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VMware kontra Citrix: Horizon-Cloud-Ankündigung kurz vor der Synergy

VMware-Ankündigungen kurz vor der Citrix Synergy haben fast schon Tradition. VMware Horizon Cloud für Azure soll Citrix einmal mehr die Show stehlen.

Benjamin Franklin sagte einst, in dieser Welt wäre nichts sicher, außer der Tod und Steuern. Mit Blick auf die jüngste VMware-Ankündigung kann man dem inzwischen wohl hinzufügen: und eine von VMware kurz vor der Citrix Synergy gezündete Bombe.

Dieses Störfeuer seitens VMware kennt man inzwischen aus vergangenen Jahren, spätestens seit 2015, als VMware kurz vor der Citrix Synergy Project Enzo ankündigte, während Citrix selbst wenig später auf seiner jährlichen Hausmesse die Citrix Workspace Cloud vorstellte.

Auch wenn es dann noch fast ein Jahr dauern sollte, bis wir Horizon Air Hybrid Mode tatsächlich sehen sollten, war die Erwähnung so kurz vor der Synergy Grund genug dafür, dass die Citrix Workspace Cloud seit ihrer Ankündigung fortwährend mit VMwares Gegenstück verglichen wurde.

Nachdem VMware nun vor wenigen Tagen angekündigt hat, dass der inzwischen in Horizon Cloud umbenannte Horizon Air Hybrid Mode zukünftig Desktops und Applikationen auf Basis von Microsoft Azure unterstützen wird, wird es nicht lange dauern, bis die ersten Vergleiche zum entsprechenden Citrix-Angebot aufkommen.

Horizon Cloud um Microsoft Azure erweitert

Die Ankündigung seitens VMware ist dabei nicht mehr als ein kurzer Blick in eine sicher noch mehrere Monate entfernte Zukunft. Die grundlegende Idee dahinter sieht allerdings vor, dass VMware sein zusammen mit IBM SoftLayer realisiertes DaaS-Angebot (Desktop as a Service) um Microsoft Azure als zusätzliche Cloud-Plattform erweitern wird. Damit sollen VMware-Kunden in die Lage versetzt werden, virtuelle Desktops und Anwendungen über Horizon Cloud auch auf Azure auszuführen.

Schon auf der vergangenen Citrix Synergy hatten Microsoft und Citrix eine vertiefte Partnerschaft bekanntgegeben, die Windows 10 als DaaS-Lösung auf Basis von Microsoft Azure zur Folge haben sollte. Inzwischen bieten auch klassische Microsoft-Partner entsprechende DaaS-Angebote auf Basis von Azure an.

VMware dagegen hatte erst im Oktober 2016 AWS als bevorzugten Cloud-Partner ausgerufen, um VMware-basierte Services zu hosten (etwa im Rahmen der Cross-Cloud Architecture der VMware Cloud on AWS), gleichzeitig für Horizon Cloud aber auf IBM SoftLayer gesetzt. Auch wenn auf AWS eine vollständige „VM-Kompatibilität“ versprochen wurde, war von der Unterstützung für die Desktop-Virtualisierung auf AWS nie die Rede.

Auf dieser Grundlage würde man vermuten, dass für VMware zunächst AWS der Cloud-Provider der Wahl für gehostete Desktops wäre. Das scheint nicht mehr der Fall zu sein. Die Ereignisse der letzten Monate deuten aber darauf hin, dass es sich bei diesem Schritt mehr um eine spontane Reaktion auf die große Nachfrage nach Azure handelt und weniger um das Ergebnis einer lang angelegten Strategie.

Ausblick auf Horizon-Cloud-Desktops auf Azure-Basis

Horizon Cloud wird mit Azure die gleiche Management-Konsole nutzen wie mit SoftLayer, bei der dann eben die Azure-Anmeldedaten angegeben werden. Anschließend wird Horizon Cloud automatisch die gesamte für die Desktop-Virtualisierung benötigte Umgebung automatisch auf Azure bereitstellen.

Damit erhalten VMware-Kunden auch zwei separate Lizenzrechnungen: Die Infrastruktur wird über Azure abgerechnet, die VMware-Lizenzierung natürlich über VMware.

Bisher wurden noch keine Preise genannt, diese dürften sich aber im ähnlichen Rahmen bewegen wie die aktuellen 16 US-Dollar pro Nutzer und Monat für das SoftLayer-Angebot. Zusätzlich fallen natürlich die eben erwähnten Azure-Kosten an.

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Wenn virtuelle Horizon-Desktops nicht auf vSphere ausgeführt werden, stellt sich natürlich die Frage nach dem verwendeten Remote-Protokoll (Blast Extreme, PCoIP oder RDP). Auch wenn VMwares Antwort auf diese Frage eher ausweichend ausfiel, so kann man doch die Unterstützung für VMwares neuestes Protokoll Blast Extreme erwarten. Microsoft RDP dagegen dürfte standardmäßig funktionieren. Das größte Fragezeichen steht demnach hinter der RDP-Unterstützung für Horizon Cloud auf Basis von Azure.

Auf Nachfrage ließ VMware verlauten, das größte Problem in dieser Hinsicht seien die Anzeigetreiber. Da diese spezifisch an vSphere gebunden sind, kann VMware seine Horizon-Plattform ohne Schwierigkeiten auf jeder vSphere-basierten Infrastruktur betreiben, egal ob lokal oder in der Public Cloud. Für die Unterstützung anderer Hypervisoren müssen allerdings die Treiber angepasst werden. Das ist natürlich nicht unmöglich, dürfte die Unterstützung aber zumindest verzögern.

Derzeit will VMware zunächst die App-Virtualisierung möglich machen, während die Bereitstellung virtueller Desktops erst später folgen soll. Trotzdem soll beides bereits in der zweiten Jahreshälfte 2017 zur Verfügung stehen. Das Ziel hierfür dürfte natürlich VMwares eigene Hausmesse VMworld sein, realistisch sind allerdings eher erste Demonstrationen zur VMworld, während die allgemeine Verfügbarkeit später folgt. Erst nach der Azure-Unterstützung soll dann Horizon Cloud auch für AWS erhältlich werden.

VMware und Citrix im Gerangel um die Medienaufmerksamkeit

Mit der angekündigten Unterstützung von Microsoft Azure für Horizon Cloud dürfte VMware erneut das Kunststück geglückt sein, auch während der Citrix Synergy im Gespräch zu bleiben – vor allem natürlich bei Partnern und Kunden, die sowieso bereits einen interessierten Blick auf Azure werfen. Der Teufel steckt aber wie so oft im Detail, daher wird man auf weitere Informationen warten müssen, um Unterschiede zwischen dem VMware- und dem Citrix-Angebot ausmachen zu können. Gleichzeitig könnte ein Anzeigetreiber für Horizon auf vSphere mehr Funktionen bieten als auf Azure oder AWS.

Nimmt man aber einmal an, dass alle wichtigen Funktionen von Horizon Cloud auch auf Azure zur Verfügung stehen werden, dann wäre dies ein wichtiger Schritt für VMware, um mit Citrix und anderen Anbietern von Azure-basierten virtuellen Desktops wieder gleichzuziehen. Ob man es gut findet oder nicht, letztlich wird wieder alles auf die Frage reduziert werden, wie sich das Citrix-Angebot im Vergleich zu VMware schlägt – und das wohl auch jedes Mal, wenn das Thema auf der kommenden Citrix Synergy zur Sprache kommt.

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Artikel wurde zuletzt im Mai 2017 aktualisiert

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