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Colocation oder Cloud: Warum derzeit beides sinnvoll ist

Für die Erhöhung der IT-Kapazität haben Firmen die Wahl zwischen Colocation oder Cloud. Erst die Kombination verspricht aber das größte Potenzial.

Für selbst betriebene Rechenzentren ist das Ende nah. Auch wenn es nicht in diesem Jahr passieren wird, nicht in diesem Jahrzehnt und vermutlich noch nicht einmal in dieser Generation, so ist es doch Fakt, dass ihr Abgesang längst angestimmt ist.

Bisher verhinderten Bedenken bei Sicherheit, Leistung und Verfügbarkeit von Drittanbietern, dass Unternehmen bei Engpässen im eigenen Rechenzentrum auf Colocation gesetzt hätten. In den meisten Fällen wurde daher lieber ein neues eigenes Rechenzentrum gebaut oder bestehende Kapazitäten ausgebaut.

Inzwischen sind aber Virtualisierung und die Hybrid Cloud zu gängigen IT-Konzepten geworden und haben den Weg zur Verkleinerung des Data Centers geebnet, während die erhöhte Auslastung und Serverdichte bis zu 50 Prozent des bestehenden IT-Equipments freisetzen konnten. Im Ergebnis besteht nun oft dieselbe Stromversorgung und Kühlung, obwohl das Rechenzentrum faktisch manchmal nur noch halb so groß ist. Immer mehr Unternehmen wird klar, dass dies ökonomisch wenig sinnvoll ist.

Es ist dennoch sehr unwahrscheinlich, dass nun in großem Stil Unternehmen ihre gesamte IT in die Public Cloud verlagern werden – unabhängig von den Vorteilen, die damit verbunden sind. Viel wahrscheinlicher ist es, dass die meisten Unternehmen auch zukünftig einen Teil ihrer IT-Infrastruktur On-Premise im eigenen Haus behalten werden.

Die Infrastruktur zu besitzen bedeutet aber nicht zwingend, auch die gesamte Anlage besitzen zu müssen. An dieser Stelle kommt Colocation ins Spiel. Hierbei baut, besitzt und verwaltet eine dritte Partei die Anlage, während sich anschließend viele verschiedene Unternehmen die Rechenzentrumsfläche teilen und so ökonomische Vorteile realisieren können.

Die Verpflichtung zur Investition und Wartung seiner Dienste liegt dann beim Colocation-Anbieter, der sich entsprechend um die Notstromversorgung, Internetanbindung sowie physische und technische Anlagensicherheit zu kümmern hat. Damit wird meist ein Qualitätsniveau erreicht, das Unternehmen im eigenen Haus so wirtschaftlich kaum abbilden könnte.

Die Kosten von Colocation

Um sich von den anderen Colocation-Anbietern auf dem Markt abzugrenzen, muss ein Versorger auch in der Lage sein, zusätzliche Funktionen anzubieten. So etwa eine komplette Anlagenüberwachung und Architekturberatung, um sicherzustellen, dass sich die Hardware der unterschiedlichen Unternehmen auch nicht in die Queere kommt.

Wie aber sollen Colocation-Anbieter ihre Angebote adäquat monetarisieren, wenn sie sich fortgesetzten Preissenkungen bei IaaS- (Infrastructure as a Service), PaaS- (Platform as a Service) und SaaS-Produkten (Software as a Service) gegenübersehen? Die Kostenmodelle bei Colocation sind traditionell sehr undurchsichtig und basieren auf einer Mischung aus Platzverbrauch, Stromverbrauch und Datenvolumen auf den Internetverbindungen der Anlage.

Damit können sich die Gesamtkosten von Colocation für Unternehmen beträchtlich unterscheiden, was vielfach ein Problem darstellt, da die Vorhersagbarkeit von Kosten in Zeiten ökonomischer Instabilität essentiell ist. Momentan sind Colocation-Anbieter in einer vorteilhaften Lage, da die Kostenberechnung für die Nutzung der Public Cloud ein mindestens ebenso schwieriges Unterfangen ist. Hier ist der erschwerende Faktor aber vor allem die große Angebotsvielfalt, da es so viele unterschiedlichen Angebote sogar desselben Anbieters gibt.

Aber die Zeiten ändern sich und die Kostenmodelle der Public Cloud werden allmählich transparenter und einfacher verständlich. Dies hat bereits einige Colocation-Anbieter dazu bewogen, ihre Preisgestaltung ebenfalls zu vereinfachen. Während sich die Verträge für Colocation und Cloud also immer ähnlicher werden, stellt sich die Frage, ob ein Unternehmen überhaupt noch irgendeinen Teil ihrer Hardwareplattform selber besitzen sollte, oder nicht gleich alles in die Cloud verlagert werden kann.

Cloud oder Colocation: Was ist besser?

Damit schließt sich der Kreis zum Beginn des Artikels. Viele Entscheidungen werden statt auf Tatsachen aufgrund der subjektiven Einschätzung getroffen, dass die Public Cloud irgendwie weniger sicher sei, anfälliger für Ausfälle und schwieriger zu kontrollieren als Hardware im eigenen Rechenzentrum. Diese Meinung führt viele Unternehmen also meist in eine Colocation-Umgebung statt in die Public Cloud.

Unternehmenslenker treffen diese Entscheidung aber auch oft, weil sie von Capex-orientierten Budget-Modellen hin zu flexibleren Opex-orientierten wollen oder den Bedarf nach mehr Ebenen geschäftlicher Verfügbarkeit über mehrere Plattformen hinweg sehen. Dies kann über Colocation erzielt werden, bedeutet aber eine Replikation der gesamten Hardware über mehrere Standorte hinweg, was letztlich sehr teuer sein kann.

Womöglich könnte ein hybrides Modell die Anforderungen vieler Unternehmen besser erfüllen – ein Colocation-Zentrum als primärer Standort, gekoppelt mit der Public Cloud als Failover-Umgebung – und auch Ressourcen für spontane Lastspitzen nach Bedarf bereitstellen.

Für welchen Weg sich ein Unternehmen auch immer entscheidet, die gewählte IT-Plattform muss das Unternehmen adäquat in seinen Zielen unterstützen. An dieser Stelle scheitert das vollständige Inhouse-Modell zunehmend. Derzeit ist das Endspiel aber noch nicht entschieden. Colocation und Public Cloud haben beide ihre Rolle in der Enterprise-IT, klug verbunden können beide Plattformen ihre jeweiligen Vorteile ausspielen.

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Artikel wurde zuletzt im Juli 2016 aktualisiert

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