Citrix

Cloud und Analytics: Wandel im IT-Markt drängt Citrix zu neuen Geschäftsfeldern

Der Citrix Analytics Service ist Ausdruck des sich wandelnden IT-Markts: Er ist hoch im Citrix-Stack angesiedelt und nur als Cloud-Service erhältlich.

Auf der vergangenen Citrix Synergy 2017 zeigte der VDI-Spezialist (Virtual Desktop Infrastructure) wie jedes Jahr von XenDesktop über XenServer bis hin zu NetScaler quasi für das gesamte Produktportfolio umfangreiche Updates und neue Funktionen.

Viel spannender sind dabei aber die Veränderungen, die Citrix auf strategischer Ebene vornimmt, um sich als IT-Anbieter dem wandelnden Markt anzupassen.

Vor allem der neue Analytics Service zeigt, in welche Richtung sich Citrix damit bewegt: Die neue Monitoring-Funktion ist hoch im Citrix-Stack angesiedelt und wird ausschließlich als Cloud-Service erhältlich sein.

Fokus auf höhere Services im Citrix-Stack

Auf großen IT-Konferenzen sind es klassischerweise die Keynotes, auf denen hochrangige Manager Produktneuheiten vorstellen und ihre Kunden und Partner auf die weitere Unternehmensstrategie einschwören. Auf der diesjährigen Citrix Synergy gab es daher neben zwei Gast-Keynotes auch je eine von Citrix-CEO Kirill Tatarinov und eine von PJ Hough, Senior Vice President of Product, gehaltene Keynote, die die Citrix-Vision des Digital Workspace sowie die technologischen Grundlagen hierfür aufzeigen sollten.

Während Mark Templeton vor zwei Jahren in seiner letzten Keynote für Citrix noch voller Tatendrang Innovationen wie die X1-Maus oder den Octoblu-Service vorstellte, bemühte sich Kirill Tatarinov auf seiner ersten Citrix Synergy ein Jahr später dagegen merklich, Citrix durch den Fokus auf bewährte Produkte wieder in ruhigere Fahrtwasser zu manövrieren. Durchaus mit Erfolg, wie man rückblickend wohl sagen kann, was jetzt sicherlich ein Grund für den wieder visionäreren Blick auf den digitalen Arbeitsplatz sein dürfte.

Auffällig war dabei vor allem aber, wie selten Kirill Tatarinov oder PJ Hough die Namen klassischer Citrix-Produkte in den Mund nahmen: Ohne mitgezählt zu haben, fielen die Wörter XenDesktop und XenApp in den zwei Keynotes nur wenige Male, XenServer wurde sogar noch seltener erwähnt. Dabei hätte es mit XenDesktop 7.14 oder der Hypervisor-Introspection in XenServer 7.2 durchaus interessante Neuigkeiten gegeben.

Auf Nachfrage erklärte Citrix-CTO Christian Reilly dies mit einer Neuorganisation im Unternehmen, durch die einzelne Produktgruppen zugunsten des umfassenderen Workspace-Konzepts nach außen weniger präsent auftreten sollten – auch wenn er Kernprodukte wie XenDesktop oder XenServer damit natürlich ausdrücklich nicht als unwichtig verstanden wissen will. Diese interne Restrukturierung fand ihren Ausdruck im neuen Keynote-Format der Visions und der Technology Keynote, die sich so auf den gesamten Digital Workspace konzentrierten. Technische Updates zu den einzelnen Citrix-Produkten, so Christian Reilly, wurden schließlich in den Breakout-Sessions vermittelt.

Abgesehen von dieser offiziellen Erklärung seitens Citrix drängt sich als Außenstehender aber auch eine andere Erklärung auf: Auch Citrix als VDI-Anbieter spürt die Veränderungen im IT-Markt, in dem immer mehr Unternehmen ihre IT-Infrastruktur nicht mehr selbst betreiben wollen, sondern lieber als Service einkaufen.

Ausdruck dieses „Consume-vs.-Operate“-Trends sind beispielsweise XenDesktop/XenApp Essentials. Dabei handelt es sich zwar nicht, wie oft fälschlicherweise gedacht, um DaaS-Produkte (Desktop as a Service), immerhin wird dabei aber die Management-Schicht von XenDesktop/XenApp bestehend beispielsweise aus StoreFront, Delivery Controller oder Broker in die Citrix Cloud verlagert. Wo Citrix-Kunden dann die tatsächlichen virtuellen Desktops hosten oder VDI-Images und Daten speichern, ob auf Microsoft Azure, AWS oder im eigenen Rechenzentrum, obliegt wiederum den Unternehmen selbst.

