Windows Azure: Geht Microsofts Strategie auf?

Microsoft hat viele Anläufe unternommen, um Windows Azure wettbewerbsfähig zu machen. Nun könnte das Unternehmen damit bei hybriden Clouds punkten.

Branchenexperten feiern hybride Clouds, die lokale und in der öffentlichen Cloud vorhandene virtuelle Maschinen (VMs) vereinen, während sie anprangern, dass der Begriff private Cloud zum bloßen Werbeslogan von Hardware- und Software-Anbietern mutiert ist. In Wirklichkeit liegt das Geheimnis von DevOps in der Fähigkeit, Software-as-a-Service-Anwendungen einfach zu skalieren und sie nahtlos zwischen VMs in ortsgebundenen Rechenzentren und IaaS-Cloud-Diensten von Dritten zu migrieren. Eine private Cloud, die diesen Namen zu Recht trägt, muss Benutzern mindestens Folgendes bieten: Self-Service-Bereitstellung von VMs in einer Umgebung mit mehreren Mandanten und ein betriebssicheres System für Abrechnungen und Rückbuchungen. Außerdem ist eine einfache, möglichst automatisierte Methode notwendig, um Anwendungen als Reaktion auf den Nutzungsbedarf nach oben oder unten zu skalieren. Die Attraktivität des Dienstes für potenzielle Nutzer wächst mit zusätzlicher Ausstattung - zum Beispiel einem Servicebus für ein sicheres, zuverlässiges Messaging zwischen VMs sowie von VMs zu lokalen Endpunkten. Oder mit einem redundanten relationalen und nicht relationalen Datenspeicher und einem Standardsatz an vom Benutzer wählbaren Maschinen-Images, die eine Vielzahl von vorkonfigurierten Betriebssystemen und virtuellen Anwendungen enthalten. Das sind die Funktionen, die öffentliche Clouds für Unternehmen heute bieten.

Microsofts Windows Azure Platform Appliance (WAPA) war ein früher Versuch, diePaaS-Infrastruktur von Windows Azure für Unternehmen attraktiv zu machen, die Cloud-konsistente private Cloud-Dienste anbieten wollten. Interessant sollte sie auch für Service-Provider sein, die verwaltete Azure-Clones mit mehreren Mandanten vermarkten wollten. Als WAPA zusammen mit den einstigen Partnern Dell, eBay, Fujitsu und HP auf der Microsoft Worldwide Partners Conference im Juni 2010 angekündigt wurde, war WAPA für Nutzer gedacht, die "Hunderte bis Tausende von Servern" bereitstellen. Bis Juni 2011 hatte lediglich Fujitsu WAPA implementiert, während Dell, eBay und HP über ihre Pläne kein Wort verloren. Microsoft zeigte sich gleichfalls zurückhaltend, was Details zur weiteren Entwicklung von WAPA anging.

Um die Wettbewerbssituation von Windows Azure gegenüber Amazon Web Services zu stärken, kündigte das Windows-Azure-Team im Oktober 2010 an, den ursprünglichen Diensten für die Web- und Worker-Rollen eine Vorabversion der VM-Rolle mit Windows Server 2008 SP2 hinzuzufügen. Die VM-Rolle erleichterte es Entwicklern, herkömmliche Server-basierte Anwendungen in die Cloud zu migrieren, ohne sie neu schreiben zu müssen, damit sie kompatibel zu den PaaS-Programmierschnittstellen (APIs) von Azure sind. Microsoft zog die VM-Rolle am 31. Mai 2013 zugunsten von Windows Azure Virtual Machines zurück, einem vollwertigen IaaS-Angebot, das seit dem 16. April 2013 allgemein verfügbar ist. Das für Microsoft Server und die Cloud-Plattform zuständige Team kündigte eine Betaversion von Windows Azure Services für Windows Server (WAS4WS) an und prägte im Oktober 2012 den Begriff Cloud-OS für ein Cloud-Betriebssystem. Microsofts Cloud-OS war das alles beherrschende Thema auf der Konferenz "TechEd North America 2013", die sich an Entwickler und IT-Profis richtet.

