Container statt Hypervisor: Trends für den Virtualisierungsmarkt 2016

Hypervisoren werden unwichtiger, Container und die Private Cloud gewinnen an Bedeutung: Die Trends der Server-Virtualisierung 2016.

Das Jahr 2015 klang mit einem regelrechten Paukenschlag aus, als Dell die Übernahme von EMC bekanntgab, was eine...

der größten Akquisitionen im IT-Markt werden dürfte. Auch wenn es für eine Bewertung der Folgen dieser Übernahme für VMware noch zu früh ist, kann man klar feststellen, dass die Server-Virtualisierung gerade an einem Scheideweg angekommen ist.

Container-Virtualisierung und immer ausgereiftere Cloud-Technologien wie OpenStack lassen Fragen rund um Hypervisoren und Server-Virtualisierung immer weiter in den Hintergrund treten. Tatsächlich könnte es gut sein, dass wir irgendwann auf das Jahr 2015 zurückblicken und feststellen, dass Hypervisoren und die Server-Virtualisierung in diesem Jahr endgültig zum Massenprodukt geworden sind.

In einer guten alten Tradition wurde das Advisory Board von SearchServerVirtualization.com nach einem Ausblick auf das gerade erst begonnene Jahr 2016 befragt und danach, wie sich die Server-Virtualisierung in den nächsten Monaten entwickeln wird.

Brian Kirsch

Im vergangenen Jahr konnte man deutlich einen wesentlich geringeren Fokus auf Hypervisor-Technologie feststellen. Das heißt aber natürlich nicht, dass der Hypervisor weniger wichtig für die Virtualisierung wäre, aber das gesamte Ökosystem rund um die Virtualisierung erhält derzeit einfach wesentlich mehr Aufmerksamkeit als die Virtualisierung an sich. Vorbei sind die Zeiten, in denen man sich noch mit Monster-VMs und ausufernden Rechten beschäftigte, jetzt verschiebt sich der Fokus wesentlich stärker in Richtung Portabilität, Management und  Automatisierung.

VMwares EVO-Produktlinie hyper-konvergenter Infrastrukturlösungen hat weiterhin mit Akzeptanzproblemen zu kämpfen, während Nutanix weiter wächst. Nutanix erweitert seine Partnerschaft mit anderen Anbietern abseits von Dell – da wird VMware zusammen mit Dell eine neue EVO-Appliance auf den Markt bringen müssen, um im Bereich hyper-konvergenter Hardware weiter relevant zu bleiben. Mit Dells Serverhintergrund und der Erfahrung aus der Zusammenarbeit mit Nutanix könnte eine neue EVO-Lösung das Juwel werden, auf das VMware von Anfang an gehofft hatte.

2015 lag auch ein großer Fokus auf Software-defined Networking (SDN) und Container-Technologie, das dürfte sich 2016 noch weiter intensivieren. DevOps-Prozesse halten immer mehr Einzug in die heutigen Data Center, wodurch IT-Abteilungen einen neuen und fordernden internen Kunden bedienen müssen. Im Gegensatz zum derzeitigen Trend hin zu Containern hat sich der Hype rund um OpenStack ein bisschen gelegt. Das heißt zwar nicht, dass OpenStack 2016 keine Rolle spielen wird, aber Container werden für IT-Abteilungen sicherlich der wichtigere Trend sein.

Der Überraschungsgast in Sachen Container wird 2016 Microsofts Nano Server sein, der sich zwar nach wie vor im Stadium einer Technical Preview befindet, aber schon jetzt enorm vielversprechend aussieht. Zum jetzigen Zeitpunkt hat er aber noch mit einigen Einschränkungen zu leben, beispielsweise gibt es weder Unterstützung für das .NET Framework noch für das Remote-Management per PowerShell. Dier Server-Core-Bereitstellung von Windows Server wurde mit der Zeit immer nützlicher, als die Unterstützung auf Anwendungsseite immer größer wurde und letztlich auch Tools mit grafischer Benutzeroberfläche zum Remote-Management veröffentlicht wurden. Man wird sehen müssen, ob das Gleiche auch für Nano Server gilt.

Wenn man über Microsoft spricht, dann ist auch ein Verweis auf die nötige Hilfe beim Hyper-V-Networking nötig. Cisco schien mit seiner ACI-Technologie stets eher auf massive Data-Center-Hardware fokussiert, statt sich dediziert um Software-defined Networking zu kümmern. Eine Partnerschaft von Cisco und Microsoft könnte mit einem verbesserten Hyper-V-Networking zu einer veritablen Alternative für vSphere und der NSX-Plattform führen. Cisco könnte sich auch stärker im Markt für hyper-konvergente Systeme engagieren, zum Jahreswechsel kamen erste Berichte über eine Übernahme des Start-ups Springpath auf. Betrachtet man aber den harten Start von VMware EVO:Rail, kann man nur hoffen, dass sich Cisco in diesem Bereich eher zurückhält.

Je mehr Details der Dell-EMC-Übernahme bekannt werden, umso mehr stellt sich die Frage, ob VMware weiterhin eine disruptive Kraft im Virtualisierungsmarkt bleiben kann oder zu einem etablierten, aber auch saturierten Player wird. Dell könnte sehr leicht einen bremsenden Effekt ausüben, selbst wenn dies gar nicht beabsichtigt ist.

