Studie von Emerson Network Power: Die Data-Center-Branche blickt in die Zukunft

Energieeffizienz und Management sind laut Emerson zwei große zukünftige Problemfelder des Data Centers. Aber auch altbekanntes plagt die Branche.

In der kürzlich vorgestellten Studie Data Center 2025: Exploring the Possibilities sucht Emerson Network Power eine Antwort auf die Frage nach der Zukunft des Rechenzentrums. Zu diesem Zweck wurden u.a. über eine Online-Umfrage mehr als 800 Antworten aus der Branche gesammelt, die einen umfassenden Einblick in die Befindlichkeiten der Data-Center-Industrie gewähren.

Durch die immer stärkere Verlagerung von Workloads in virtualisierte oder Cloud-Umgebungen leidet vor allem in großen Data Centern die Übersicht über die eigenen IT-Ressourcen. Daher verwundert es auch nicht, dass laut Emerson Network Power spätestens seit 2007 in erster Linie Monitoring und Infrastruktur-Management im Data Center eines der Top-Themen der Branche ist. Konkret erwarten 67 Prozent der für die aktuelle Studie Befragten, dass bis zum Jahr 2025 mehr als 60 Prozent aller Workloads bereits in der Cloud liegen werden. Zusätzlich werden mit steigendem Grad der Virtualisierung auch immer mehr Workloads automatisiert.

Emerson Network Power Studie Data Center 2025

 

Beides führt letztlich zu einem gesteigerten Bedürfnis nach neuen Management- und Monitoring-Tools: Laut Emerson-Studie gehen lediglich drei Prozent der Befragten davon aus, dass sich das Management im Rechenzentrum in den kommenden Jahren nicht verändern wird. Alle anderen rechnen mit teils radikalen Veränderungen, angefangen bei der absoluten Sichtbarkeit aller Prozesse auf allen Ebenen im Data Center bis zur automatisierten Selbstoptimierung oder gar Selbstheilung der IT-Systeme.

Der Markt für Data Center Infrastructure Management steht noch ganz am Anfang

Auch auf der Datacentres Europe 2014 (DCE 2014) Ende Mai in Monaco, einem der größten europäischen Branchen-Treffs zum Thema, war die fehlende Übersichtlichkeit über eigene IT-Ressourcen ein oft gehörtes Problem: Wer sein Data Center in einem Mix aus Public, Private oder Hybrid Cloud zusammen mit Software-definierten Virtualisierungslösungen für Storage, Networking oder Data-Center-Komponenten betreibt, der verliert nur zu schnell den Überblick über Zustand, Lage und physischem beziehungsweise virtuellem Standort seiner Hard- und Software.

Aus dieser Perspektive scheint der Markt für DCIM-Lösungen (Data Center Infrastructure Management) noch ganz am Anfang zu stehen. Für Siemens jedenfalls verspricht der DCIM-Markt langfristig ein zu großes Wachstum, um ihn alleine bereits etablierten Herstellern zu überlassen: Am Siemens-Stand auf der DCE 2014 wurde die erst im August 2013 vorgestellte DCIM-Lösung Datacenter Clarity LC präsentiert, mit der Siemens mit Blick auf das eigene Software-Portfolio einen logischen Schritt Richtung Rechenzentrums-Lösungen geht und Informationen aus bestehender Software zu Facility- und IT-Management verknüpft bzw. erweitert. Ähnlich wie konkurrierende DCIM-Lösungen bietet Datacenter Clarity LC beispielsweise Details zu Energiemanagement, Gebäudemanagement, Brandschutz, Gebäudeüberwachung, Verwaltung von Server-Racks, Zonen und Zwischenböden, Datenspeicherung sowie Switches und Router.

