DaaS, XenDesktop und XenApp: Der neue Citrix-Geschäftsführer im Interview

Rakesh Narasimhan ist Vize-Präsident bei Citrix. Im Interview spricht er über seine zukünftige DaaS-Strategie.

Die Desktop-Virtualisierungs-Technologien, in die IT-Abteilungen viel Geld investiert haben, ändern sich sehr schnell. Wie diese Tools in Zukunft aussehen werden, hängt zum Großteil von Marktführern wie Citrix und VMware ab.

Bei beiden Unternehmen gab es kürzlich Änderungen in der Geschäftsführung. VMware hat dabei zwei leitende Angestellte von Citrix abgeworben. Dazu gehört auch Vize-Präsident und Geschäftsführer von Citrix Desktop und Apps, Bob Schultz, um die Strategie für End-Anwender auszuweiten. Dieser Schritt gilt als Anerkennung für die Citrix-Technologien bei Desktop und Applikationen.

Als Ersatz für Schultz hat Citrix Rakesh Narasimhan eingestellt. Er ist ein unternehmerischer System-Techniker mit einer langen Vorgeschichte bei Microsoft. Er hat 15 Jahre lang als Geschäftsführer bei Microsofts Server- und Tools-Abteilung gearbeitet. Dabei hat Narasimhan unter anderem an Microsoft Azure, Windows Server und Client, Virtualisierung und Security gearbeitet. In der jüngeren Vergangenheit war er als CEO bei InstallFree beschäftigt. Die Firma bietet Microsoft-Apps als Cloud-basierten Abonnement -Service für jedes Gerät an. Das Unternehmen wurde im Dezember 2012 von WatchDox akquiriert.

 

Rakesh Narasimhan

In diesem Beitrag diskutieren wir mit Rakesh Narasimhan die Einflüsse von virtuellen Desktops und Applikations-Tools, wie man gegen Amazon im Hinblick auf DaaS (Desktop as a Service) konkurrieren kann und was für die Entwicklung von Citrix XenDesktop und XenApp in den nächsten Jahren geplant ist.

Sie sind als Microsoft-Geschäftsführer als CEO zu einer Firma gewechselt, die es Anwendern gestattet, Microsoft-Anwendungen von jedem Browser auf jedem Gerät laufen zu lassen. Ich schätze mal, dass Microsoft damit nicht sehr glücklich war.

Rakesh Narasimhan: (Lacht) Ich würde nicht sagen, dass ihnen das nicht gefallen hat …

Wenn Sie ein großes Business betreiben, können Sie die direkte Blicklinie zu den Anwendern verlieren. Ich habe persönlich verschiedene Ideen für die Software-Entwicklung durchgespielt und mich dabei immer wieder gefragt: „Ist das für den Anwender überzeugend?“ Firmen verlieren bei einem Entwicklungszyklus dann und wann den Bezug zu diesem Thema.

Nun kenne ich diverse Risiko-Kapitalanleger und die hatten ein Problem, das Sie gelöst haben wollten. Nachdem wir uns berieten und Vorschläge austauschten, haben Sie mir die Gelegenheit gegeben, mich an der Lösung zu versuchen. Daraus entstand die kleine Firma InstallFree, die für die Nutzererfahrung eine große Auswirkung haben könnte.

Microsoft versuchte, das Lizenzmodell verständlich zu halten und wir haben uns rechtlich im Rahmen der SPLA-Lizenzierung (Services Provider License Agreement) bewegt. Allerdings hatten wir Probleme, Anwender zu skalieren und auch die dafür benötigte Zeitspanne war ein Problem. WatchDox fehlte es an den Leistungsmerkmalen, die wir hatten. Aus diesem Grund war die Akquisition eine sinnvolle Heirat.

Sehen Sie eine Zukunft, in der das Betriebssystem Windows oder generell Betriebssysteme obsolet geworden sind?

Narasimhan: Wer kann das schon sagen, ich bin kein Hellseher. Der Markt für Desktops und Anwendungen jedenfalls wird weiter bestehen bleiben. Immer wieder schreiben Leute „XYZ ist tot“. Allerdings passiert nichts dergleichen einfach über Nacht. Außerdem gehen solche Aussagen davon aus, dass Microsoft und andere Firmen keine Veränderungen vornehmen oder Innovationen einfließen lassen würden.

Es gibt zwei Zielgruppen: Die eine erstellt Inhalte und Desktops, die für den Markt notwendig sind. Der Markt für diese Zielgruppe ist lebendig und wächst. Dann gibt es den Consumer-Markt. Die Nachfrage nach Tablets von Apple und Google explodiert förmlich und genau da passiert derzeit gerade eine Menge. Aber die gemeinsame Verwendung und der sichere Zugriff auf Desktops sind weiterhin erforderlich. Der Bedarf an Desktops und Anwendungen wird nicht weniger werden. In unserer Zeit brauchen Menschen einen Desktop, aber die Eigendynamik des Mediums „Mobile“ wird bestehen bleiben.

