AWS: Private Cloud bietet nicht alle Vorteile des Cloud-Computing

Der Amazon Web Service kann Kunden nicht alle Funktionen von Cloud Computing bieten. Deshalb müssen die Anwender Einschränkungen in Kauf nehmen

Amazon Web Services, der größte Anbieter öffentlicher Cloud-Dienste, hat auf seiner ersten Nutzerkonferenz AWS re: Invent die Provider von privaten Clouds angegriffen: Deren Nutzer könnten nicht von allen Vorteilen des Cloud-Computing profitieren.

Die Vorteile des Cloud-Computing kämen nur bei echten Cloud-basierten Diensten voll zur Geltung, sagte Andy Jassy (s. Foto), Senior Vice-President von Amazon Web Services (AWS).„Vorsicht vor Leuten, die alles Mögliche zur Cloud umdeklarieren”, so seine Warnung an die mehr als 6000 Teilnehmer der Konferenz. „Was da unter dem Namen 'Cloud' angeboten wird, ist oft nur mit Vorsicht zu genießen.”

Nach Auffassung von AWS lassen sich mit einer privaten Cloud die erwartete hohe Flexibilität und Agilität sowie die Kostenersparnisse nicht ohne Abstriche erreichen. Denn für eine solche Umgebung seien weiterhin enorme Investitionen in die Hardware erforderlich.

 „Wer sich auf eine private Cloud einlässt, verschwendet Millionen für die hardwareseitige Implementierung, auf die dann die Cloud-Software nur draufgesetzt wird“, sagte Iain Gavin, bei AWS als Direktor zuständig für Großbritannien und die Region EMEA. „Eine echte Cloud ist das nicht.“

Für Gavin ist der Aufbau eines eigenen Rechenzentrums mit Private-Cloud-Fähigkeiten eine Rechnung mit vielen Unbekannten, weil die entsprechenden Unternehmen ihre Hardware-Investitionen aufgrund der angenommenen zukünftigen Kapazität planen müssen. „Man kann aber nur schwer abschätzen, wie viel Kapazität ein Unternehmen benötigen wird“, sagte er dazu.

„So war beispielsweise Playfish, ein in London ansässiges Unternehmen, das Spiele für Facebook entwickelt, von höchstens 250.000 Benutzern während seiner gesamten Existenz ausgegangen; tatsächlich waren es dann 8 Millionen Nutzer schon in der ersten Woche“, führte Gavin aus.

Als Kunde der AWS-Cloud war Playfish in der Lage, sein Angebot nach oben zu skalieren und so mit der beispiellosen Nachfrage Schritt zu halten. „Mit einer privaten Cloud wäre die Skalierung auf diese Größenordnungen fast unmöglich gewesen, ohne einen riesigen Kostenaufwand zu verursachen“, sagte Gavin.

Geschäftsmodell mit hohen Umsätze und geringen Margen

Was das Cloud-Computing unter anderem auszeichnet, sind die dadurch möglichen Kostenersparnisse. AWS-VP Jassy verwies darauf, dass bei den traditionellen Hardware- und Software-Anbietern wie IBM, HP und Oracle das Geschäft mit hohen Margen und geringem Volumen im Mittelpunkt steht. Nach Angaben von AWS kommen diese traditionellen Anbieter auf Margen von 60 bis 70 Prozent.

„Das Geschäft mit hohen Margen mag ein gangbares Geschäftsmodell sein“, erläuterte Jassy, „aber für uns ist es das eben nicht.“ Aufgrund deutlicher Skaleneffekte sei Amazon in der Lage,  Kostenvorteile an die Nutzer seiner öffentlichen Cloud weiterzugeben. Erst dadurch könnten diese von den eigentlichen Vorteilen der Cloud wie Agilität und geringeren Kosten profitieren. „Die traditionellen Unternehmen mögen unsere Strategie nicht, weil sie ihr Geschäft untergräbt“, fügte Jassy hinzu.

Nasdaq, einer der Kunden von AWS, hat sich nach eigenen Angaben wegen der Skalierbarkeit und der geringen Kosten für die öffentliche Cloud von AWS entschieden. „Hätten wir uns auf eine private Cloud gestützt, dann hätten wir unsere IT-Infrastruktur nicht so kosteneffektiv betreiben können“, sagte Ted Myerson, bei Nasdaq Transaction Services zuständig für die weltweiten Zugangsdienste, gegenüber Computer Weekly.

Aber nicht alle Experten zeigen sich einverstanden mit der Art, wie AWS die private Cloud kritisiert. „Jassy übertreibt bei seinem Vergleich von öffentlichen mit internen/privaten Clouds. Viele Kunden sehen durchaus auch Vorteile bei einer internen/privaten Cloud“, sagt Kyle Hilgendorf, leitender Analyst bei Gartner. In einem Punkt aber stimmt er dem AWS-Manager zu: „Jassy hat damit Recht, dass die 'alte Garde' der Anbieter in der IT-Branche mit dem Geschäftsmodell der Cloud nichts anfangen kann.“

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