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Die Hybrid Cloud: Schluss mit den Missverständnissen

Die Hybrid Cloud ist für viele Unternehmen das bevorzugte Cloud-Modell. Dabei wird es Zeit, mit drei Mythen rund um die Hybrid Cloud aufzuräumen.

Unternehmen steigen aus unterschiedlichsten Gründen von einer Inhouse-Infrastruktur auf eine Cloud-Lösung um. Die Vorteile hierfür liegen auf der Hand: Neben einer höheren Agilität, geringeren Kosten und einer globalen Verfügbarkeit möchten sich CIOs auf das Kerngeschäft konzentrieren. Schließlich muss die IT in der Wolke nicht mehr zeitaufwendig verwaltet werden. Stattdessen rückt wieder die Entwicklung von Produkten und Services in den Vordergrund.

Noch immer betreiben viele Unternehmen ihre IT-Infrastruktur und -Governance intern. Doch häufiger ist eine Migration in die Cloud im Gespräch. Dabei stellen sie oft fest, dass dieser Umzug Zeit braucht. Auf dem Weg dorthin muss die IT-Abteilung nämlich dafür sorgen, dass existierende Prozesse weiterlaufen und getätigte Investitionen den maximalen Nutzen bringen. Dafür bietet sich eine hybride Architektur an. Sie kombiniert Leistungen des bestehenden Rechenzentrums mit skalierbaren Cloud-Diensten von Public-Cloud-Anbietern. Diesen Weg schlagen viele Unternehmen ein, um die Vorteile einer Cloud zu maximieren. Die in diesem Zusammenhang geführten Diskussionen zum Thema Hybrid Cloud sind jedoch häufig verworren. Es herrschen Missverständnisse vor, die es zu korrigieren gilt.

Falsche Voraussetzungen zur Hybrid Cloud

Missverständnis 1: Einmal hybrid, immer hybrid. Zwar nutzen große Unternehmen mit umfangreichen Altsystemen hybride Cloud-Architekturen in der Regel länger, oft auch über Jahre. Weil die Reise für jedes Unternehmen anders verläuft, wird auch der Umstieg unterschiedlich schnell erfolgen. Unwahrscheinlich ist, dass in Zukunft jedes Unternehmen sein eigenes Rechenzentrum betreiben wird. Die Übergangsphase, in der eine hybride Cloud eingesetzt wird, beträgt sicher mehr als drei, doch weniger als 15 Jahre. Die folgenden vier Faktoren beschleunigen sogar die Umstellung:

  • Je schneller die Einführung der Cloud, desto höher die Skaleneffekte für Cloud-Provider. Von den Vorteilen profitieren letztlich auch die Kunden.
  • Die Geschwindigkeit an Innovationen, die mit Cloud-Technologien einhergehen, bleibt ungebremst. Alle großen Cloud-Anbieter arbeiten beständig am Ausbau ihrer Cloud-Services und Funktionen. AWS beispielsweise hat das Tempo seiner Innovationen in den letzten Jahren von 515 neuen Features und Services 2015 auf 912 im Jahr 2016 (Stand 1. Dezember) gesteigert.
  • Geschäftsrelevante Anwendungen wie E-Mail, HR- oder CRM-Programme werden immer häufiger in der Cloud betrieben.
  • Immer mehr Unternehmen und Technologien sind darauf spezialisiert, bei der Migration in die Cloud zu unterstützen. Ihre Zahl wird weiter steigen und damit auch die „hybriden Übergangsphasen“ verkürzen.   

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Missverständnis 2: Die hybride Cloud ermöglicht es Unternehmen, Applikationen nahtlos zwischen On-Premises-Infrastrukturen und der Cloud zu bewegen. Im ersten Moment klingt dies plausibel, doch steckt in dieser Annahme ein grundlegender Fehler: Es wird unterstellt, dass Cloud- und On-Premises-Infrastrukturen gleichermaßen leistungsfähig sind. Unternehmen sind mittlerweile aber besser ausgerüstet, um ihre eigene Infrastruktur zu verwalten. Gleichzeitig nutzen sie die Cloud für Dinge, die im eigenen Rechenzentrum nur schwer umsetzbar sind: echte Elastizität, ein Pay-as-you-go-Bezahlmodell, bei dem nur für das bezahlt wird, was auch wirklich genutzt wird, sowie fortlaufende Innovationen. Werden jedoch Applikationen über Rechenzentren und Cloud hinweg betrieben, bleibt ihre Funktionalität immer auf deren kleinsten gemeinsamen Nenner begrenzt.

Missverständnis 3: Im hybriden Modell können Unternehmen ihre Anwendungen nahtlos über verschiedene Cloud-Provider hinweg betreiben. Bei diesem Missverständnis muss eine besondere Feinheit beachtet werden. Unternehmen nutzen eine Reihe an Cloud-Lösungen, zugeschnitten auf ihre Bedürfnisse. Normalerweise ist dies ein Mix aus Services für die Infrastruktur und vorgefertigten Lösungen, die nicht im Rechenzentrum des Unternehmens laufen. Das ergibt auch durchaus Sinn, denn IT-Abteilungen sollten angehalten sein, ihr Problem genau zu analysieren und die bestmögliche Lösung einzusetzen. 

„Technologieentscheidungen sind nicht immer einfach. Doch die Implementierung einer hybriden Cloud ist es durchaus – so lange die eigenen Überlegungen nicht von den gängigen Vorurteilen blockiert werden.“

Stephen Orban, AWS

Schwierig wird es allerdings, wenn Unternehmen versuchen, eine einzige Applikation zu konzipieren, mit der über verschiedene Cloud-Provider hinweg gearbeitet werden soll. Der Aufwand hierfür rechtfertigt in keiner Weise die Kosten, weil er letztlich die Produktivitätsgewinne auffrisst, die das Unternehmen ursprünglich mit der Einführung der Cloud erringen wollte. Anstatt sich auf die Verwaltung der eigenen Infrastruktur konzentrieren zu müssen, geht es nun darum, die verschiedenen Cloud-Plattformen in Einklang zu bringen. Wie auch beim vorherigen Missverständnis schränkt dies die Funktionalität ein.

Es ist verständlich, dass Unternehmen aus Sorge vor einem Vendor-Lock-in einen solchen Weg gehen wollen. Aber: Die Wahrscheinlichkeit, dass einer der großen Cloud-Provider von heute auf morgen von der Bildfläche verschwindet, ist gering. Außerdem spricht gegen den Einsatz mehrerer Anbieter folgende Überlegung: Unternehmen, die ihre Applikationen mit den bekannten Automatisierungstechniken bauen, werden in der Lage sein, ihre Umgebungen verlässlich zu replizieren. Im besten Falle nutzen sie die Elastizität einer Cloud und entkoppeln ihre Applikationen von der Infrastruktur. Wenn das IT-Team das effektiv bewerkstelligt, dann ist es zukünftig umso leichter, im Bedarfsfall den Cloud-Anbieter zu wechseln.

Technologieentscheidungen sind nicht immer einfach. Doch die Implementierung einer hybriden Cloud ist es durchaus – so lange die eigenen Überlegungen nicht von den gängigen Vorurteilen blockiert werden.

Über den Autor:
Stephen Orban ist Head of Enterprise Strategy bei AWS.

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Artikel wurde zuletzt im Dezember 2016 aktualisiert

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