Citrix hat eine symbiotische Beziehung mit Microsoft. Welche Erfahrung haben Sie mit dem neuen CEO, Satya Nadella, gemacht? Welchen Einfluss wird es auf die Beziehungen zwischen Citrix und Microsoft haben, wenn jemand aus dem Cloud-Business die Firma leitet?

Narasimhan: Er ist ein fantastischer Typ mit einem hohen IQ und ein Freund klarer Entscheidungen. Die Firma hat damit eine hervorragende Wahl getroffen. Er ist sich über die Veränderungen in der Branche sehr deutlich bewusst. Wir haben heutzutage großartige Beziehungen zu Microsoft und werden auch weiterhin mit der Firma zusammenarbeiten. Es gibt viele Chancen, um gemeinsam an Dingen zu arbeiten, zudem haben wir ähnliche Partner. In der hybriden Cloud-Geschichte sehen wir für uns großes Potenzial.

Man erwartet von Microsoft, einen eigenen Windows-as-a-Service anzubieten. Was wird Citrix mit seinen DaaS-Angeboten machen, wenn diese Vermutung eintrifft?

Narasimhan: Wir haben über diese Möglichkeit schon nachgedacht. Wir existieren in einer Branche, in der solche Situationen nicht selten sind. Ich weiß nicht viel über Mohoro, so der Code-Name für dieses Projekt. Aber es könnte eine gemeinsame Chance sein. Ich werde mich mit Brad Anderson (Microsofts Vize-Präsident für Windows Server und der System Center Group) hinsichtlich dieses Themas kurzschließen.

Citrix bietet Windows-as-a-Service durch eigene Partner an. Allerdings ist dieses Angebot als eher teure Option bekannt. Tatsächlich verwendet Amazon Citrix XenDesktop-Technologie in seinem Kosten-Modell „VDI gegen DaaS“, um zu zeigen, um wie viel günstiger Amazon Workspaces ist. Dort behauptet man, die Ersparnis liege bei 56 Prozent. Gibt es seitens Citrix Interesse, eine kostengünstigere DaaS-Option anzubieten?

Narasimhan: Wir werden weiterhin einen tollen Premium-Service anbieten, weil wir die bessere Performance haben. Allerdings werden wir natürlich auf den Markt reagieren und sicherstellen, dass unserer Partner diese Leistungsmerkmale auch dauerhaft optimal liefern können.

Konkurrenten wie Amazon und was Sie anbieten (Windows Server-basiertes DaaS) gibt es schon eine ganze Weile. Die Presse hat ihnen viel Aufmerksamkeit geschenkt, aber das Konzept ist nicht neu. Wir können das ebenfalls anbieten und das gilt auch für unsere Partner.

Die philosophischen Unterschiede zwischen uns und einigen Wettbewerbern liegen doch aber in der Herangehensweise, die wir an den Tag legen. Bei DaaS verlassen wir uns zu 100 Prozent auf unsere Partner und wir stehen vollkommen hinter der Idee, einen Desktop-Service von der Cloud aus zu liefern. Der Markt lässt sich aber nun einmal nicht mit einem Universalkonzept abfackeln. Ein vielfältiges Angebot an Lösungen ist wichtig.

DaaS lässt sich einfacher einsetzen als VDI und es gibt keine Investitionskosten, die man vorab hat. Gemessen am Umstand, dass virtuelle Desktops so viel Aufmerksamkeit bekommen, inwiefern haben da Server-gehostete VDI-Produkte wie XenDesktopund VMware View eine Chance?

Narasimhan: Es wird weiterhin verschiedene Szenarien geben. Die Frage ist, wie viel Inhalte weiterhin von einem PC geliefert werden und wie viel entwickelt wird, um auf einem Desktop zu laufen? Meiner Meinung nach brauchen Anwender Zugriff auf Apps und Menschen wollen unabhängig vom verwendeten Gerät und vom jeweiligen Standort produktiv sein.

Können Sie uns einen Einblick auf die Fahrpläne von XenDesktop und XenApp geben?

Narasimhan: Wir werden uns weiterhin darauf konzentrieren, was wir in XenDesktop und XenApp 7.5 bereitgestellt haben. Das sind Einfachheit und Verfügbarkeit. Damit wollen wir sicherstellen, dass wir Desktops und Geräte mobil machen können.

Wir adressieren einfache Handhabung und Kosteneffizienz. Bei DaaS wollen wir gar kein Universalkonzept anbieten. Wir werden auch weiterhin sicherstellen, dass XenDesktop sowohl über die Cloud als auch lokal funktioniert.

Sie werden auch sehen, dass wir mit Nachdruck versuchen, die Kosten für Anwendungen und die Komplexität zu reduzieren. Nutzer wollen auf Ihre Anwendungen von Mobilgeräten aus zugreifen und dabei aber keine Abstriche machen. Früher war das ein nettes Zusatz-Feature, heutzutage ist es ein Muss. Das ist genau der Bereich, an dem wir arbeiten.

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Artikel wurde zuletzt im Juli 2014 aktualisiert

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