Das ursprüngliche WAS4WS/Cloud-OS kombinierte Windows Server 2012 und Windows Service Center 2012, um Folgendes abzudecken:

Abbildung 1. Windows Azure sorgt für Konsistenz, indem das Software-Paket PaaS- und IaaS-Funktionen für private, hybride und öffentliche Clouds übergreifend bereitstellt. Microsoft setzt IT-Abteilungen in Unternehmen mit Hosting-Anbietern gleich, weil beide die gleiche Zielgruppe von Usern mit vergleichbaren Diensten ansprechen. Lokale und Cloud-User benötigen die gleichen oder ähnliche Konfigurations- und Verwaltungsfunktionen beim Self-Service.

Während seiner Keynote auf der TechEd 2013 am 3. Juni 2013 in New Orleans kündigte Brad Anderson, Corporate Vice President bei Microsoft, die Migration von WAS4WS zu einem Windows Azure Pack (WAP) für Windows Server 2012 R2 und Windows System Center 2012 R2 an. Das neue Release steht ganz im Zeichen von übergreifender Konsistenz für private, hybride und öffentliche Clouds. Zunächst gibt es seit Ende Juni 2013 eine Vorabversion. Mit der allgemeinen Verfügbarkeit wird vor Ende 2013 gerechnet (siehe Abbildung 1). Eine WAP-Lizenz ist im Windows System Center 2012 R2 ohne zusätzliche Kosten bereits enthalten.

Verwaltungsportal von Windows Azure für DevOps-Konsistenz nutzen  

Abbildung 2. Das Self-Service-Verwaltungsportal in der HTML/JavaScript-Version, hier in der Ansicht für Dienst-Administratoren, stellt die Windows-Azure-Version dar. Unter "Plans" (Pläne) versteht man eine Reihe von Diensten, ganz wie bei einem Mobilfunkvertrag, die VMs mit Webseiten, SQL-Serverm, BizTalk-Servern und/oder Add-ons von Drittanbietern beinhalten.

In den über vier Jahren, in denen das Windows-Azure-Team PaaS-Cloud-Dienste für Tester und Abonnenten bereitgestellt hat, gewann es weitreichendes Wissen, wie sich das benötigte Self-Service-Verwaltungsportal von Azure am besten zur Verfügung stellen lässt. Am 23. Juni 2012 ersetzte eine plattformübergreifende HTML- und JavaScript-Version die anfängliche Silverlight-Version, die ausschließlich Windows-Benutzer unterstützte. Das neue Portaldesign hat eine außergewöhnliche Flexibilität und Skalierbarkeit demonstriert. Nach Aussage von Amy Barzdukas, Leiter für den Bereich Server und Tools, hatte Windows Azure im Juni 2013 über 240.000 Kunden, bei einer wöchentlichen Zuwachsrate von 7.000 neuen Portalnutzern.

Das Dienstverwaltungsportal für Hoster und ihre User besitzt das Erscheinungsbild des Verwaltungsportals von Windows Azure, bietet aber andere Navigationslinks (siehe Abbildung 2).

Zu den vom Portal bereitgestellten oder verwalteten Diensten gehören:

  • Website-Clouds
  • VM-Clouds
  • Servicebus-Clouds
  • SQL-Server
  • MySQL-Server
  • Automatisierung
  • Pläne
  • Benutzerkonten
Abbildung 3. Interaktionen zwischen dem Self-Service-Abonnentenportal von Windows Azure und dem Self-Service-Endkundenportal des Windows Azure Pack für hybride Cloud-Szenarien.

Abbildung 3 beschreibt die Beziehungen zwischen den aktuellen Windows-Azure-Funktionen und dem Windows Azure Pack für private und hybride Clouds. Außerdem lässt sich erkennen, wie die Portale die Betriebskonsistenz mit dem SPF-Framework (SPF steht für Service Provider Foundation) von Windows System Center 2012 R2 sicherstellen.

Anbieter und Nutzer von Diensten

Nur Administratoren und delegierte Mandanten-Co-Admins haben Zugriff auf die Seiten für Automatisierung, Pläne und Benutzerkonten. Anwender, die einen Plan abonniert haben, sehen die Auswahlmöglichkeit "Mein Konto" im Self-Service-Endkundenportal. Da sich VMs einfach und kostengünstig in Betrieb nehmen lassen, um die Leistung und Skalierbarkeit von Multi-Tier-Apps zu testen, gehören anfangs wahrscheinlich in erster Linie Entwickler von Unternehmensanwendungen zu den Nutzern von WAP. Tabelle 1 führt die entsprechenden Mitarbeiterkategorien für die Anbieter und Nutzer von Cloud-Diensten auf.

