50 Jahre Mainframe – auf immer und ewig?

Oft schon totgesagt, ist der Mainframe weiter präsent. Aber das nicht nur wegen der Technologie. Genauso wichtig: die Monopolsituation von IBM.

IBM hat es sich nicht nehmen lassen, das 50-jährige Jubiläum des Mainframe groß zu feiern. Dabei war weniger von...

den wirklichen Leistungen dieses Urgesteins der IT-Geschichte die Rede, sondern von den vielen Kunden, die man (noch immer) auf diesem Felde habe und von der glorreichen Zukunft. Marketing pur war angesagt. Das könnte schon ein wenig stutzig machen.

Dem Konzern IBM ist es in der Tat gelungen, bei den Großrechnern (Mainframes) ein Quasi-Monopol aufzubauen. Spricht man mit IBM-Leuten, wird in der Regel auf die überragende, konkurrenzlose Technologie hingewiesen und darauf, dass man als Unternehmen ein besonders enges Verhältnis zu den Kunden habe. So wird Andreas Thomasch, „zLeader DACH“ bei IBM, nicht müde, im Gespräch mit SearchDataCenter diesen Punkt zu betonen. Er spricht aber weniger davon, dass die meisten Mainframe-Kunden gar keine andere Wahl haben, als an den einmal getätigten Investitionen festzuhalten. Das hat mehrere Gründe:

  • Erstens ist es dem Konzern gelungen, durch massive Entwicklungsetats andere Mainframe-Anbieter wie Amdahl, Unisys, Hitachi oder Fujitsu fast komplett vom Markt auszuschließen. In Deutschland ist im Prinzip nur noch Fujitsu mit einigen BS-2000-Installationen im öffentlichen Sektor präsent.
  • Zweitens lohnen sich für IBM weitere Investitionen in die Hard- und Software-Technologie der Großrechner, solange die Profite aus diesem Bereich so exorbitant hoch sind. Offizielle Zahlen gibt es nicht, aber unter Analysten und Beobachtern der Szene spricht man von 30 bis 40 Prozent Gewinnmarge bei den Mainframes. Manchmal ist sogar zu hören, dass es auch 30 bis 40 Prozent vom gesamten IBM-Profit sein könnten. Diese Position wird ein Unternehmen so lange verteidigen, wie es eben geht.
  • Drittens laufen sehr viele Alt-Anwendungen auf dem IBM-Mainframe, die häufig noch zu Cobol-Zeiten entwickelt wurden. Sie auf andere Plattformen zu übertragen, würde einen sehr hohen Aufwand erfordern, den man erst einmal unterlässt. Was sich aber schon bald ändern könnte, auch deshalb, weil Cobol-Spezialisten allmählich aussterben.
  • Viertens gibt es praktisch keinen einzigen Mainframe-Kunden, der seine IT ausschließlich auf dieser Plattform laufen lässt. Überall gibt es ein buntes Sammelsurium von x86-, Unix-, Linux-oder Supercomputing-Infrastrukturen, neben denen der Großrechner nur noch einer unter vielen ist.
  • Fünftens sind bestehende Mainframe-Kunden keine kleinen Fische, sondern sind sich ihrer Position durchaus bewusst. Die Verhandlungen mit dem Monopolisten IBM verlaufen in vielen Fällen entsprechend hart – von beiden Seiten aus.

Skepsis vom Anwenderstandpunkt aus

Die GSE Deutschland, Mitglied der Guide Share Europe (GSE), gilt allgemein als Interessenvertretung der Mainframe-User hierzulande. Viele Banken, Versicherungen, Hersteller der Automobilbranche und andere große Unternehmen nehmen an ihren Arbeitskreisen und den Jahresversammlungen teil. Letzteres allerdings mit abnehmender Tendenz. Das wird auch keineswegs von dem aktuellen „Region Chairman“ Frank Wondrak bestritten. Die GSE, so Wondrak, habe sich von einer mehr repräsentativen zu einer auf IT-Themen fokussierten Organisation geändert. Die eigentliche Verbandsarbeit finde heute in den Arbeitskreisen statt, die auch zu einem intensiven Networking zwischen den Teilnehmern beitragen.

