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Interview mit VMware zur Cloud-Partnerschaft mit AWS

VMware Cloud on AWS soll noch im Sommer 2017 verfügbar sein. Wir haben Mark Lohmeyer, Vice President für VMwares Cloud-Plattform, zum Interview gebeten.

VMware und AWS haben im vergangenen Jahr eine Partnerschaft bekanntgegeben, in deren Zuge das neue Produkt VMware Cloud on AWS als umfassende Hybrid Cloud die Kundenbasis beider Unternehmen zusammenführen soll.

Selbst fast ein Jahr nach der Ankündigung gibt es allerdings nur einige wenige Kunden, während die meisten Firmen noch Antworten auf die Fragen suchen, wie das neue Cloud-Angebot funktioniert, was es kosten wird und wann es tatsächlich großflächig verfügbar ist. Beide Unternehmen bleiben bei ihrer Aussage einer generellen Verfügbarkeit „im Sommer 2017“, die kommende VMworld 2017 Ende August könnte hierfür aber die perfekte Bühne bieten.

Mark Lohmeyer, Vice President Products, Cloud Platform Business Unit bei VMware, sprach mit TechTarget über die Partnerschaft mit AWS, den Veröffentlichungszeitpunkt und über die Bedeutung für AWS- und VMware-Kunden.

Jedes neue Produkt ist eine Reaktion auf Kundenanforderungen. Was führte also zur AWS-Partnerschaft und zur VMware Cloud on AWS?

Mark Lohmeyer: Viele unserer Kunden kamen zu uns und sagten, sie wollten eine engere Partnerschaft zwischen ihrem bevorzugten Private-Cloud-Partner VMware und ihrem Public-Cloud-Partner AWS. Bisher waren unsere Kunden gezwungen, sich in gewisser Weise zwischen diesen beiden Welten zu entscheiden. Entweder man fokussiert sich auf die VMware-Umgebung, bekommt dann aber Probleme, die vollen Vorteile von AWS zu realisieren, oder man konzentriert sich mit ähnlichen Folgen auf den AWS-Teil. Unsere Kunden wollten diese Entscheidung nicht mehr treffen müssen, sie wollten vielmehr eine tiefere Partnerschaft zwischen VMware und AWS sehen, die eine Lösung für dieses Problem hervorbringt und die Vorteile beider Welten vereint.

Mit VMware Cloud on AWS bringen wir ganz einfach gesagt den kompletten VMware-Stack mit vSphere, vSAN und NSX über Compute, Storage und Netzwerk als Cloud-Service auf AWS-Bare-Metal-Instanzen. Bare Metal bedeutet dabei, dass wir selbst unseren ESX-Hypervisor direkt auf Bare-Metal-Hardware betreiben, es handelt sich dabei also nicht um eine Art Nested, also verschachtelte Virtualisierung. Alle Vorteile, die Kunden heute von lokalen ESXi-Installationen erhalten, werden sie auch auf Basis der Bare-Metal-Instanzen auf AWS haben.

Genauso wichtig wie der Bare-Metal-Teil ist aber auch die Elastizität. Über eine API kann mehr Kapazität angefragt werden, die innerhalb von Minuten bereitsteht. Die Abrechnung erfolgt stundengenau und bedarfsgerecht, und natürlich bezahlen Kunden nur, was sie auch tatsächlich nutzen. Das ist einer der wichtigsten Teile bei dieser Zusammenführung der Vorteile beider Welten: Unser Software-Stack auf elastischer Bare-Metal-Infrastruktur von AWS.

Administratoren können dabei vorhandene Tools und Technologien nutzen, um die ganzen VMware-Funktionen nicht nur in lokalen Bereitstellungen zu verwalten, sondern auch in einem flexiblen Cloud-Modell auf AWS, was für viele Unternehmen ja die primäre Public-Cloud-Plattform ist. Die Vorteile dieser Kombination werden von vielen unserer Kunden wahrgenommen. Damit bietet sich ein Pfad, über den das Investment in lokal installierte Tools und Produkte auch in der Public Cloud zur Geltung kommt. Und wenn Kunden Workloads auf VMware Cloud on AWS ausführen, bringt das tatsächlich noch mehr Elemente unseres Software-Stacks zusammen, weil jeder genutzte Workload die Vorteile unseres Software-Stacks realisiert.

