tiero - Fotolia

KMUs und die Wahl zwischen lokalen Cloud-Anbietern und Hyperscalern

Kein Zweifel, Amazon und Google beherrschen den Cloud-Markt. Für viele Unternehmen sind aber kleinere oder regionalere Cloud Provider oft attraktiver.

Der Enterprise-Markt konzentriert sich zunehmend auf eine Handvoll Hyperscale-Cloud-Provider mit umfassenden Diensten und sehr ansprechender Preisgestaltung. Andererseits sind diese Technologiegiganten nicht unbedingt in der Lage, auch kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) die Schnelligkeit und Intensität an Support-Leistungen zu bieten, die zur optimalen Nutzung einer Cloud erforderlich sind.

Kleinere Cloud-Anbieter haben daher durchaus eine Berechtigung am Markt und erfahren dort auch einigen Zuspruch – ein Trend, der Marktforschern zufolge so schnell nicht abebben wird.

„Der Markt wird von den vorherrschenden Mega-Anbietern Microsoft Azure, AWS (Amazon Web Services), Google und IBM vor allem in Hinblick auf Skalierung, globale Reichweite und der Anzahl angebotener Dienste bespielt“, erklärt Dave Bartoletti, Principal Analyst bei Forrester Research in Cambridge.

Doch deren Angebote treffen nicht zwingend den Bedarf aller Interessenten. Die Migration von Workloads in die Cloud zum Beispiel verlangt spezifische Kenntnisse. Nicht anders ist es bei der Entscheidung, wie Ressourcen zwischen Cloud und lokalen Plattformen vor Ort verwaltet und abgesichert werden können. Kleinere Unternehmen werden von den Hyperscale-Cloud-Providern keine nennenswerte Hilfe erwarten können, gleichzeitig aber nur ungerne größere Investitionen in die eigene IT-Abteilung tätigen wollen.

An diesem Punkt kommen die kleineren Cloud-Anbieter ins Spiel.

Das Wichtigste sind für Unternehmen, die sich kleineren Cloud-Providern anvertrauen, weniger die SLAs (Service Level Agreement), auch wenn das sicherlich wichtig ist. Entscheidender aber ist, wie Ressourcen bereitgestellt werden können oder ein Problem mit einer bestimmten Anwendung gelöst werden kann. Davon zumindest ist Richard Villars überzeugt, der als Vice President of Data Center and Cloud für das Analystenhaus IDC in Framingham arbeitet.

Seiner Aussage nach „geht es eher um Anliegen, die ein Eingreifen durch Menschen erfordern.“

Außerdem könnten sich einige Unternehmen mit Betrieben in bestimmten geografischen Regionen kleinere Cloud-Provider vor Ort suchen, um Latenzzeiten zu reduzieren. Zudem benötigen Unternehmen, die eine gewisse Stabilität ihrer Anwendungen in Bezug auf deren Wachstum haben, weniger den Bedarf der flexiblen Elastizität eines Hyperscale-Cloud-Providers. Damit wird die kleinere oder lokale Cloud zu einer praktischen Alternative.

Warum einen kleineren Cloud-Provider wählen?

Es gibt laut Villars viele kleinere Anbieter, gerade unter der ersten Generation der Internet Service Provider, die längst Cloud-Anbieter geworden sind, oder sich in diese Richtung entwickeln.

„Einige bieten bereits Cloud-Dienste an, weitere könnten das tun. Doch zunächst müssen sie den Übergang in das Modell der Cloud bewerkstelligen, das sich in Design und SLAs von ihrem bisherigen Geschäftsmodell unterscheidet“, fährt er fort. Diese Provider müssten unter Umständen auch ihre Mechanismen zu Privatsphäre, Sicherheit und Controlling anpassen.

Einen kleineren Cloud-Provider mit solchen Fähigkeiten zu finden ist aber, gerade außerhalb von Ballungsräumen, womöglich gar nicht so einfach. „In Europa und einigen weiteren Teilen der Welt verfügen Reseller oft über einen Hintergrund als Managed Service Provider (MSP), womit sie für den Übergang zum Cloud-Provider gut aufgestellt sind“, so Villars. Im Gegensatz dazu hätten sich Reseller in den USA eher auf Hardware konzentriert, womit ihnen nun die Erfahrung im Anbieten von Diensten fehle: „In den USA ist die Auswahl des richtigen Hosting-Partners damit deutlich schwerer.“

Mittelgroße Unternehmen sollten zuerst nach Cloud-Anbietern oder Partnern Ausschau halten, die mehr als nur grundlegende Infrastrukturangebote aufweisen. „Partner sollten Experten in mehreren Geschäftsbereichen oder -funktionen sein, sei es mit einem Microsoft- oder Oracle-Portfolio oder in irgendeinem anderen Bereich, der für das jeweilige Unternehmen von Wert ist“, empfiehlt Villars.

