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RDSH gehört die Zukunft der Desktop-Virtualisierung

Bei der Desktop- und App-Virtualisierung hat VDI enorm an Beliebtheit gewonnen. In der Zukunft dürften aber auch RDSH-Bereitstellungen wieder wichtiger werden.

In der Welt der Desktop-Virtualisierung gibt es zwei dominante Technologien: RDSH (Remote Desktop Session Host) und VDI (Virtual Desktop Infrastructure). Beide basieren auf einem ähnlichen Funktionsprinzip, RDSH aber kann auf eine längere Geschichte zurückblicken – und hat vielleicht auch die größere Zukunft.

Bis ungefähr in die Mitte der 2000er Jahre hinein gab es zur Desktop-Virtualisierung eigentlich nur RDSH. Mit der zunehmenden Reife von Virtualisierungs-Lösungen und der damit verbundenen Möglichkeit, Anwender voneinander zu isolieren, wurde schließlich aber auch VDI immer populärer. Heute dürften VDI-Technologien zur Bereitstellung virtueller Desktops gegenüber RDSH die Nase vorne haben, trotzdem hat VDI RDSH bis heute nicht vollständig abgelöst.

Auf den ersten Blick sind sich VDI und RDSH sehr ähnlich. Anwender melden sich an einem Endgerät an und werden anschließend über ein Remote-Protokoll mit einer Anwendung oder einem Desktop verbunden, der im Rechenzentrum oder in der Cloud ausgeführt wird. Erst ein Blick auf die Serverseite dieses Vorgangs macht den Unterschied zwischen beiden Technologien deutlich.

VDI stellt jedem Anwender eine separate virtuelle Maschine bereit, was die Anwenderumgebungen untereinander voneinander trennt und individuelle Desktops bereitstellt. Bei RDSH wird dagegen meist eine einzelne Instanz von Windows Server mit vielen Anwendern geteilt. Dadurch entsteht zwar ein geringerer Aufwand, weil das Betriebssystem und alle dazugehörigen Teile nicht für jeden Anwender repliziert werden müssen, durch die gemeinsame Nutzung von nur einer Serverinstanz durch mehrere Nutzer entstehen aber wiederum neue Probleme.

Die Vorteile von RDSH zur Desktop-Virtualisierung

Windows-Anwendungen und –Desktops werden per RDSH „gepublished“, also veröffentlicht. Das bedeutet lediglich, dass Administratoren Anwendungen oder Desktops einem Nutzer oder ganzen Nutzergruppen zuweisen.

Veröffentlichte Anwendungen bieten aus Endanwendersicht nur eine einzige Applikation ohne Desktop, tatsächlich ist der vollständige Desktop aber durchaus vorhanden und wird nur nicht angezeigt. Anwender interagieren also nur mit der Applikation selbst und sonst mit nichts von dem, was zusätzlich auf dem RDSH-Server gehostet wird.

Der Unterschied zwischen RDSH und VDI.
Abbildung 1: Der Unterschied zwischen RDSH und VDI.

Endanwender per RDSH Desktops bereitzustellen, ist dabei ein sehr geradliniger Prozess. Jeder Anwender verbindet sich mit dem vollständigen veröffentlichten Desktop des RDSH-Servers. RDSH wird fast ausschließlich als Produkt zur Anwendungs-Virtualisierung wahrgenommen, dabei nutzen auch wirklich viele Unternehmen RDSH zur Virtualisierung ganzer Desktops. RDSH-basierte virtuelle Desktops auf geteilten Servern belegen weniger Ressourcen, wodurch IT-Abteilungen mehr Anwender mit geringerem Zeitaufwand und Ressourcenbedarf unterstützen können.

Mögliche Nachteile von RDSH-Desktops

In einer RDSH-Umgebung können sich leicht dutzende oder sogar hunderte Mitarbeiter mit einem einzigen Server verbinden. Wenn auch nur einer dieser Anwender die nötigen Rechte hat, um beispielsweise Anwendungen zu löschen oder den Server herunterzufahren, dann würde dies natürlich auch alle anderen Anwender betreffen.

Zudem gibt es auch immer wieder Probleme mit der Anwendungskompatibilität. Vor allem in kleineren Umgebungen hosten RDSH-Server meist einfach alle Anwendungen, auf die Außendienstmitarbeiter aus der Ferne zugreifen können müssen. Mit steigender Anzahl an Applikationen steigt dabei natürlich auch die Gefahr, dass es zwischen unterschiedlichen Anwendungen zu Problemen kommt.

Die Lösung hierfür sieht meist vor, Server-Silos zu erstellen, bei denen jede Servergruppe nur eine einzige Applikation hostet. Selbst mit diesem Silo-Ansatz müssen IT-Abteilungen aber für jedes Update sorgfältige Tests durchführen, damit die Anwendungslandschaft der gesamten RDSH-Umgebung nicht in Mitleidenschaft gezogen wird.

Damit benötigen RDSH-Administratoren also sowohl Fachwissen im Bereich Desktop- und Anwendungsbereitstellung als auch im Server- und Sicherheitsbereich. Mit dem richtigen Spezialwissen ist RDSH aber dennoch eine ausgezeichnete Möglichkeit, Desktops und Anwendungen bereitzustellen, und trotzdem ist damit klar, warum VDI in den letzten Jahren so stark an Popularität gewonnen hat. Setzt man auf VDI, dann benötigt man nämlich zwar Fachwissen über einen völlig neuen Infrastrukturansatz, aber das tägliche Windows-Management unterscheidet sich kaum von den Tätigkeiten, die Desktop-Admins auch heute schon durchführen.

Die Zukunft von RDSH und Desktop-Virtualisierung

VDI konzentriert sich vor allem auf Windows-Desktops, aber im gleichen Maße, in dem vollständige Desktops immer unwichtiger werden, wird auch VDI wieder an Bedeutung verlieren. Im Zuge dieser Entwicklung wird RDSH wieder wichtiger werden.

Die Saat einer Zukunft ohne Windows-Desktop wurde längst gesät, da mehr und mehr Applikationen in die Cloud ausgelagert werden. Damit wird auch die Notwendigkeit immer kleiner, für den Zugriff darauf Windows auszuführen. Auch die Nutzeridentitäten wandern immer stärker mit in die Cloud, beispielsweise mit Office 365, was zusätzlich die Bedeutung von Active Directory und anderen, Data-Center-basierten Services schmälert.

Es wird aber natürlich auch Windows-Anwendungen geben, die sich nicht ersetzen lassen werden. So lange diese genutzt werden, müssen IT-Abteilungen ihren Anwendern auch Wege zur Verfügung stellen, auf diese zuzugreifen. Diese Desktop-lose Zukunft gehört einmal mehr der RDSH-Bereitstellung. Dieser Trend ist heute schon an Legacy-Anwendungen zu sehen, die auf modernen Betriebssystemen nicht mehr ausgeführt werden können.

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Artikel wurde zuletzt im August 2017 aktualisiert

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