Wo liegt eigentlich der größte Unterschied zwischen VMware Cloud on AWS und der Cloud-Partnerschaft mit IBM?

Lohmeyer: In beiden Fällen bringen wir die Vorteile unseres Software-defined Data Center (SDDC), also Produkte wie vSphere, vCenter und NSX, auf die jeweilige Partnerplattform. Der größte Unterschied dabei ist, dass VMware Cloud on AWS ein VMware-Produkt ist, also von VMware verkauft und mit Support versorgt wird. Wir betreiben den Service. Kunden kaufen und nutzen den Service inklusive Support über VMware. Hinter den Kulissen arbeiten wir eng mit AWS zusammen, um dies zu realisieren. Die IBM-Partnerschaft dagegen ist ein IBM-Produkt, das von IBM verkauft und mit Support versorgt wird. In diesem Fall wenden sich Unternehmen also an IBM, um das Produkt zu kaufen, zu nutzen und Support zu erhalten.

Welche Management-Möglichkeiten wird es für VMware Cloud on AWS geben?

Lohmeyer: Mit Blick auf das Management gibt es einige Dinge, über die wir sprechen sollten. Erstens setzt VMware Cloud on AWS auf vCenter als zentrale Management-Schicht. Es gibt weltweit hunderttausende IT-Administratoren, die vCenter zur Verwaltung ihrer lokalen VMware-Umgebung nutzen. Sie alle werden in der Lage sein, die vCenter-Funktionen auch in der Cloud nutzen zu können.

Zweitens arbeiten wir weiter daran, unsere vSphere-Plattform und auch vCenter selbst zu erweitern, um in hybriden Umgebungen neue Funktionen zu ermöglichen. Eine dieser neuen Funktionen nennt sich Hybrid Linked Mode, mit dem sich mehrere vCenter-Instanzen verbinden lassen, die dann eine gemeinsame Kontrollschicht darstellen. Kunden können dabei vCenter in der AWS-Cloud mit einer lokalen vCenter-Instanz verbinden. In der Management-Oberfläche von vCenter sieht man dann im linken Bereich eine Übersicht aller Ressourcen: die eigenen Data Center, die Hosts, Cluster und virtuellen Maschinen. Dabei macht diese Übersicht keinen Unterschied, ob etwa die Cluster im eigenen Rechenzentrum oder in der AWS-Cloud laufen. Tatsächlich kann man diese Ressourcen in der VMware Cloud on AWS genauso verwalten wie Cluster im eigenen Data Center.

Eine weitere neue Funktion wäre Elastic DRS. Distributed Resource Scheduler (DRS) ist eine sehr beliebte Funktion zum Ressourcen-Management für unsere Kunden, um in lokalen VMware-Umgebungen Workloads über Cluster oder Hosts auszubalancieren. So lässt sich die Auslastung der zugrundeliegenden Hardware optimieren, während die darauf ausgeführten Anwendungen ohne Unterbrechung weiterlaufen. Fügt man dem Cluster aber immer mehr Workloads hinzu, dann wird man irgendwann unweigerlich an Kapazitätsgrenzen stoßen und neue Hardware hinzufügen müssen. Genauso ist es oft nicht ganz so einfach, einen Cluster auch wieder zu verkleinern.

Mit Elastic DRS können VMware-Kunden zukünftig Richtlinien vorgeben, über die bei einer vorher festgelegten Auslastung automatisch ein neuer Host in AWS aufgesetzt wird, um den Cluster und die Workloads neu auszubalancieren. Verringert sich die Auslastung wieder, dann kann der Cluster genauso automatisch wieder verkleinert werden, womit man für den extra Host natürlich auch nicht mehr bezahlt. Hierfür sind keinerlei Anpassungen der Anwendungen nötig. Kunden definieren lediglich die Anforderungen der Applikation und VMware skaliert die AWS-Kapazität automatisch hoch oder runter. Dieser Ansatz bietet Unternehmen eine große Agilität und Vorteile bei den Gesamtkosten.

Welches Feedback haben Sie zum Beta-Programm bisher erhalten?