Citrix übernimmt damit Teile der Infrastrukturverwaltung und stellt diese seinen Kunden als Cloud-Service zur Verfügung. Noch deutlicher wird diese Entwicklung anhand des neuen Analytics Service, der ausschließlich als Cloud-Dienst zur Verfügung stehen wird und umfassende Predictive-Monitoring-Funktionen für Citrix-Bereitstellungen (lokal oder Cloud-basiert) liefern soll.

Christian Reilly ist es wichtig, zu betonen, dass damit kein Zwang entstehen soll, XenDesktop- oder XenApp-Bereitstellungen in die Cloud zu verlagern. Auch zukünftig sollen die Citrix-Produktschlager also für lokale Bereitstellungen verfügbar sein. Vielmehr gehe es um zusätzliche Alternativen zu bisherigen Bereitstellungsmodellen, die als Cloud-Service in vielen Fällen eine größere Einfachheit versprächen.

Mit den neuen Produkten bewegt sich Citrix aber eindeutig im eigenen Software-Stack nach oben und setzt auf höher liegende Services, die Unternehmen zumindest teilweise vom Betrieb eigener Infrastruktur entlasten.

Neue Umsatzchancen durch vertikale Produktdiversifikation

In der Betriebswirtschaftslehre spricht man bei der Einführung neuer Produktlinien, die bestehenden Produkten vor- oder nachgelagert sind, von einer vertikalen Produktdiversifikation. Während XenDesktop/XenApp Essentials oder auch die Cloud-basierten NetScaler-Produkte eher als Produktdifferenzierung bezeichnet werden können, also als neue Ausprägung bereits bestehender Produkte, setzt der Analytics Service als neues Produkt in der Wertschöpfungskette später an und bietet Citrix-Kunden nur dann einen Mehrwert, wenn sie bereits Citrix-Produkte nutzen.

Der Citrix Analytics Service sammelt Daten aus bestehenden Citrix-Produkten wie XenDesktop/XenApp, ShareFile oder auch NetScaler, wertet diese aus und stellt anschließend Monitoring- und Management-Funktionen zur Verfügung. Klassischerweise kommen hierfür Produkte von Drittanbietern zum Einsatz, Citrix bewegt sich mit dem Analytics Service also auf einer höheren Ebene im eigenen Software-Stack als bisher und betritt damit einen neuen Markt, auch wenn die Basis des neuen Cloud-Service, NetScaler Management and Analytics System (MAS), bereits vor einem Jahr vorgestellt wurde.

Bleibt man im betriebswirtschaftlichen Sprachgebrauch, dann gehören Produktdiversifikationen zum Instrumentarium der strategischen Produktpolitik und haben die Erschließung neuer Märkte zum Ziel. Die veränderte Kundennachfrage im IT-Markt nach IT-Konsum statt Eigenbetrieb trifft dabei auf die technisch neuen Möglichkeiten von Predictive Analytics auf Basis von Big Data und Machine Learning. Das Ergebnis ist schließlich das SaaS-Tool (Software as a Service) Analytics Service.

Wie erfolgreich sich der noch junge Markt rund um Predictive Monitoring, einst durch Nimble Storage InfoSight in den Fokus der IT-Öffentlichkeit gerückt, langfristig tatsächlich entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Immerhin drängen aber immer mehr Unternehmen in diese Richtung: Nimble Storage gehört inzwischen HPE, Quest Software hat kürzlich VROOM vorgestellt und auch VMware hat diesen Weg inzwischen mit Proactive High Availability (HA) und Predictive Distributed Resource Scheduler (DRS) in vSphere 6.5 eingeschlagen.

Für Citrix dürfte es also wichtig sein, überhaupt frühzeitig auf diesen Zug aufzuspringen. Kirill Tatarinov nannte den neuen Analytics Service während seiner Keynote dann auch „die wichtigste Ankündigung der diesjährigen Synergy“ und maß ihr „höchste Priorität“ bei. Kein Wunder, wenn man in einen völlig neuen Markt mit etablierten Playern vorstößt.

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Artikel wurde zuletzt im Juni 2017 aktualisiert

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