Dienstanbieter Dienstnutzer
Zuständiger Hoster Mandanten-Admin
Fabric-Admin App-Besitzer
Dienste-Admin Self-Service-Nutzer

Tabelle 1. Aufgabeneinteilungen für Mitarbeiter, die mit dem Angebot und der Nutzung von Cloud-Diensten zu tun haben.

Fabric-Admins sind verantwortlich für die Konfiguration einer zentralen Installation von System Server 2012 R2 sowie für das Unterbringen von Servern in Racks und Bare-Metal-Installation von Windows Server 2012 R2. Dienste-Admins entwickeln und implementieren Abonnementpläne mit unterschiedlichen Skalierbarkeitsgraden und -funktionen, um Kunden zu gewinnen. Dienst-Admins und Mandanten-Admins sorgen für die Geschäftsbeziehungen zwischen Anbietern und Nutzern, einschließlich Abrechnungen und Rückbuchungen.

Im Szenario für die Cloud-Entwicklung übernehmen Entwickler wahrscheinlich alle drei Rollen von Dienstnutzern. Unternehmen, die hybride Clouds in großem Maßstab implementieren, werden wohl Mandanten-Admins benötigen, um App-Besitzer und Self-Service-Nutzer dabei zu unterstützen, ihre Abonnements zu verwalten und die Kosten für die Dienste zu kontrollieren.

Mit hybriden Clouds in die Zukunft

Das Marktforschungsinstitut Gartner stellt fest, dass "[Anbieter von Cloud-Diensten] ihren Weg in Richtung 'Clouds für Unternehmen' fortsetzen werden, indem sie Cloud-Sicherheitsstandards, eine größere Transparenz und verhandelbare SLAs [Service-Level-Vereinbarungen] in Aussicht stellen, um die Bedenken der IT-Verantwortlichen in Firmen auszuräumen." In der Studie "2012 Cloud Computing Planning Guide: From Hybrid IT to Hybrid Clouds" vom 1. November 2011, ergänzt durch die Untersuchung "Hybrid IT: How Internal and External Cloud Services Are Transforming IT" vom 8. Februar 2012, erklärt Gartner:

"Hybrid-IT ist das Ergebnis, wenn man interne und externe Dienste miteinander kombiniert, die in der Regel aus internen und öffentlichen Clouds stammen, um den geschäftlichen Erfolg in verschiedenen Bereichen zu unterstützen. Das Interesse großer Unternehmen an der öffentlichen Cloud hat sich abgeschwächt, als Risiken beim Einsatz dieser Technologie bekannt wurden. So entstanden etwa Architekturen, die wichtige interne Dienste und kritische Daten mit externen, für das Massengeschäft konzipierten Diensten verbinden. Hybrid-IT beruht auf neuen Technologien zur Verbindung von Clouds, durchdachten Ansätze zur Datenklassifizierung und -identität sowie auf einer Dienste-orientierten Architektur. Durch dieses neue Modell, IT-Dienste bereitzustellen, verändert sich die Rolle der IT und der Fachleute erheblich."

Greg Ness (alias @archimedius), Virtualisierungs- und Cloud-Experte, kommt in seinem Blog-Eintrag "Microsoft, Azure and the Hybrid Cloud Race" vom 18. Juni 2013 zu dem folgenden Schluss:

"Während die Amazon Web Services unbestreitbar die Nummer eins bei der öffentlichen Cloud sind und VMware zweifelsohne die Führung im Bereich private Cloud innehat, lässt sich sagen, dass Azure von Microsoft diese Position bei der hybriden Cloud einnimmt - zumindest an diesem Punkt in der Entwicklung der Cloud und von Azure."

Nachdem die Windows Azure Platform Appliance für mittlere und große Unternehmen sowie WAP für Dienstanbieter das halten, was sie versprechen, hat sich Microsoft in eine gute Position gebracht, um mindestens in den nächsten zehn Jahren die zentrale Rolle auf dem Gebiet hybride Clouds zu spielen.

Über den Autor: Roger Jennings ist .NET Entwickler, Autor, Windows Azure MVP und Principal Consultant von OAKLEAF Systeme und Kurator der OAKLEAF Systeme Blog.

Artikel wurde zuletzt im Oktober 2013 aktualisiert

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