Die Rolle von MSPs im Cloud-Bereich

Für viele Unternehmen gibt es weitere Alternativen. Zum Beispiel könnte eine mittelgroße Firma enge Beziehungen zu mehreren MSPs unterhalten, die fachspezifische Expertisen in vertikalen Märkten wie dem produzierenden Gewerbe oder der Finanzbranche haben.

„Auch der MSP kann womöglich die Rolle des Cloud-Providers übernehmen“, erklärt Dave Bartoletti, Principal Analyst bei Forrester Research.

Tatsächlich haben einige MSPs bereits Angebote im Cloud-Bereich aufgebaut, die Anwendern die bedarfsgerechte Nutzung und Abrechnung von Infrastruktur ermöglicht. Der Analyst meint: „Wenn Sie gut mit Ihrem MSP zusammenarbeiten, warum nicht darauf aufbauen?“

Der nächste Blick sollte dann der Frage gelten, ob der fragliche Service-Provider oder Hosting-Partner unterschiedliche Optionen vom simplen Speicherplatz bis hin zu umfassenden verwalteten Diensten anbietet. Denn für den Übergang in die Cloud benötigen Unternehmen oft die unterschiedlichsten Technologiekombinationen. Viele Firmen nutzen beispielsweise noch Legacy-Anwendungen, die vor 20 Jahren programmiert wurden und noch immer in Betrieb sind. Andere Bereiche der Anwendungslandschaft sind dagegen vielleicht viel besser für einen Umzug in die Cloud geeignet. Jedes dieser Szenarien bedarf einer spezifischen Expertise.

Schließlich sollten kleinere Cloud-Provider hochgradig professionell mit den örtlichen Kommunikations- und Netzanbietern zusammenarbeiten. Damit ist sichergestellt, dass Änderungen im Routing oder anderen Netzwerkfunktionen vorgenommen werden können, die womöglich Hindernisse für eine erfolgreiche Migration in die Cloud darstellen könnten.

Insgesamt aber, so Bartolettis Erkenntnis, böten Provider der zweiten oder dritten Ebene vielen Unternehmen oft „den schnelleren Weg in die Cloud“ im Vergleich zu Hyperscale-Cloud-Providern. Diese kleineren Provider bieten meist auch zusätzliche Leistungen im Bereich der Beratung oder der Personaldienstleistung an, und könnten bei der Adaption zukunftsträchtiger Technologien unterstützen.

„Wenn Sie in die Cloud wollen, aber weder Container noch Microservices kennen, so sollten sie sich einem Partner mit entsprechenden Fachkenntnissen anvertrauen“, schließt Bartoletti seine Empfehlung ab.

Folgen Sie SearchDataCenter.de auch auf Twitter, Google+, Xing und Facebook!

Artikel wurde zuletzt im August 2017 aktualisiert

Pro+

Premium-Inhalte

Weitere Pro+ Premium-Inhalte und andere Mitglieder-Angebote, finden Sie hier.

Erfahren Sie mehr über Public-Cloud-Infrastruktur

Diskussion starten

Schicken Sie mir eine Nachricht bei Kommentaren anderer Mitglieder.

Mit dem Absenden dieser Daten erklären Sie sich bereit, E-Mails von TechTarget und seinen Partnern zu erhalten. Wenn Ihr Wohnsitz außerhalb der Vereinigten Staaten ist, geben Sie uns hiermit Ihre Erlaubnis, Ihre persönlichen Daten zu übertragen und in den Vereinigten Staaten zu verarbeiten. Datenschutz

Bitte erstellen Sie einen Usernamen, um einen Kommentar abzugeben.

- GOOGLE-ANZEIGEN

SearchSecurity.de

SearchStorage.de

SearchNetworking.de

SearchEnterpriseSoftware.de

Close