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Kampf um die Hybrid Cloud: Azure Site Recovery erhält VMware- und AWS-Support

Azure Site Recovery wurde um die Unterstützung von VMware- und AWS-Ressourcen erweitert. Eine weitere Runde im Konkurrenzkampf um die Hybrid Cloud.

Cloud-Computing ist einer der am härtesten umkämpften IT-Märkte, weshalb Cloud-Anbieter auch permanent daran arbeiten, ihre potenzielle Zielgruppe zu erweitern – auch wenn dadurch Konkurrenzprodukte unterstützt werden. Microsoft Azure ist eine der führenden Cloud-Plattformen, und seit kurzem unterstützt der Disaster-Recovery-Service Azure Site Recovery auch AWS und VMware. Ein klares Zeichen dafür, welche Entwicklungen wir im Cloud-Markt in naher Zukunft erwarten können.

Microsofts ursprüngliche Cloud-Vision war eine PaaS-Umgebung (Platform as a Service), die zusammen mit Windows Server und angepassten Applikationen genutzt werden sollte. Aber obwohl PaaS-Modelle ideal für die Hybrid Cloud sind, weil hier auch gleich Middleware integriert ist, sah sich Microsoft trotzdem einigen Problemen bei der Cloud-Nutzung gegenüber.

Azure Site Recovery als Lockmittel für die Microsoft-Cloud

Viele Anwendungsszenarien der frühen Cloud-Nutzung zielten beispielsweise auf Web-Applikationen, die typischerweise auf Linux und nicht auf Windows gehostet werden. Microsoft-Konkurrenten wie Amazon wählten daher einen generischeren IaaS-Ansatz (Infrastructure as a Service), der für Cloud-basierte Webanwendungen besser geeignet war. VMware-Kunden dagegen konnten ihre virtuelle Umgebung durch vCloud zu Private oder Hybrid Clouds erweitern.

Gleichzeitig haben sich viele Unternehmen sehr zögerlich dabei gezeigt, Kern-Applikationen in die Cloud zu verlagern, und dazu gehören oft eben Anwendungen auf Basis von Windows Server. Abgesehen von Disaster Recovery oder kurzfristigen Skalierungsanforderungen haben gerade in den Anfangstagen wenige Unternehmen wirklich ernsthaft auf die Cloud gesetzt.

Mit Azure Site Recovery hat Microsoft diese beiden Herausforderungen aber gekonnt zu seinem Vorteil genutzt. Nachdem Azure Site Recovery auch Linux und VMware unterstützt, bietet der Cloud-Service Microsoft einen Eintrittspunkt in Unternehmen, die entweder keinen Anknüpfungspunkt an Windows Server haben oder bereits ein Konkurrenzprodukt nutzen. Azure Site Recovery zielt dabei auch auf geschäftskritische Anwendungen, die Backup- und Skalierungsmöglichkeiten brauchen, und bietet darüber einen weiteren Weg in die Microsoft-Cloud.

Azure Site Recovery ist untrennbar mit Microsofts Hybrid-Cloud-Strategie verbunden und dient für unterschiedlichste Nutzergruppen als Lockmittel für Microsoft Azure. Das zeigt deutlich, wie Microsoft über eine wachsende Cloud-Nutzung in immer größere Enterprise-Märkte vordringen will. Indem Microsoft mit Azure Site Recovery neben Windows zunehmend auch konkurrierende Plattformen adressiert, wird Microsoft auch dem größten Konkurrenten Amazon weiter Marktanteile abjagen können.

Was bringt die Zukunft für Azure Site Recovery?

Ein weiterer Trend, den Azure Site Recovery aufnimmt, ist die höhere Nachfrage nach Disaster-Recovery-Diensten als nach zusätzlichen Skalierungsmöglichkeiten in der Cloud. Microsoft bündelt beide Funktionen unter dem Site-Recovery-Label, was die Möglichkeit zum flexiblen Hinzufügen von Cloud-Ressourcen klar herunterspielt. Die Replikation von App-Ressourcen in die Cloud wird aber gleichzeitig als Möglichkeit zur Erhöhung der Verfügbarkeit – Disaster Recovery – dargestellt wie auch als Anpassung der Workloads an eine höhere Nachfrage.

Diese Positionierung bietet Microsoft zwei zusätzliche Möglichkeiten für Azure Site Recovery: Einmal die Orchestrierung von Applikations-Bereitstellungen und einmal die Migration von Azure-Kunden zu Azure PaaS-Produkten.

Azure Site Recovery selbst basiert sehr stark auf Orchestrierung beziehungsweise auf Richtlinien und Plänen, die wiederum in auslösende Ereignisse und darauf folgende Handlungen umgewandelt werden. Das führt in Richtung DevOps, wo Entwickler Skripte zum Management von App-Bereitstellungen nutzen. Wenn Microsoft mehr aus den Orchestrierungsmöglichkeiten von Azure Site Recovery herausholen könnte, dann könnte sich daraus vielleicht auch eine größere Aufmerksamkeit für Microsoft im wachsenden Markt für Orchestrierungslösungen ergeben.

Selbst wenn Anwender nicht zur Azure-Plattform wechseln wollen, könnten die Orchestrierungsfunktionen von Azure Site Recovery dazu beitragen, replizierbare Anwendungen zu entwickeln und könnten auch dafür sorgen, dass Nicht-Windows-Komponenten in Azure integriert werden können.

Mit Azure Site Recovery bereitet sich Microsoft auf den nächsten großen Konkurrenzkampf im Cloud-Markt vor: geschäftskritische Applikationen. Dafür sind hybride Umgebungen und die Replikation dazwischen unumgänglich. Eine PaaS-Plattform macht beides leichter, und Microsoft ist zudem in der Lage, hierfür kritische Systeme zusammen mit Middleware-Komponenten zu lizenzieren, was bei IaaS-Angeboten sonst separat erfolgen würde.

Azure Site Recovery hilft Microsoft also dabei, Platform as a Service als das bevorzugte Modell für Hybrid Clouds und für das Hosting von geschäftskritischen Anwendungen durchzusetzen. Microsoft ist schon jetzt PaaS-Marktführer und kann durch den weiteren Fokus auf PaaS-Produkte Konkurrenten wie AWS weiter in Bedrängnis bringen. Die Funktionserweiterung von Azure Site Recovery Manager um Linux-, VMware- und AWS-Ressourcen könnte dabei nur der erste Schritt in einem der größten Konkurrenzkämpfe im Cloud-Markt werden.

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Artikel wurde zuletzt im Januar 2016 aktualisiert

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