ASP, SaaS, SOA, Cloud Computing und Grid Computing. Alles gleich oder doch anders, eine Begriffsdefinition?
Was unterscheidet die Betriebsmodelle des ASP, SaaS, SOA, Cloud Computing und Grid Computing, wenn überhaupt? Oder sind es nur unterschiedliche Begriffe für gleiche oder ähnliche Inhalte? Eine Begriffsdefinition.
Die IT war in der Schaffung neuer Begriffe nie verlegen. Die Marketiers haben ein scheinbar unerschöpfliches Reservoire um „Alten Wein in neuen Schläuchen“ zu verkaufen. Gilt das auch für die Begriffe von ASP, SaaS, SOA, Cloud Computing und Grid Computing? Zum gewissen Grad ja.
ASP - Application Service Provider
Der Ursprung der oben erwähnten Begriffsreihe liegt in den ASP-Modellen. ASP steht für Application Service Providing. Es wurde Anfang des Jahrtausends aus der Taufe gehoben, verschwand, mangels Interesse, aber bald wieder in der Versenkung. Mit wenigen Ausnahmen. Salesforce und ein paar weitere Anbieter sind seit damals und bis heute in diesem Segment aktiv und verweist auf eine breite Kundenbasis. Das Prinzip dabei ist, dass ein Service Provider eine Applikation zentral bereitstellt. Der Zugriff erfolgt dabei meist über einen Webbrowser. Die Applikation wird also aus dem Web geladen. Die Daten liegen beim Provider. Die ASP-Modelle sind aufgrund der Browser-Orientierung meist mit dem Web-basierten Verarbeitungsmodell und dem Internet in Einklang. Ein weiterer Prominenter Vertreter für ASP sind die Datev-Dienste. Diese verdanken ihrem Erfolg wohl aber mehr dem Dschungel des deutschen Steuerrechts und den Gebühren der damit betrauen Berater sich in diesen Dschungel zurechtzufinden.
SOA – Service Orientierte Architektur
Die nächste Welle schwabbte als SOA – Service Orientierte Architektur – über die Köpfe der IT-Verantwortlichen. Nach circa 2 Jahren ist sie nun abgeebbt. Technisch sollte mit SOA das fortgeführt werden, was schon mit ASP und EAI (Enterprise Application Integration) nicht so recht funktionierte. In der Enterprise Application Integration sollten Applikationen wahlfrei verknüpft werden. Dies ist auch nicht wirklich neu und führte die Konzepte von EDI (Electronic Data Exchange) und der wahlfreien Kombination der Objekte in der Objektorientierten Welt fort. Mit SOA sollten nun das, was vorher mit den unternehmenseigenen Applikationen nicht funktioniert plötzlich zwischen den Applikationen unterschiedlicher Unternehmen ein Erfolg werden? Wohl kaum. SOA hat nicht funktioniert und wird es so auch nicht. Die Ursache dafür aber ist nicht die Technik, sondern wie schon bei EAI oder OO (und allen anderen Modellen) in mehreren Ursachen zu sehen: Komplexität, Zukunftsinvestment, Not-Invented-here-Syndrom und Ähnliches sind die Gründe.
Grid Computing - Rechenkraft aus dem Netzwerk
Beim Grid Computing werden viele Rechner zu einem Netzwerk dem Grid verbunden. Beim Grid Computing werden die Rechner aus einem losen Verbund dem Grid zusammengestellt. Diese lösen dann gemeinsam eine Aufgabe. Es ist damit eine Form der Parallelverarbeitung. Soweit die Theorie.
Das Problem dabei ist: wie wird diese Aufgaben so aufgespalten, dass eine parallele Bearbeitung auf unterschiedlichsten Rechnern bewerkstelligt werden kann? Und wie kommen die Daten dahin, wo sie benötigt werden?
