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Überlegungen zur Planung einer konservativen Cloud-Migration

Die Cloud bietet viele Vorteile, birgt aber auch so manches Risiko. Diese Tipps bieten Anhaltspunkte für eine konservative Cloud-Migration.

Die Cloud steht bei vielen Unternehmen im Business-Plan, denn sie bietet das Potential einer schnelleren IT-Dienstverfügbarkeit bei gleichzeitig einfacherer Bereitstellung. Allerdings benötigen Konzerne hierfür auch einen fundierten Migrationsplan in die Cloud. Sich langsam heranzutasten und mit unkritischen Systemen zu beginnen ist dabei wesentlich sinnvoller, als gleich große und komplexe Systeme komplett migrieren zu wollen.

Unternehmen müssen zudem die Wahl zwischen der Private, Hybrid und Public Cloud treffen. Die meisten Konzerne fühlen sich mit der Private Cloud am wohlsten, da dabei die Systemverarbeitung vor Ort verbleibt. Auch Analysten von 451 Research bestätigen, dass die Private Cloud unter allen Cloud-Projekten dominiert. Bei hybriden Infrastrukturen werden einige Dienste des unternehmenseigenen Rechenzentrums in das Rechenzentrum des Cloud-Anbieters ausgelagert. Diese Veränderung macht IT-Verantwortliche oft nervös, weshalb hybride Clouds meist nur sehr zögerlich angenommen werden.

Single- oder Multi-Tenancy?

Eine Umfrage der Insight Enterprises in Zusammenarbeit mit der Thunderbird School of Global Management hat ergeben, dass Sicherheit die größte Sorge der Unternehmen ist, die Cloud-Dienste in Erwägung ziehen. Immerhin müssen Unternehmen ihre sensiblen Daten schützen.

Eines der grundlegenden Probleme findet sich im Mandantenmodell. Unternehmen mit eigenen Rechenzentren oder eigener IT-Ausstattung innerhalb eines gemeinsamen Rechenzentrums nutzen gewissermaßen ein Ein-Mandanten-System (Single-Tenant). Die Infrastruktur des Rechenzentrums aus Servern, Storage und Netzwerk versorgt ausschließlich Anwendungen für das eigene Unternehmen.

In einem Cloud-Rechenzentrum teilen sich aber viele Unternehmen Ressourcen gemeinsam in einem Mehr-Mandanten-Modell (Multi-Tenancy). Zwar ziehen Cloud-Anbieter durchaus virtuelle Schutzwälle um die Systeme ihrer Kunden, diese sind aber nicht zwingend unüberwindbar. So birgt das Multi-Tenancy-Modell immer auch das Risiko eines Datenlecks.

Die Risikobereitschaft unterscheidet sich aber natürlich von Unternehmen zu Unternehmen. Im Gesundheits- und im Finanzsektor müssen Unternehmen Kundeninformationen schützen, um Industriestandards zu wahren, so dass hier die Migration in eine öffentliche Mehr-Mandanten-Cloud kaum möglich sein wird. Allerdings finden sich auch immer mehr Cloud-Anbieter, die ihren Kunden dedizierte Infrastruktur bereitstellen. Diese Virtual Private Clouds stellen also auch in der Cloud Single-Tenancy-Infrastrukturen bereit.

Stellt sich ein Unternehmen seinen Sicherheitsbedenken, dann ist es eine gute Idee, im Kleinen zu beginnen. Ein inkrementeller Migrationsplan in die Cloud hilft konzerneigenen IT-Abteilungen dabei, Erfahrung mit der neuen Infrastruktur zu sammeln, ohne während dieses ersten Lernprozesses geschäftskritische Systeme einem Risiko auszusetzen. Eine Umfrage von Skyhigh Networks, einem Hersteller von Cloud-Sicherheitssoftware, hat ergeben, dass drei von vier der populärsten Cloud-Anwendungen Kollaborations-Tools sind: Microsoft Office (auf Platz 1), Ciscos WebEx (Platz 3) und der Filesharing-Service von Box (Platz 4).

Workloads für die Cloud

Bei einem Cloud-Migrationsplan spielen aber natürlich auch die Anforderungen der Workloads eine Rolle.

