GigaHertz-Wahn führt zu falschen Ergebnissen

 

Leistung als Summe vielfältiger Parameter und Einflussfaktoren

 

Wenn man sich die Anzeigen und Fachbeiträge der Chiphersteller und Computer-Anbieter der letzten 10 Jahre genauer ansieht, erkennt man noch immer an einen Überhang zu Leistung geht nur über GHz. Auch wenn der Übergang zu Mehrkernprozessoren die Diskussion etwas entschäfrt hat, führte das Ergebnis dieser Jagd nach einfachen und messbaren Parametern hat jedoch dazu, dass viele wesentliche Werte in der Leistungsberechnung und vor allem wichtige Faktoren zur Quantifizierung von Performance außer acht gelassen wurden. So ist es für Unternehmen nicht nur wichtig, schnelle Rechner einzusetzen, sondern vor allem ihre  IT-Infrastruktur aus zuverlässigen und standfesten Systeme aufzubauen. Wir wollen in diesem Beitrag als Einstieg in eine Serie über Anforderungen von Unternehmen an Prozessoren und Server die wichtigsten Faktoren aufzeigen und besprechen.

 

Worauf kommt es bei der Serverauswahl an?

 

Es ist für einen Prozessor-Hersteller immer leicht, die Leistung seines Chips über die Taktfrequenz, ähnlich wie in der Automobilindustrie über die PS, gegenüber dem Mitbewerb darzustellen. Aber genauso wir ein hochgezüchteter Sportwagen nicht für Langlebigkeit und Standhaftigkeit gebaut ist, sondern der sportliche Aspekt im Vordergrund steht, zielt der hoch- oder gar übertaktete Prozessor in erster Linie auf den Gewinn des Wettbewerbs oder Leistungskrone ab. Durch die hohe Taktung und der damit verbundenen höheren Temperatur entstehen engere Abhängigkeiten zu Kühlung und Material getrimmt auf Höchstleistung. Ausfallsicherheit steht dabei nicht zwingend im Vordergrund.

 

Ein gutes Beispiel hierfür sind die Itanium-Prozessoren, die nicht unbedingt in der Top-GHz-Liga spielen, aber ihre Stärken bekanntermaßen in der Zuverlässigkeit, Kompatibilität und Optimierung auf bestimme Anwendungsgebiete wie Virtualisierung ausspielen. Für den Business-Anwender geht es genau um diese Merkmale, wenn Themen wie Business Continuity, Compliance und Kompatibilität diskutiert werden. Hierzu werden wir in den nächsten Beiträgen noch einiges Erfahren.

 

Erst in der näheren Vergangenheit hat ein weiteres Thema Einzug in den Aufgabenbereich von IT-Verantwortlichen gefunden, die zunehmend an Brisanz gewinnt und die Administratoren vor große Probleme stellt – der Energieverbrauch der IT-Infrastrukturen und die effiziente Nutzung des Stroms. Auch hier schneiden die historischen Supersportler unter den Prozessoren mit einem hochgetaktetem Kern nicht immer optimal ab,  verbraten sie nicht nur den teuren Saft im Betrieb sondern gleich doppelt durch die aufwändige Kühlung im Anschluss. Auch diese Themen finden in die klassische Leistungsprüfung durch Benchmarks heute noch keinen Einzug. Wie hier eine optimale Bewertung stattfinden kann und welche Methoden zu Einsatz kommen, erfahren Sie in den folgenden Artikeln.


 
Last not least werden zur Leistungsmessung oftmals nur Laborumgebungen gewählt, die nur am Rande etwas mit der Realität zu tun haben. Auch hier eignet sich das Beispiel Automobilindustrie, die den durchschnittlichen Benzinverbrauch derzeit mit einem Standardfahrzyklus ermittelt, der jedoch teilweise bis zu 40 Prozent von realen Fahrsituationen abweicht. Gleiches kann man auch für  die klassischen Benchmarks der IT-Industrie sagen.  Auch hier sind die Bedingungen teilweise weit entfernt von der Realität und spiegeln nun wenig die Anforderungen der Unternehmen wieder. Zudem werden Energieverbrauch, Hitzeentwicklung und Sonderfälle wie Virtualisierung und bestimmte Applikationen kaum bis gar nicht einbezogen.

 

Fazit

 

Sie sehen, dass die Entwicklungen in der IT und die Veränderungen der letzten Monate durch Virtualisierung, Zentralisierung und Energiediskussionen derzeit bei der Messung und Bewertung von Leistung bei Prozessoren, Workstations und Servern noch kaum beachtet werden. Wir wollen dem Gerecht werden und zum einen die wichtigen Aspekte aufzeigen und zum anderen alternative Messmethoden vorstellen. Zudem werden wir auch einige der Anbieter unter die Lupe nehmen und die Unterschiede in Sachen Leistung und Performance verdeutlichen.