22.06.2007 | Autor / Redakteur: Bridget Botelho, / Ulrich Roderer
Alles nur Hype? John Enck, Vice President beim Marktforscher Gartner will es nicht mehr hören. Für ihn ist die Kombination von Blades und Virtualisierung keine Traumhochzeit.“Ich würde da nicht einheiraten“, sagt Enck. Viele IT-Manager seien verunsichert, ob sie in Blades, Virtualisierung oder beides investieren sollten.
Virtualisierung steht aus mehreren Gründen hoch im Kurs: Serverkonsolidierung, niedrigere Kosten und schnelleres Installieren von Applikationen, Unabhängigkeit von Herstellern und schnelles Reagieren auf Workload-Änderungen.
Doch es gibt auch Grenzen. Nicht alle Lasten lassen sich virtualisieren und es gibt keine allgemeinen Regeln, nach welchen sich ermitteln lässt, ob eine Anwendung geeignet ist. Außerdem müssen die zusätzlichen Kosten der Virtualisierungssoftware ausgeglichen werden durch eine hohe Dichte der virtuellen Maschinen auf einem Server.
Auch die Hersteller selbst behindern klare Entscheidungsprozesse für oder gegen Virtualisierung, indem sie sich wie Vmware, Microsoft und Xensource gegenseitig bekriegen: „In den nächsten zwei Jahren werden eine Vielzahl von Lösungen miteinander konkurrieren. Das wird zwar die Preise senken, aber die Entscheidung nicht vereinfachen“, sagt Enck. Software und Support sind bisher ebenfalls ein Hindernis, weil viele Hersteller noch keine klaren Lizenzierungsregeln erstellt haben.
Der Analyst sieht auch psychologische Barrieren bei den IT-Verantwortlichen. „Virtualisierung ist noch nicht vollständig akzeptiert. Vor allem das führende Management misstraut der Technologie“, resümiert Enck seine Erfahrungen.
Byron Mathews, ein leitender Manager der Infrastructure Services bei TAP Pharmaceutical Products, experimentiert gerade mit Virtualisierung und hat bereits erfolgreich die Konsolidierung von über 300 Servern durchgeführt. Doch Bladeserver fanden nicht Gunst seiner Mitarbeiter. „Wir haben einige Bladeserver, doch die Mitarbeiter bevorzugen normale Racks.“
Die großen Serverhersteller fokussieren ihre Marketingkampagnen vor allem auf Bladeserver, doch die Vorteile dieser Systeme sind fragwürdig. „Ich höre von unseren Kunden, dass Hersteller wie Hewlett-Packard (HP) starken Druck auf sie ausüben, damit sie Blades kaufen„, sagt Enck. „Doch Blades sind nicht immer die beste Wahl. Momentan gibt es wesentlich mehr Druck von Herstellern auf die Anwender als Nachfrage durch Kunden.“
Dennoch gibt es Gründe Blades einzusetzen, auch jenseits des Drucks von Herstellern:
Dagegen stehen hohe Anschaffungskosten, ein Chassis rentiert sich erst ab einer Bestückung von acht Blades. „Man sollte klare Kostenrechnungen durchführen. Erzielt ein Blade keinen ROI innerhalb von drei Jahren, sollte man es nicht kaufen“, sagt Enck.
Bladeserver sind darüber hinaus proprietäre Architekturen, deshalb ist die Auswahl des Herstellers entscheidend. Sie lassen sich nicht wie übliche Rackserver konfigurieren und manche haben weniger DIMM-Slots, so dass Unternehmen teuere Speicherbausteine mit großen Kapazitäten kaufen müssen, speziell wenn sie Blades für Virtualisierung nutzen wollen. Einen weiteren Problempunkt stellt die I/O-Interoperabilität dar, weil Blades manchmal Schwierigkeiten haben, sich in SAN und Netzwerke zu integrieren.
Stromverbrauch und Kühlung gehören zu dem Problemen, die bei dichtgepackten Blades zu lösen sind. „Ich kenne Blades mit 40kW pro Rack, und viele Rechenzentren sind darauf nicht eingerichtet, sowohl technisch als auch von den Kosten. Viele Kunden haben sich da schon die Finger verbrannt“, berichtet Enck. Typische Racks benötigen heute noch 12kW bis 15kW.
Auch das Konzept, Komponenten gemeinsam zu nutzen kann sich negative auswirken: Ein Fehler im Chassis legt unter Umständen den gesamten Bladeserver lahm. „Einige Kunden legen deshalb das Chassis redundant aus. Dadurch können sie nur die Hälfte der Blades einsetzen und damit erhöhen sich wieder die Betriebskosten“, sagt der Gartneranalyst.
Die jetzige Generation der Blades wie sie beispielsweise Egenera anbietet, sind in der Lage, auch kritischere Anwendungen als Webserver zu fahren. Nach der Einschätzung von Enck sind sie jetzt reif für den Datenbanken und Anwendung mittlere Größe.
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