Anwendungen, die Ressourcen periodisch an die Belastungsgrenzen bringen, wie beispielsweise die monatlichen Gehaltsabrechnungen oder verkaufsstarke Feiertage, sind ideale Kandidaten für eine Migration in die Public Cloud. Statt eigene Hardware zu betreiben, die dann zum großen Teil nicht ausgelastet ist und trotzdem Strom verbraucht, zahlen Unternehmen im Bedarfsfall nur für die tatsächlich genutzte Kapazität in der Cloud.

Ein weiteres gutes Beispiel für mögliche Cloud-Workloads sind Entwicklung und Testen von Software, wo Unternehmen Arbeitslasten regelmäßig immer wieder aufsetzen und abrüsten. Die Migration in die Cloud vermindert hier den Aufwand, all die Konfigurationsinformationen manuell eingeben zu müssen. Laut einer Umfrage von RightScale sind Test- und Entwicklungsszenarien mit 85 Prozent der Befragten die häufigsten Nutzungsszenarien in der Cloud.

Darüber hinaus spielen auch die Prozessanforderungen jeder Anwendung (oder Anwendungsklasse) eine wichtige Rolle. Mit steigenden IT-Ausgaben wächst auch das Speichervolumen signifikant. IDC prognostiziert, dass das Datenvolumen von 7,2 Zetabytes (ein Zetabyte entspricht einer Billion Gigabytes an Daten) im Jahr 2015 auf mehr als 40 Zetabytes im Jahr 2020 anwachsen wird.

Was, wenn man in dieser Situation immer höhere Spitzenlasten der Ressourcennutzung hat? Die Erweiterung des Speichervolumens bringt es mit sich, dass Unternehmen auch die Ressourcenkapazitäten in ihren Rechenzentren erhöhen müssen. Angesichts der wachsenden Speichervolumina und der hierfür benötigten zusätzlichen Rechenzentrumsfläche könnte die Cloud eine attraktivere Option darstellen.

Geschäftsprozesse an die Cloud anpassen

Auch Probleme im Management spielen bei einer Cloud-Migration eine Rolle. Oft sind entsprechende Veränderungen nur schwer umzusetzen und ziehen weiche und harte Kosten nach sich. Unternehmen müssen Zeit dafür aufwenden, ihre Geschäftsprozesse zu untersuchen – und oftmals auch abzuändern. Angestellte müssen geschult werden, wie die neuen Systeme zu nutzen sind.

Mit dem Schritt in die Cloud gehen Unternehmen Service-Vereinbarungen (Service-Level Agreements, SLAs) ein, die inhaltlich von der Rechtsabteilung sowie von der IT beeinflusst werden. Womöglich lassen Unternehmen Rechenzentren sogar schlicht auch deswegen weiterlaufen, statt in die Cloud zu migrieren, weil sich die Angestellten mit dem Ist-Zustand wohler fühlen.

Monitoring und Management in der Cloud

Nachdem IT-Abteilungen einige Schritte im Cloud-Computing gegangen sind, müssen sie – nicht anders als im lokalen Rechenzentrum – die Systemleistung evaluieren und kontrollieren. Traditionelle IT-Anbieter liefern hierfür genauso Tools wie neue Cloud-Anbieter.

Allen Problemen zum Trotz wagen mehr und mehr Unternehmen den Schritt in die Cloud. IDC geht für das vergangene Jahr 2015 von einem Zuwachs der IT-Ausgaben von 26,4 Prozent für Cloud-Infrastruktur (Server, Speicher und Ethernet-Switches) aus, die in einer Gesamtsumme von 33,4 Milliarden US-Dollar resultieren. Im Vergleich dazu werden Ausgaben für nicht Cloud-bezogene IT-Infrastruktur unverändert bei 67 Milliarden US-Dollar gesehen. Und auch speziell in Deutschland erfreut sich die Hybrid Cloud zunehmender Beliebtheit.

Während sich Unternehmen immer weiter auf dem Pfad zur Cloud bewegen, werden die ihnen zur Verfügung stehenden Optionen immer umfangreicher. „Über die kommenden vier bis fünf Jahre hinweg erwartet IDC, dass sich die Anzahl der Entwickler verdreifacht und dabei zehnmal mehr neue, Cloud-basierte Lösungen entwickelt“, so Frank Gens, Senior Vice President und Chief Analyst bei IDC.

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Artikel wurde zuletzt im März 2016 aktualisiert

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