Doch die Anforderungen daran sind nicht gelöst. Mit der Hinwendung zur Multicore-CPUs tritt dieses Problem wieder in den Vordergrund, denn was bringen alle die vielen Kerne wenn die Applikationen sie nicht nutzen? Die bisherigen Ergebnisse hinsichtlich der parallelen Programmierung zeigen eines deutlich auf: Die Umsetzung ist schwierig! Es fehlen die dazu notwendigen Entwicklungstools und Entwickler, die mit parallelen Prozessen vertraut sind. Dies gilt analog auch für das Grid Computing. Hinzu kommt, dass der Anreiz für Unternehmen, die eigenen Rechner für ein virtuelles Grid bereitzustellen sicher gering ist.
SaaS – Software as a Service
Salesforce hat es vorgemacht. Von deren Erfolg träumt so manches Unternehmen. Das Modell von Salesforce ist aber kaum auf alle Bereich zu übertragen. Salesforce stellt Werkzeuge für die Vertriebsunterstützung bereit. Die Adressaten sind somit Personen, die somit meist unterwegs im Felde sind und dabei auf sich selbst und ihren Notebook gestellt sind. Ob sie nun eine Verbindung zum Unternehmensnetz oder dem Salesforce-Servern aufbauen ist somit vergleichbar. Das Angebot von Salesforce kommt aus einer Quelle, nämlich der von Salesforce. Ein zusammengewürfelter Klumpen von Softwaremodulen, wie es etwa SOA propagiert, ist auch Salesforce nicht. Sattdessen handelt es sich um abgestimmte Module aus wenigen Quellen. Das SaaS-Modelle zeigt in Salesforce Erfolge. SaaS aber generell als das Modell der Zukunft zu betrachten, darf bezweifelt werden. Für Beschäftigte, die ähnlich wie die eine Vertriebsmannschaft nahezu ausschließlich im Feld operiert, ist es sicher ein anwendbares Betriebsmodell. Ob sich auf die internen Beschäftigten und deren IT-Bedürfnisse anwenden lässt, darf bezweifelt werden.
Cloud Computing – der neueste Hype
Mit Cloud Computing „treib man nun eine weitere Sau durchs Dorf“.
Je nach Anbieter wird das Schlagwort erneut für das eigene Marketing missbraucht. Die einen sehen im Cloud Computing lediglich die Fortführung des SaaS-Gedanken, andere wiederum betrachten die Wolke mehr im Sinne der eigenen Hardware. Demnach stellt die Wolke die gesamte Rechenleistung bereit, aus der die Unternehmen die Anforderungen speisen. In den meisten Architekturskizzen wird das Internet auch heute meist als Wolke dargestellt. Für die Befürworter des Cloud Computings macht es daher keinen Unterschied woher die Rechenleistung kommt: aus dem Unternehmen oder Internet. Völlig ungeklärt sind die Verteilung der Applikation auf die Rechenknoten, die Zuordnung der Daten zu den Prozessen, die Datensicherheit, die Abrechnung der Rechenleistung und vieles mehr. Die Ansätze des Cloud Computing sind daher den vergangen Wellen nicht unähnlich – und werden genauso wieder verschwinden.
Fazit
Wenngleich diese Erläuterung sich sehr kritisch mit den jeweiligen Konzepten auseinander setzten, so soll das nicht heißen, dass diese allesamt spurlos vorübergegangen sind. Sie alle haben oder werden die weitere Entwicklung der IT beeinflussen. Trotz aller gegenteiligen Beteuerung der Anbieter handelt es sich aber auch in der IT um Evolutionen, die Schritt für Schritt durchlaufen werden und kaum um umwerfende Revolutionen. Daran ändern auch die mit großen Marketingaufwand erstellten Studien und Analysen nichts, die gerne als Untermauerung der eigenen Produktstrategie herangezogen werden. Bei der Betrachtung der derzeitigen Situation vor allem der amerikanischen Finanzwelt und deren Ratingagenturen fallen so manche Parallelen zur IT auf. Die Finanzinstitute haben sich massiv auf die nicht immer nachvollziehbaren aber wohlwollenden Beurteilung (dem Rating) der Finanzanalysten hingegeben und gehen nun der Reihe nach Pleite. Die IT tät gut daran, nicht den gleichen Fehler zu machen - der Glaubwürdigkeit und Zukunft wegen.