Lohmeyer: Wir haben derzeit etwa 50 Kunden und Partner, die am Beta-Programm teilnehmen – dabei gab es über 1.000 Partner und Kunden, die gerne teilgenommen hätten! Was die Teilnehmer als besonders positiv hervorheben ist der einfache und schnelle Start. Man navigiert einfach zur Web-Konsole von VMware Cloud on AWS und sagt, was man will. Gerade diese Einfachheit bei Nutzung, Provisioning und Konfiguration gefällt unseren Kunden.

Die zweite Sache, die oft genannt wird, ist der neue HTML5-Client. Er ist schnell, er ist modern und er erfüllt die Kundenerwartungen. Dabei gibt es keine Lernkurve, weil es das gleiche vCenter ist, das unsere Kunden kennen und lieben.

Als eine weitere Sache integrieren wir eine Chat-Funktion in den Service. Damit können Kunden während der Nutzung des Cloud-Services in Echtzeit mit einem VMware-Mitarbeiter kommunizieren, womit mögliche Fragen direkt beantwortet werden können.

Welche Verbesserungen an der Architektur ermöglichen die einfache Nutzung, die Sie gerade beschrieben haben?

Lohmeyer: Wir haben eine neue Webkonsole entwickelt, über die Kunden den Service kaufen und bereitstellen können. Sie ist brandneu und von Grund auf für die Cloud entwickelt. Kunden wählen damit ganz einfach aus, in welcher AWS-Region der Service ausgeführt werden soll, wie viele Hosts bereitgestellt werden sollen und welches Abrechnungsmodell zugrunde gelegt werden soll, also etwa stündlich je nach Bedarf und Nutzung.

Die Arbeit, die zwischen VMware und AWS erledigt wird, um VMware-Funktionen direkt auf der elastischen Bare-Metal-Hardware auszuführen, wird tatsächlich hinter den Kulissen durchgeführt. Nehmen wir an, ein Kunde möchte vier Hosts in der AWS-Region US-West Oregon auf stundenbasierter On-Demand-Abrechnung ausführen, dann würde er hierfür die entsprechenden Optionen in der VMware on AWS Konsole auswählen und sobald er auf Go klickt kommen wir ins Spiel und stellen die entsprechende VMware-Infrastruktur bereit.

Erfolgt die Bereitstellung dann genauso schnell wie bei herkömmlichen AWS-Instanzen?

Lohmeyer: Ja. Die Idee dahinter sieht vor, den Vorgang genau wie bei AWS komplett automatisiert und bedarfsgerecht durchzuführen. Wenn es sich aber um einen Neukunden von VMware Cloud on AWS und um dessen erste Instanz handelt, dann dauert die Bereitstellung wohl so um die zwei Stunden, was immer noch wesentlich schneller ist als im eigenen Rechenzentrum. Ab diesem Zeitpunkt wird das Hinzufügen oder Entfernen von Hosts, was unserer Meinung nach die häufigste Tätigkeit sein dürfte, nur noch wenige Minuten Zeit in Anspruch nehmen.

Bisher gab es immer wieder unterschiedliche Zeitangaben zur Verfügbarkeit von VMware Cloud on AWS. Manchmal wurde „Sommer 2017“ genannt, manchmal einfach „Mitte 2017“. Können Sie schon genaueres zur allgemeinen Verfügbarkeit sagen?

Lohmeyer: Wir sind auf einem guten Weg für die allgemeine Verfügbarkeit noch im Sommer 2017. Der Rest sind nur semantische Unterschiede, wenn unterschiedliche Personen über den gleichen Veröffentlichungszeitraum reden. Wir haben auch bisher schon sehr einheitlich den Sommer 2017 kommuniziert und daran halten wir nach wie vor fest.

Es gibt Berichte, wonach AWS zusammen mit VMware an Software für lokale Rechenzentren arbeitet. Können Sie über Details hierzu oder zu einer Ausweitung der Partnerschaft mit AWS sprechen?

Lohmeyer: Wir können Gerüchte und Spekulationen nicht kommentieren.

Anmerkung der Redaktion: Auch AWS wurde um ein Interview zum Thema gebeten, antwortete aber nicht auf die Interviewanfrage.

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Artikel wurde zuletzt im August 2017 aktualisiert

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