GSE, Frank WondrakDer deutsche Landeschef der GSE, Frank Wondrak, betrachtet die Zukunft des Mainframe differenziert.

Der GSE-Chef Deutschland ist sich durchaus der Monopolstellung von IBM bei den Mainframes bewusst. Die Mainframe-Technologie bleibt für Unternehmen so lange interessant, glaubt Wondrak, wie sie Anwendungen betreiben müssen, die Legacy-Charakter besitzen. Das betreffe typischerweise Banken, Versicherungen oder Teile des öffentlichen Dienstes. Es handelt sich um Software, die mitunter über 40 Jahre alt und so wesentlich für den Geschäftsbetrieb ist, dass man sie nicht so einfach loswerden könne. Und er fügt hinzu: Wo SAP keine oder erst spät Anwendungen offeriert habe, hat man es meistens noch mit einem Mainframe zu tun.

Dies sei die Faktenlage. Kein Widerspruch dazu sei es, dass die Mainframe-Technologie nun einmal sehr ausgereift und sicher sei sowie über eine hohe I/O-Performance verfüge – typischerweise geeignet für klassische Transaktionssysteme wie Datenbanken usw. Das System Mainframe funktioniere nach dem Motto “relativ wenig rechnen, dafür viele Datentransaktionen“. Umgekehrt können x86-Systeme sehr schnell rechnen, sind dafür aber langsamer beim Wegschreiben und Holen von Daten. Risc-oder Unix-Systeme gehen –verkürzt gesagt – eine Art Mittelweg.

Insofern hat die Mainframe-Architektur noch immer einen Stammplatz bei den Datentransaktionen – hier ist man sehr schnell im Vergleich zu konkurrierenden Architekturen. Aber auch das kann sich ändern, zum Beispiel bei Ansätzen im Supercomputing mit ihren Clustern aus Standard-Servern. IBM selbst hat versucht, das Mainframe-System mit x86- und Linux-Elementen zu verbinden, um das Entweder-Oder der klassischen Architekturen aufzuheben. Bis jetzt hat das, so Wondrak, noch nicht besonders zufriedenstellend geklappt, da der Mainframe wegen der (monopolistischen) Preisgestaltung von IBM mit relativ hohen Betriebskosten belastet ist.

Wie offen die Zukunft dieser Architektur ist, bleibt abzuwarten. Neue Kunden gibt es fast keine. Wondrak selbst gibt dem Mainframe in seiner aktuellen Ausgestaltung noch eine Lebensdauer von höchstens fünf Jahren.

 

Artikel wurde zuletzt im Juni 2014 aktualisiert

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2 Kommentare

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An 5 Jahre Restlebenszeit des Mainframes glaube ich auf keinen Fall. Das hat man auch schon 1985, 1995 zur Jahr 2000 Umstellung und auch im neuen Jahrtausend immer wieder gebetsmühlenartig gesagt. Die Performance, die Datensicherheit, die Zuverlässigkeit, sowie der mittlerweile relativ geringe Personalaufwand für die entsprechende Leistung , selbst bei den angeblich so hohen HW und Software Kosten ist unschlagbar. Der GSE Vorsitzendende sollte sich mit der U(nter)30 Arbeitsgruppe des Mainframes einmal austauschen. Denn hier sieht man, dass mehr und mehr Unternehmen wieder junge Mitarbeiter an diese Plattform heranführen (Anmk des Verf. ich bin kein IBM-Mitarbeiter, sondern seit Mitte der 80er in dieser IT-Sparte aktiv.
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Zu dem BS2000 Statement möchte ich anfügen, dass diese Server nicht nur in Deutschland im Bereich Government, sondern auch in verschiedenen anderen Sektoren, wie Banken und Versicherungen "am Leben sind", und dies über ganz Europa verteilt.
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