Maish Saidel-Keesing

2016 wird das Jahr werden, in dem wir aufhören über die Server-Virtualisierung zu reden, und nur noch über die Cloud sprechen werden. Inzwischen sind wir an einem Punkt, an dem die Cloud zur Normalität geworden ist und jeder irgendeine Form der Cloud nutzt, egal ob Private, Public oder Hybrid Cloud.

2016 wird auch als Beginn der Container-Explosion in Erinnerung bleiben. Die Anzahl an auf Container-Virtualisierung spezialisierten Start-ups wird enorm steigen, das ganze Ökosystem und auch die technischen Möglichkeiten werden wachsen, was letztlich die Einführung von Container-Technologie in immer mehr Unternehmen zur Folge haben wird.

Zu den Auswirkungen der Dell-EMC-Übernahme kann man tatsächlich noch nicht viel sagen, wahrscheinlich wird es noch mehr als ein Jahr dauern, bis hier erste Anzeichen erkennbar sind. So oder so wird aber auch 2016 auf jeden Fall ein äußerst spannendes Jahr werden. Der IT-Markt  ist ständigen Veränderungen unterworfen, und wir tun gut daran, uns dem immer wieder anzupassen.

Rob McShinsky

In 2016 werden viele Trends aus 2015 fortgeführt werden, darauf kann man sich im IT-Bereich regelrecht freuen. Auf Hypervisor-Seite dürfte Hyper-V nur langsam Marktanteile dazugewinnen. Mit Windows Server 2016 und einem mit Blick auf neue Funktionen eher gemächlichen Update auf EXSi 6 wird sich der Hypervisor-Konkurrenzkampf zwischen Microsoft und VMware weiter abkühlen, da hier im Großen und Ganzen mittlerweile eine gewisse Funktionsgleichheit besteht. Die Unterstützung seitens Drittanbieter für Hyper-V und VMware wird aber natürlich weiter steigen.

Der Konkurrenzkampf im Hypervisor-Markt hat sich mittlerweile zu einer Diskussion über die besten Private-, Public- oder Hybrid-Cloud-Angebote gewandelt. Entsprechend werden Cloud-Anbieter mit einem Migrationspfad von On-Premise-Ressourcen zur Public Cloud auch 2016 steigende Marktanteile verzeichnen können. Sinkende Preise und ein einfacheres Management werden zudem zu einer stärkeren Nutzung der Private Cloud führen.

Andere Technologien, die nicht im direkten Zusammenhang mit der Server-Virtualisierung stehen, werden ebenfalls weiter wachsen und eine breitere Grundlage für die Virtualisierung schaffen. Zwei hardwarebasierte Technologien, die 2016 zum Mainstream werden dürften, sind SSD-Storage und hyper-konvergente Infrastrukturprodukte. SSD-Festplatten gibt es schon eine Weile, aber erst jetzt erscheint der großflächige Einsatz durch ein annehmbares Verhältnis von Preis und Kapazität möglich.

In dem Maße, in dem Virtualisierung zur De-facto-Infrastruktur im Data Center wird, wird die Virtualisierungsplattform auch zur geschäftskritischen Komponente und muss eine ausreichende Performance und Redundanz bieten. Daher dürfte hyper-konvergente IT zur grundlegenden Hardwarebasis für viele kleinere und mittlere Unternehmen werden. Alleine das Engagement von großen Hardwareanbietern wie Dell und HP Enterprise zeigt, dass hier neben den kleineren Start-ups noch viel Potenzial gesehen wird.

Welche Trends bringt 2016 noch?

Container waren auch 2015 schon eines der großen Hype-Themen. Windows-Server-Container und Hyper-V-Container dürften 2016 einen großen Teil der Aufmerksamkeit bekommen, auch wenn wirkliche Anwendungsfälle und die großflächige Einführung wohl 2016 noch nicht erwartet werden können.

Die Cloud-Nutzung wiederum dürfte durch zunehmende Sicherheitslücken gebremst werden. Gerade bei virtuellen Umgebungen wird man also viel über neue Sicherheitsfunktionen wie zum Beispiel virtuellen TPM-Chips (Trusted Platform Module) hören.

Folgen Sie SearchDataCenter.de auch auf Twitter, Google+ und Facebook!

Artikel wurde zuletzt im Januar 2016 aktualisiert

Pro+

Premium-Inhalte

Weitere Pro+ Premium-Inhalte und andere Mitglieder-Angebote, finden Sie hier.

Erfahren Sie mehr über Microsoft Hyper-V

0 Kommentare

Älteste Beiträge 

Passwort vergessen?

Kein Problem! Tragen Sie Ihre E-Mail-Adresse unten ein. Wir werden Ihnen eine E-Mail mit Ihrem Passwort schicken.

Ihr Passwort wurde an die folgende E-Mail-Adresse gesendet::

- GOOGLE-ANZEIGEN

SearchSecurity.de

SearchStorage.de

SearchNetworking.de

SearchEnterpriseSoftware.de

Close