte reduziert.

In die gleiche Richtung argumentiert auch Boris Renski von Mirantis: „Als wir vor sechs Jahren anfingen, haben wir die CI/CD-Pipeline für jeden Kunden individuell aufgebaut, so kann man aber keine kritische operative Infrastruktur betreiben. Jeder Kunde hatte andere Wünsche, einer will Puppet nutzen, ein anderer Chef, letztlich hat jeder einen anderen Weg, den Continuous-Delivery-Teil abzudecken.“

Mit Blick auf den aktuellen OpenStack-Markt sieht er inzwischen einen weitaus höheren Grad der Standardisierung, und Container und Kubernetes seien ein elementarer Bestandteil davon. „Vor sechs Jahren gab es diese Möglichkeit der Standardisierung noch nicht. Heute kann man die Control Plane von OpenStack auf Container aufsetzen und über Kubernetes orchestrieren, während weitere Open-Source-Tools wie JFrog als Artifact Repository oder Jenkins als CI/CD-Pipeline integriert werden.“ Noch sei Mirantis zwar noch nicht soweit, die Mirantis Cloud Platform komplett auf Container auszuführen, die Entwicklung in diese Richtung laufe aber auf Hochtouren.

Auch Red Hat arbeitet laut Jeff Jameson mit Hochdruck daran, die Container-basierte Bereitstellung in das auf TripleO basierende Installer-Tool Red Hat Director zu integrieren. Im Einklang mit der Upstream-TripleO-Entwicklung soll Red Hat Director hierfür in mehreren Phasen Stück für Stück um Container-Funktionen erweitert werden.

Eine erhöhte Komplexität der OpenStack-Bereitstellung erwarten dabei weder Red Hat noch Mirantis. Letztlich würden ja bestehende Tools wie Puppet oder Chef durch Kubernetes abgelöst. „Man darf bei OpenStack auf Basis von Kubernetes nicht den Fehler machen, in Schichten zu denken und Kubernetes als neue, zusätzliche Schicht zu sehen“, so Boris Renski. „Im Grunde werden hierbei nur bisher verwendete Deployment-Tools durch ein neues ersetzt – auf das sich aber die ganze Industrie zu einigen scheint.“

Der OpenStack-Markt wird reifer – und verändert sich

Der OpenStack-Markt ist also deutlich reifer geworden und zieht jetzt auch Unternehmen an, deren Geschäftsmodell nicht mehr nur primär in der IT zu suchen ist. Mit dem Siegeszug der Public Cloud verändert sich aber auch der IT-Markt generell, da Unternehmen immer mehr Gefallen an der Nutzung von IT-Services finden, ohne sich um den tatsächlichen Betrieb der Infrastruktur kümmern zu wollen.

Dieser Trend hin zu „Consume vs. Operate“ hat seinen Ursprung in der einfachen Nutzungsweise der Public Cloud, verändert jetzt aber eben auch immer mehr die Herangehensweise an die Private Cloud. Für OpenStack bedeutet dies, dass eine erfolgreiche Zukunft in Managed OpenStack liegen wird, egal ob Remotely Managed im Kundenrechenzentrum oder gehostet in der Virtual Private Cloud eines Service-Providers. Begünstigt wird diese Entwicklung schließlich durch die anhaltend hohe Komplexität von OpenStack, derer sich IT-Abteilung durch die Nutzung extern verwalteter OpenStack-Umgebungen entledigen können.

Die hohe Komplexität ist es auch, die als zweiten zukunftsträchtigen Weg von OpenStack eigentlich nur die Bereitstellung als containerisierte Microservices übrig lässt. Wer aus Compliance- oder Sicherheitsgründen keine verwaltete Lösung in Anspruch nehmen kann oder groß genug ist, um die Kostenvorteile einer selbst aufgebauten und verwalteten Private Cloud nutzbar zu machen, der dürfte zukünftig auf die Container-basierte Bereitstellung und Verwaltung von OpenStack setzen.

Auf jedem OpenStack Summit kommen wir zusammen und sprechen darüber, OpenStack einfacher zu machen. Ich glaube nicht, dass OpenStack je einfach sein wird.
John EngatesRackspace

Durch die Container-Orchestrierung mit Kubernetes lassen sich so einzelne Services in kürzester Zeit aktualisieren, modifizieren oder austauschen, ohne dabei die gesamte OpenStack-Umgebung stilllegen zu müssen. Bisher kamen hierfür Tools zur Konfigurationsverwaltung zum Einsatz, für die in mühsamer Kleinarbeit Skripte und Runbooks erstellt werden mussten. Kubernetes und Container versprechen hier durch eine wesentlich weitergehende Automatisierung Effizienzvorteile bei Lifecycle-Management und Day-2-Operations.

Managed OpenStack oder Container-basierte Bereitstellung – neben diesen beiden Alternativen wird es aber auch zukünftig immer wieder Versuche geben, die Komplexität von OpenStack anderweitig zu reduzieren. So ist beispielsweise auch der Markt für vorkonfigurierte OpenStack-Appliance noch nicht am Ende, wie eine von Kontron und Ubuntu zusammen entwickelte Appliance zeigt, die auf dem OpenStack Summit in Boston vorgestellt wurde. Der große Teil an OpenStack-Bereitstellungen dürfte zukünftig aber einer dieser beiden Optionen zuzurechnen sein.

Dabei, so Rackspace-CTO John Engates, sei es ja nicht per se OpenStack, was die Komplexität verursache, sondern die Cloud. Eine Cloud im eigenen Rechenzentrum zu betreiben werde also immer eine hohe Komplexität mit sich bringen, unabhängig von der konkreten Technologie. Der Hoffnung auf einfache OpenStack-Bereitstellungen erteilt er eine klare Absage: „Auf jedem OpenStack Summit kommen wir zusammen und sprechen darüber, OpenStack einfacher zu machen. OpenStack entwickelt sich aber immer weiter und wächst, was zusammen mit alten Komplexitäten immer wieder neue hinzufügt. Ich glaube nicht, dass OpenStack je einfach sein wird.“

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Artikel wurde zuletzt im Juni 2017 aktualisiert

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