Dabei sei DCIM nicht gleich DCIM, so Monika Graß aus der Datacenter Expert Group des Verbandes der deutschen Internetwirtschaft e.V. eco. Zwar war die groß angelegte Marktstudie Data Center Infrastructure Management noch nicht ganz fertig gestellt, erste Ergebnisse wurden auf der DCE 2014 aber trotzdem präsentiert. Demnach bieten zwar zum Beispiel 90 Prozent der 20 global untersuchten Anbieter von DCIM-Lösungen ihren Kunden die Möglichkeit des reinen Asset Management, was sich somit als kleinster gemeinsamer Nenner herauskristallisiert, schon bei allen weiteren DCIM-Funktionen streut sich das Anbieter-Feld aber weit auf. Laut Monika Graß liegt dies vor allem an fehlenden Standards und unterschiedlichen Interpretationen des noch jungen Marktes, die sich ihrer Erwartung nach aber schon in den kommenden Jahren immer weiter angleichen sollen. Die fertige Studie wird am 2. Juli 2014 auf dem ecoTrialog in Nürnberg präsentiert.

Green IT und Energieeffizienz spielen auch 2025 noch eine große Rolle

Als ein weiteres Zukunftsthema identifiziert die Studie von Emerson Network Power Green IT. Energieeffizienz beschäftigt die Branche demnach bereits seit 2007, bis dahin galt vor allem die Hochverfügbarkeit von Anwendungen und Workloads als oberstes Ziel der Data-Center-Branche. Für dieses Ziel war man lange bereit, Kühlung und Storage zu fast jedem Preis zur Verfügung zu stellen. Den Wandel brachte auch hier Virtualisierung mit sich, mit deren Hilfe sich Anwendungen von physischen Servern trennen lassen, um überhaupt erst Spielraum für eine effizientere Hardwareauslastung und einen geringeren Energieverbrauch zu ermöglichen.

Egal ob durch Flüssigkühlung, höhere Temperaturen im Data Center oder durch die Auslagerung an klimatisch günstigere Standorte: 64 Prozent der für die Emerson-Studie Befragten sind der Ansicht, dass zukünftig weniger Energie nötig sein wird, um vergleichbare Computing-Performance bereitzustellen wie heute. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Frage, woher diese Energie zukünftig kommen soll.

Emerson Network Power Data Center 2025 Studie

 

Während 2012 in den USA noch mehr als 80 Prozent der für Rechenzentren benötigten Energie aus Kohle, Gas und Atomkraftwerken bezogen wurde, wird laut der Studien ein Anwachsen des Solarstromanteils auf 21 Prozent erwartet. Eine wohl deutlich zu positive Einschätzung der Befragten, wie auch Emerson Network Power selbst zugibt. Während heutige Solarpanel auf einem Quadratmeter Fläche 800 kWh pro Jahr generieren können, bräuchte man bei derzeit 6,4 kWh Energieverbrauch pro Rack ganze acht Quadratmeter Solarpanel – für jedes einzelne Rack. Wollte man bei diesen Werten 20 Prozent der Energie eines Data Centers mit Solarstrom decken, wäre die benötigte Fläche in etwa doppelt so groß wie das eigentliche Rechenzentrum. Um diesen Wert zu erreichen müsste es also in den nächsten elf Jahren bis zum anvisierten Jahr 2025 noch einige Innovationen in Sachen Energieeffizienz von Data-Center-Komponenten und Solarpanels geben.

Einen realistischeren Weg zu mehr Energieeffizienz im Data Center zeigte Lex Coors, Chief Engineering Officer bei Interxion, in seinem Vortrag auf der DCE 2014. Warum weiterhin alle Workloads in einem immer größeren Rechenzentrum mit einer Energieeffizienz von gerade einmal 1,7 PUE (Power Usage Effectiveness) bündeln, wenn man bei einer Trennung der Workloads nach arbeitsintensiv und weniger rechenintensiv vielleicht auch zwei kleinere Rechenzentren mit 1,09 und 1,20 PUE realisieren könnte?

Für Emerson Network Power wiederum ist die Diskrepanz zwischen den in der Studie ausgedrückten Erwartungen der Branche an die zukünftige Energieeffizienz und den heutigen Möglichkeiten kein grundlegendes Problem, sondern zeige lediglich, wie innovationsgetrieben der IT-Sektor ist und schon immer war. Und trotzdem, das muss auch die Studie zugeben, beschäftigen die Data-Center-Industrie noch immer die gleichen Probleme wie seit Jahren: Effizienz, Skalierbarkeit und Hochverfügbarkeit.

Die Studie Data Center 2025: Exploring the Possibilities steht kostenlos auf den Seiten von Emerson Network Power zum Download bereit.

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