Windows Nano Server ist in seiner Bedeutung nicht zu überschätzen

Nano Server ist Teil von Windows Server 2016 und für Cloud- und Container-Umgebungen angepasst. In seiner Bedeutung ist er kaum zu überschätzen.

Bei all dem Rummel rund um die allgemeine Verfügbarkeit von Windows 10 konnte man glatt die nicht minder wichtigen Neuigkeiten zu Windows Server 2016 übersehen: Er ist komplett überarbeitet worden und wird auch in einer neuer Version (oder besser: Installation) verfügbar sein, die kleiner, schneller, flinker und sicherer sein soll als die herkömmliche Server-Installation. Diese Ausgabe nennt sich Windows Nano Server und stellt für Microsoft einen wichtigen Entwicklungsschritt dar.

Erstmalig hörten wir von Windows Nano Server Anfang 2015, als Microsofts Distinguished Engineer und Lead Architect Jeffrey Snover das Produkt in einem Blog-Post vorstellte. Windows Nano Server ist eine leichtgewichtigere Version von Windows Server, die ausschließlich für Cloud- und Container-Szenarien entwickelt wurde.

Nano Server wurde um die grafische Benutzeroberfläche, um die Kompatibilität mit Desktop-Anwendungen und um den kompletten 32-Bit-Stack entschlackt – tatsächlich ist die Nano-Server-Installation nur in 64-Bit verfügbar. Nano Server unterstützt auch keine Windows-Installer-Technologie zur Installation von Anwendungen, was ihn noch weiter von klassischen Anwendungen entfernt.

Die Vorteile von Windows Servers kleinem Bruder sind laut Microsoft vielfältig:

  • Die Installationsgröße einer gesamten Windows-Nano-Server-Instanz kann bis zu 93 Prozent kleiner sein als ein herkömmliches Windows-Server-Setup.
  • Neustarts für Sicherheitsupdates und weitere Konfigurations- oder Administrationsaufgaben sind um 80 Prozent reduziert.
  • In einer hausinternen Security-Analyse hat Microsoft festgestellt, dass der Anteil kritischer Updates im Fall des Nano Server um 92 Prozent niedriger liegt als bei einer traditionellen Windows-Server-Instanz.
  • Die Zeit, die für das Booten in einer PXE-Umgebung benötigt wird, mit deren Hilfe dann Nano Server über das Netzwerk installiert wird, sinkt von 19 auf drei Minuten.

Nano Server unterstützt Laufzeitumgebungen zum Beispiel für C#, Java, Node.js und Python, womit er als kompakter, leichtgewichtiger und robuster Web-Server und Webanwendungsrolle in Frage kommt. Er unterstützt auch Hyper-V und Scale-Out Datei-Server-Cluster. So können mehrere dieser kleinen Nano-Server-Instanzen einen hochverfügbaren Datei-Server implementieren – und dies zu signifikant niedrigeren Kosten, da die Ressourcenanforderungen für die Rollen deutlich anspruchsloser sind als beim großen Bruder.

Man kann Windows Nano Server direkt aus Microsofts Entwicklungsumgebung Visual Studio heraus anprogrammieren, was es wesentlich vereinfacht, eine entwickelte Anwendung gleich mit dem darunter liegenden Betriebssystem auszuliefern, etwa über Docker oder andere Container-Optionen. Auch System Center steht für die Verwaltung bereit, PowerShell sorgt für die Remote-Verwaltung und selbst das etwas altmodische Windows Management Instrumentation kommt auf Wunsch zum Einsatz. Die meisten der aktuellen Remote-Management-Tools dürften funktionieren, interaktive Tools und solche, die einen installierten Agent benötigen, dagegen eher nicht.

Nano Server mit ähnlicher Bedeutung wie das Active Directory

Windows Nano Server ist seit dem Active Directory die größte Entwicklung, die Windows Server zukommen konnte, wenn nicht sogar der ganzen Windows-Plattform. Die Einführung des Active Directory im Jahr 2000 ebnete den Weg fort von den 16-Bit-Kerneln von Windows 3.1, Windows 95 und Windows 98, hinein in die Windows-NT-Codebasis, auf der die modernen Windows-Versionen basieren – auch Windows 8 und Windows 10 gehen letztlich darauf zurück. Es verbesserte die Anwendungserfahrung und Stabilität der Windows-Plattform in einer so nachhaltigen Weise, dass Computer ohne diesen damaligen Schritt von Microsoft heute nicht da wären, wo sie sind.

Nano Server kündigt einen ganz ähnlichen Fortschritt für Windows an. Er ist ein Bruch mit der Vergangenheit – die komplette Aufgabe aller 32-bit-Anwendungskompatibilität, und löst Probleme, die Windows unsicher und unstabil machen. Die bewusste Abkehr von der robusten Rückwärtskompatibilität ermöglicht es Nano Server, wirklich kompakt und stabil zu sein und macht Nano-Server-Instanzen extrem portabel und überall ausführbar (von einem lokalen Hyper-V-Host bis hin zu einem Server-Schrank).

Man denke nur an die reine Skalierbarkeit dieser Option. Microsoft hat kürzlich mehr als 1.000 Windows-Nano-Server-Instanzen auf einen einzigen Host gepackt. Für Web-Hosts und andere Anwender, die beständig nach Möglichkeiten der Aufteilung und Konsolidierung ihrer Applikationen suchen, ist das Zusammenpacken hunderter virtueller Maschinen auf einem Host die Wahrwerdung eines Traums.

Scale-Out Datei-Server-Cluster können so mit wenigen tausend Euro an Hardwarekosten und dem bestehenden Speichernetzwerk implementiert werden, anstatt mit abertausenden Euro für Maschinen, auf denen die vollständige Windows-Server-Version läuft.

Entwickler können die eigenen Anwendungen komplett mit einer ausbalancierten und individuell angepassten Web-Umgebung nutzen und diese zu einem Teil ihrer installierbaren Pakete machen. Das Versprechen der DevOps-Bewegung findet so seine Erfüllung, während viele unnötige und zeitraubende Kontakte zwischen Entwicklern und IT-Team eingespart werden können.

Während für Linux ähnliche Funktionen längst zum Alltag gehören, geht Microsoft mit Windows Nano Server diesen ungeheuer wichtigen Schritt erst mit dem kommenden Windows Server 2016. Auch wenn Nano Server derzeit bei vielen Unternehmen noch nicht auf der Agenda steht – das wird sich spätestens nach der finalen Verfügbarkeit gehörig ändern.

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Artikel wurde zuletzt im September 2015 aktualisiert

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